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Dieses scheußliche Bild links, das zwei fragwürdige Staatsmänner zusammenmorpht, passt zum Event, der gerade hierzulande „Namaste Trump“ genannt wird. Ich war ja kurz ziemlich verblüfft, von Freunden in Deutschland via WhatsApp zu hören, dass der Besuch von Donald Trump noch gar nicht durchgedrungen war. Hier ist die offensichtlich von Modi gekaufte Zeitung voll des unermüdlichen Preisens von dem, was man daraus holen könnte, wenn alles gut läuft. Ja, Donald und Melanis und Javed und Ivanka und eine Riesenhorde von BegleiterInnen sind gelandet und verbringen in Indien ein paar teure Stunden. Es ist der Moment, in dem fast wie nebenbei Amerika das coronavirusgestresste China als Partner ersetzt. Modi und Trump verstehen sich prächtig. Narendra hat Donald versprochen, dass  Millionen von Fans den Pfad des gewichtigen Freundes  säumen werden. Alles, was vor sehr Kurzem noch arm aussah, wurde seit Tagen zur Seite geschafft, eine neue Straße wurde gebaut und eine Mauer, die das Schlimmste versteckt. Wer alles für diese paar Stunden entwurzelt wurde, wird nie einer wissen.  Für die kleine illustre Reisegruppe wurden Gold-und Silberutensilien extra hergestellt. Es gibt kaum ein anderes Land wie Indien, das einen derart aufwendigen Zirkus veranstalten kann. Die Straße wird gesäumt sein mit kulturellen Events undsoweiter, während ich hier in die kichernden Augen einer jungen Brahmanin schaue, die sich wünscht, jemand hätte den Mut, den Kerl umzubringen. Um Himmels Willen, bloß nicht! Dann könnte ihn wirklich niemand mehr vergessen, und Modi würde sich eine geistige Kugel durch den Kopf jagen. Nein nein, das wird so ungeheuer bunt und einfallsreich werden wie alles, was Indien hervorbringen kann, wenn’s ums Ganze geht. Hier ist keinerlei Mangel an Menschenware und Kostümen, und man kann blitzschnell ganz viele Menschen stolz machen, wenn man (noch) PM von Indien ist.
Dann hat mich wirklich überrascht zu hören, dass es bereits Tausende von Japanern und Japanerinnen gibt, die geradezu mühelos vom Zen zu Jainismus in Indien gewechselt haben und regelmäßig hierher reisen zu ihren Lehrern. Der Jainismus ist ähnlich krass wie der Zen Buddhismus, was die Strenge der Lehre und vor allem die Mönche und Nonnen unter ihnen betrifft, die nur zu Fuß gehen und zum Beispiel ein Tuch über dem Mund tragen, um nicht aus Versehen ein Tier zu schlucken. Da hat sich auch was untereinander sehr gut verstanden. Der Jainismus ist die einzige Religion, in der es einen rituellen Selbstmord gibt als Option der Lebensbeendung.
Dann habe ich die Bilder einer Künstlerin abgebildet gesehen, die mit Menstruationsblut malt und eine ihrer Installationen „Den Schrein der Vaginas“ nannte. Man muss das nicht wichtig finden, aber immerhin geschieht es in Indien, wo von Frauen erwartet wird, dass sie sich verkriechen während ‚ihrer Tage‘, und dürfen auch nix von der Küche anfassen.
Alle Neugkeiten sind relativ. Vieles war schon immer da, und sehr, sehr wenig hat die Eleganz des ungestörten Seins, das keine Nachrichten braucht.

 

*Das rechte Bild oben ist von Lyla Freechild/Jaipur


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