Christina Thürmer-Rohr

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Die Anwesenheit Anderer in den eigenen Gedanken, die Sorge um Andere in gewöhnlichen Dingen, das Wissenwollen, was sie sagen und tun, das Bevölkern von Eigenraum und Eigenzeit durch anderes Dasein, unsentimentale Überraschung, Mut zur Nüchternheit, Bereitschaft zum Antworten, das wäre mehr als Liebe im kleinen und privates Gefühl im einzelnen. Denn die Liebe zu einzelnen Menschen drückt nur in deutlicher und konkreterer Form aus, was jemand überhaupt von Menschen hält. Sie ist untrennbar verknüpft mit dem allgemeinen Zustand der sogenannten Nächstenliebe, wie sie in einer Kultur präsent ist. Wäre Menschenliebe so etwas wie Erinnerung an unsere Existenz als Geschöpfe einer Schöpfung zusammen mit Mitgeschöpften, Erinnerung an die ‚im Plural geschaffenen Menschen“ (Hannah Arendt), dann wären die Verhältnisse untereinander nicht vom mitmenschlichen Appetit abhängig, nicht von einer Erotik des Habenwollens, sondern einer Erotik der Dankbarkeit. Sie wäre Anlass zum Handeln, Antwort auf das, was wir schon bekommen haben.


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