bei sich

Die Frage tauchte gestern beim Frühstück auf, ob man erkennen kann, dass ein Mensch bei sich ist, oder eben nicht. Der Alltag bietet jedem eine Menge Möglichkeiten, mit dem Thema umzugehen. Man ist im Kopf woanders als da, wo der Schlüssel hingelegt wurde, und jetzt muss man die beiden Dinge wieder zusammen bringen. Ganz abgesehen davon gehen vermutlich die meisten Menschen davon aus, dass wir nirgendwo anders sein können als da, wo wir sind. Nur, wo sind wir. Wo ist der Ort, wo wir sagen können, wir sind „bei uns“. Epen und Schauspiele sind voll mit diesem Thema, denn die Irrwege und die Labyrinthe und die Verstrickungen und die Heldentaten sind alles Orte, die der oder die Heimkehrer/in durchlaufen muss, um wieder zurückkehren zu können zur Heimat. Warum hat man sie verlassen, oder konnte man gar nicht anders als hinausgehen und schauen, um was es da draußen geht, auch immer im Kontext zu sich selbst und dem, was man dort verloren hat und zu finden bereit ist. Jeder hat andere Karten, klar, sonst gäbe es kein Spiel, und wenn jeder Spieler seine Hütchen zurück zum Hafen bringt, dann ist das Spiel aus und man kann eine weitere Ebene anpeilen, Oder der Spielplan verändert sich und man fragt sich vielleicht eine Weile, ob man vom Spiel gespielt wird, oder ob man selbst spielt. In Indien hat man das Zu-sich-kommen meist den Göttern überlassen oder dem Einen, der alles weiß und alles sieht und angeblich nur das Beste für einen will. Lange genug hat es auch irgendwie funktioniert, denn außerdem hat man als Reinkarnationsgläubige/r endlos Zeit, sich zu entwickeln. Im besten Fall hat es eine Art Seelenruhe erschaffen, im schlimmsten einen schwer zu erweckenden Schlaf, denn nicht nur ist es schwer zu wissen, ob man bei sich ist, aber es ist auch schwer zu wissen, ob Gott bei einem ist, außer man bastelt sich eine Vorstellung. Oder empfindet das Drehen der Gebetsmühlen oder der Rosenkränze als eine Lösung. Man kann sich allerdings auch derart verlassen oder verlassen fühlen, wie es z.B. Eckart Tolle passiert ist, sodass das totale Entschwinden eines  Ichs nicht mehr aufzuhalten ist sowie die Möglichkeit des Todes. Dann auf einmal raschelt die Asche, und ein Paradiesvogel sitzt im Nest, der für diesen Vorgang (gefühlte) 1000 Jahre in Einsamkeit verbracht hat, Zeit ist relativ. Übrigens war Eckart Tolle für viele von uns ein wichtiges Beispiel, nicht nur wegen dem wesentlichen „Be here now“, sondern auch, weil er so gar nicht von Glamour gezeichnet war, wahrlich schlicht wie ein Schluck Wasser, und doch ein Licht, das Strahlkraft hatte und sicherlich für viele noch hat und haben wird, who knows. Fakt ist, dass alle Persönlichkeiten auch Grenzen haben, und möglichst soll niemand einen vom eigenen Weg abhalten, spätestens, wenn man erkennt, dass man weder Eckart Tolle ist noch sonst irgendwer. Man ist sich selbst, und deshalb lohnt es sich, sich auf den Weg zu machen. Dass die Welt ist, wie sie ist, und Menschen sind, wie sie sind, heißt nicht, der Weg ist verbaut. Heute, am Überwachungskameratag (!?) plädiere ich für die Anwendung des Auges als Kamers mit Lampenfunktion, und mal schauen, wer sich dort aufhält, und wo, und mit wem.

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