Dunkles

Samstags ist hier Saturn-Tag, man darf sich fürchten, und obwohl ich heute früh keine Runde drehe, weiß ich, dass dort drüben am Shani-Tempel, dem Gott Saturn geweiht, heute große Öllichter brennen, und Männer rennen um den schwarzen Stein herum, nein, keine Frauen, denn sie dürfen das heilige Dunkel nicht betreten, ein Priester meinte, sie (die Frauen) hätten die Kraft nicht für diese Energie. Es wurde sogar mal durchargumentiert, dann vergessen. Es soll auch samstags mehr (als sonst) gestritten werden in den Familien. Das alles ist ja zu irgendeiner Unterhaltung da und kann von jedem/r unterschiedlich gehandhabt werden. Mein heutiger Dunkelbeitrag zum Samstag ist das Bild oben. Ich habe es von meinem Fenster aus gemacht, daher der Einblick in die Grube. Es ist eigentlich ein Becken, in dem letztes Jahr schon Tausende von PilgerInnen gebadet haben, selig das unsägliche Wasser geschluckt und den Göttern gedankt, dass das obligatorische Bad gewährt wurde. Von diesen vielen Füßen und überhaupt Körpern und Blumen und Gottesgeschenken entsteht ein an Schwärze kaum zu übertreffender Tümpel, der nun seit drei Tagen gereinigt wird von der untersten Kaste. Auf dem Bild sieht man zwei Männer, die von morgens bis abends diesen Dreck auf Plastiktücher schaufeln, die dann von jungen Mädchen weggetragen werden. Es wird im Auftrag von Brahmanen gemacht, die das Ganze überwachen, denn bald werden sie dort an klarerem Wasser Dienst machen an den Gläubigen. Diese Arbeiter, höre ich, bekommen umgerechnet zwei Euro fünzig am Tag, der hineinreicht bis in die Dunkelheit. Wie halten Menschen so etwas aus. Diese Ausbeutung geschieht ja nicht nur in Indien, sondern sie ist immer da, in Kohlebergwerken, in Schlachthöfen, im Großen Undsoweiter. Diese Art von Dunkelheit kriecht über die Welt wie ein Schatten, und lässt sich nieder, wo sie zugelassen wird. Es ist ja schwer, noch einen Menschen zu finden, der kein Smartphone in der Hand hat, aber diese Menschen im Bild sind die Einzigen, die ich gesehen haben, deren Job solch einen Besitz unmöglich macht. Dann weiß man, wo unten ist in einer Gesellschaft. Es kann allerdings sein, dass es nach oben hin noch komplizierter ist, wenn man die Gegebenheiten auf diese Weise überhaupt trennen kann.

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