einlassen

Abgesehen von der schönen, tiefroten Farbe wäre diese Komposition nun kein Bild, von dem ich sagen würde, man solle sehen, was es ist, denn das Herumrätseln wäre sinnlos. Würde es riesengroß, und die 4 Teile miteinander verbunden, in einer Ausstellung hängen, fände ich es angebracht, es „Chia-Samen in Rote-Beete-Saft“ zu nennen, denn es macht keinen so großen Unterschied, ob es Bohnen oder Samen sind. Denn vor allem muss das Auge angesprochen sein von etwas, obwohl auch das schon wieder vielfältig wird in seinen Möglichkeiten, nämlich wie jemand es sehen kann und würde. Immer wieder haben KünstlerInnen ihre Werke erläutern können, wenn sie das Glück hatten, es dadurch selbst besser kennen zu lernen. Denn man lernt ja auch von dem, was Andere durch einen oder von einem sehen. Selbst wenn auf einem Gemälde ganz eindeutig ein angezogener Mann wie z.B. der Philosoph auf Manets Bild neben einer entblößten Frau sitzt, sieht vor allem nach Manets eigener Deutung fortan jede/r Betrachter/in etwas Eigenes darin, was soll man machen, so ist es. Wichtig ist es, Verantwortung für den eigenen Blick zu übernehmen,vorausgesetzt ich bin daran interessiert, mein eigenes Schauen zu schulen und zu erkennen. Der Blick wiederum (man wird nicht müde, es im Gedächtnis lebendig zu halten) wird von den Gedanken geformt, die bewusst oder unbewusst in einem herumgeistern und zu Meinungen und Projektionen führen, die sich unter Umständen meilenweit von der eigenen Quelle entfernt ansiedeln können. Und was kann man Quelle nennen, wenn dieser Ort nie eine bewusste Relevanz für mich hatte? Auch muss nicht alles etwas in mir auslösen. Meine Bilder zum Beispiel erscheinen mir zuweilen wie eine Ebene in mir, die dem Wort nicht zugänglich ist, denn dort geschehen Dinge, die in meinem Alltag s o nicht erscheinen. Natürlich kann ich mir Fragen stellen oder sie auch mal beantworten, aber mit jedem Gedanken entfernt es sich von dem, was es ist. Dann wiederum ist es gerade das Bewusstsein, das mich zur Landebahn bringt, das dann aber am Tellerrand parken muss, denn jetzt geht es um etwas, das nicht mehr vom Wissen abhängt, sondern vom ungeschriebenen Flugplan. Eben weil es hier keine Sicherung mehr gibt, sondern nur noch das Einlassen auf den Vorgang. Ich würde nie Bunjee springen, aber das könnte körperlich eine ähnliche Erfahrung sein , wenn man vor allem beim ersten Sprung keine Ahnung haben kann, ob das gelingt und man es überlebt. Wo finde ich mich wieder, und in welchem Zustand. Natürlich ist die Welt genauso, wie sie jeweils ist, vollkommen ungreifbar in ihrer Komplexität und den Vorgängen auf ihr, sodass die Ordnung, die ich in ihr herstellen und erfahren kann, genau der Schöpfungsbereich ist, für den ich verantwortlich bin. Eng wird es nur, wenn ich eng bin und mich nicht einlassen kann auf das Vorgefundene, in dem ich mich  bewege. Ich muss auch nicht, aber es ist gut zu wissen, dass ich es kann. Den Quantensprung gibt es auch schon, aber wenn ich springen will, dann muss ich das, was ich davon verstehe, für mich selbst programmieren und umsetzen. Und ja, es gibt Gesetze, die unverrückbar sind und von keinem Menschengehirn erdacht. Deswegen kann man sich, wenn es Zeit dafür ist, getrost auf sie einlassen.

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