Transit

Eigentlich wollte ich mich der Idee des schwarzen Bildes, das auf allen Kanälen solidarisch mit dem Getöteten herumgeisterte, anschließen, aber dieses Bild unter meinen fand ich dann dunkel genug und stimmt insofern, dass wir uns, in m e i n e m Wahrnehmungskonstrukt wohlgemerkt, auf dem Wege in Phase III der Corona-Zeit befinden. Und in der Tat hat sie was von einem dritten Akt, wo der Aufruhr, der durch menschliches Handeln und Versagen entfacht wurde, von einem Brand in Asche übergeht. Oder man könnte mit einem der besten Sätze der Weltgeschichten antworten: „This, too, shall pass“. Denn es geht vorüber und lebt noch eine Weile von seinen Nachwirkungen. Einige Dinge haben sich durchgesetzt und bleiben. Es kann gut sein, dass es bald Kinder geben wird, die sich weigern werden, ohne Maske hinauszugehen, kann man doch mächtige Avatare  (Achtung: Marktlücke!) auf diese Tüchlein drucken, und im Nu hat man ein paar Süchtige mehr. Auch die Erotik der Maske war auf den Straßen nicht anzutreffen, denn noch war (und ist?) der Widerstand aktiv zwischen wollen, dürfen und müssen. ‚Man gewöhnt sich daran‘ sagte die Bedienung im Gartenrestaurant auf meine Frage, ob das nicht unangenehm sei, so den ganzen Tag mit der Maske. Und das ist es ja gerade, dass der Mensch sich an ungeheure, untragbare, unheimliche Dinge gewöhnen kann, bis dieser Glaube in die Finsternis des Normalen einzieht. In der Vernichtung ein Kitzeln spüren, bei dem die innere Auslotung noch nicht stattgefunden hat, denn, tut doch nicht so, den Schwarzen will doch eh keiner. In Akt III also kommt die Sache nochmal auf den Punkt: jedes Schicksal hatte Zeit, sich zu erweitern. Jetzt kommt kein Akt mehr, sondern die lange Zeit der Besprechungen, der Kontemplationen über Gewesenes und Werdendes, die Nacharbeitung des Krisenmanagements, die daraus gezogenen Schlüsse und Folgerungen. Schön, dass auch klar wurde, dass keiner die Wahrheit gepachtet hat, denn immerhin steht man da schon an einem selbstbestimmten Platz am Tellerrand, in weiteres Ungewisses schauend. Nun kann das sehr erfrischend sein, wenn die Begehrlichkeiten nicht die treibende Kraft sind, sondern eher das entspannende Zulassen des unbelegten und unbesetzten Raumes, in dem sich der Faden scheinbar mühelos aus dem erfühlten Rund webt. Bleiben wird: Jedem und Jeder das Seine und Ihre und die Möglichkeit, d a s in sich selbst zu erkennen. Insofern könnte man sogar der Vermummungspflicht ein Quäntlein abgewinnen, den Moment nämlich, wenn man zu sich kommt und froh ist, die Maske wieder ablegen zu können. Was auch kommen wird, sind Orientierungsprogramme, Leitfäden und Einstellungsvorschläge. Die Koordination betrifft den ganzen Planeten. Unwillkürlich hat man etwas Gemeinsames erlebt und muss nun ins jeweilige Vorne schauen. Aber da vorne, huhuuu, da ist auf einmal alles ganz anders als man dachte, es sei. War das Virus doch eine Lupe? Hat man sehen können, was ohne dieses Es nicht sichtbar geworden wäre? Und aus diesem Es ist nun eben das Ich geworden, das bürgt in der fließenden Welterscheinung zumindest für einen Hauch, den man vorsichtig als Wandlung empfinden könnte. Es kommt auf die Positionierung an.

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