dortiges Hier

Tief in mir gibt es eine Ebene, auf der sich das indische Wesen und Wissen über Durchsickerung angesammelt hat, zumindest das, was ich selbst wissen wollte und auf meine Fragen und mein Interesse durchaus glaubwürdige Antworten  bekommen habe. Man kann in Indien verhältnismäßig einfach sich selbst sein, weil man weiß, was und dass immer alles möglich ist, also auch man selbst. Die Inder, zumindest die, die ich kennen lernen durfte, schauen geistig ziemlich trainiert auf die turbulente Matrix und machen sich ihre Gedanken, wodurch das Ganze interessant wird für sie, agieren aber wenig davon aus. Es kann sein, dass viele Menschen in Indien eine derartige Bedeutungslosigkeit erlebt haben und erleben, dass sie fast automatisch ins Silchselbstsein rutschen, es aber als solches gar nicht erkennen. Mühsam arbeitet sich jedoch die geistige Ameise von der anderen Seite her auf, ja, auf was zu!? Ist es eine Wüste, ist es eine weitere Karotte, oder etwa eine prall gefüllte und beatmete Leere, in der das Sein sich über einen ergießt wie ein Regenschauer im Sommer. Man muss es herausfinden, wie es (für einen selbst) ist. Denn auch wenn ich wie ein Reporter einige Hintergründe herausfinde über was und wen auch immer, so ist doch auch klar, dass es hinter all den Hintergründen weitere Hintergründe gibt, die eigentlich erst der Stoff sind, mit dem man arbeiten kann. Das heißt auch nicht, dass ich mich nicht beim Gedanken ertappe, mir zu wünschen, dass Narendra Modi über die Covind Krise stürzt, aber auch über das immense Leid ein Erwachungsschock immerhin stattfinden kann. Da wäre eine Umkehr in das eben noch Gewusste fast noch möglich, wobei ich hier nicht in einen naiven Tümpel waten möchte, genauso wenig wie in einen naiven Tempel. Was ich aber dort  (u.a.) gelernt habe ist, dass das Leben nur angenehm sein kann, wenn ich darin anwesend bin. Diese orientalische Anwesenheit wird natürlich darin unterstützt, dass einem das Schauderhafte jederzeit zustoßen kann, sei es der Bulle und die Kühe hinter einem, oder die Leprakranken vor einem. Was da ist, kann eigentlich keiner fassen, außer man vertraut der eigenen Fassung und kann dann auch aus der Anwesenheit heraus agieren. Also alle schauen dem Schauspiel zu und greifen erst ein, wenn es wirklich etwas mit ihnen zu tun hat. Man denkt, was einem nicht passt, aber man sagt es nicht. Eben da ist die indische Kultur an ihre Grenze gekommen. Vor lauter Nichts-Sagen verlernt man, wer man ist oder hat gar nicht gemerkt, dass man es nicht weiß. Als ich jedes Jahr zurück in den Westen kam, war ich bald beschäftigt mit der Umschaltung. Hier ein Hebel und dort, dann konnte ich auch hier wieder anwesend sein, der Freundeskreis hat es ermöglicht. Dann drücke ich auch gerne aus, was mir durch den Geist geht und weiß sehr wohl aus Erfahrung, dass der ernsthafte Dialog unerlässlich ist, da man immer das Wirkungsfeld erschaffen kann und muss, in dem man selbst handeln kann als die, die man ist, und vorzüglicherweise ist das Gegenüber auch mit eigenem Feld präsent. Dann ist viel möglich. Was ich mich gefragt habe ist, ob es nicht außer dem tiefen, stillen Grundton, den ich mit Indien und früherer geistiger Praxis verbinde, eine wache und aufnahmebereite Leere gibt, in der zwar kreatives Denken  und Meinungsbildung und Identitätswandlung u.s.w. möglich sind, aber die einfache und eindeutige Zeugenschaft des Daseienden vorherrschend ist. Das heißt in gewisser Weise bewegt man sich geistig aus dem Vordergrund zurück, ist aber ganz und gar beteiligt an der Zeugenschaft. Die Worte erscheinen vor allem, wenn sie für Mitteilung oder Klärung notwendig sind. Dann kann man sich auf sie verlassen.

 


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