(be)fragen & (be)antworten



Erfreut griff sie (ich) nach ihrer Fragensammlungsmappe und legte zu der Fragenseite der Zeit zwei weitere Fragen hinzu, wohl wissend, dass nicht nur jede Wahrheit die vorletzte ist, sondern dass ständig neue Fragen emporkeimen aus den beackerten Feldern. Aber auch da, wo niemand besonders ackern muss, werden ständig Fragen in den Raum gerufen oder jemandem gestellt oder man befragt sich selbst täglich, das fängt ja beim Anziehen an und kann noch im spätabendlichen Wegdämmern eine bedeutsame Rolle spielen, wenn manche Fragen wie Geister auf einen zukommen und dann im Labyrinth der Träume zu Figuren werden, die weiteren Fraggrübeleien anheim fallen können, aber nicht müssen. Nun gibt es eine uralte Meinung (deswegen weiß man halt nicht, woher sie kam) über bestimmte Fragen, an denen der Vorsichhingrübelnde nicht vorbeikommt, außer natürlich, jemand durchgrübelt einen Mordsplan und kommt dadurch nicht in die Nähe dieser anderen Fragen wie: Wer bin ich? Gibt es einen Gott? Was ist Liebe/Freiheit/Wahrheit usw. Dieselben Fragen können einen ein Leben lang beschäftigen, und da, wo Antworten wirklich gefragt sind, verändern sie sich häufig im Lauf der Zeiten, sodass sie auch Aussage über uns und unseren Lebensfaden werden. Manchmal sind die Fragen wichtiger als die Antworten, manchmal umgekehrt. Und die Worte zu haben sagt nichts darüber aus, ob auch Fragen gestellt werden können und manchmal auch müssen oder müssten, wenn sie zu lange vermieden werden. Fragen können überall und jederzeit auftauchen, auch als Infragestellen der Befragung. WächterInnen werden neuerdings in öffentlichen Verkehrsmitteln eingesetzt, um Tatverdächtige zu fragen, warum sie keine Maske tragen, das wird teuer, wenn man es nicht clever beantworten kann. Man lernt, dass zwischen beweglichem Widerstand und bereitwilliger Gewöhnung ein Schatten auf den Nasen herumtanzt, mal auf der einen, dann auf der anderen Nase. Hier könnte zum Beispiel der Titel eines von Freundeshand*  geschriebenen Buches erscheinen : ‚Wem gehört dein Leben?‘, und wie unangenehm es sein kann, wenn einen das Gefühl beschleicht, dass einem etwas Wesentliches entzogen wird an souveränen Entscheidungsmöglichkeiten. Denn die Anderen sind ja genauso überzeugt, dass sie recht haben mit ihrer Einstellung. Da beantwortet man dann schon mal die Frage mit der beweglichen Entscheidung des kleineren Übels. Wach sein kann ja bis in die Träume dringen, und auch wenn der Traum nicht der eigene Königsweg ist, so kann man ihn trotzdem aufmerksam betrachten, denn zuweilen bietet er  Antworten, wo gar keine Fragen waren. Schließlich lebt man ja die eigene Geschichte hinaus in den Raum, sozusagen als verkörperte Frage, und es kommt sehr wohl darauf an, wie man sich selbst beantwortet, wer sollte es sonst tun. Und sollte man eines Tages beantworten können, wem das eigene Leben gehört, kann man die Frage hinausdehnen und z.B. fragen, wem das Ganze (Erde/Tiere/Pflanzen) überhaupt gehört und wer das alles entschieden hat, was wie eine Antwort zu einer Frage aussieht, die keiner gestellt hat. So kann man auch spielerisch damit umgehen, ohne den Kern aus dem Auge zu verlieren.

 

* Florian Goldberg „Wem gehört dein Leben?“

 


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