Sehsam

Das Auge im Bild (gespiegelt) habe ich in einer Mauer entdeckt, als ich nach einem ganz bestimmten Affen Ausschau hielt, dessen Schicksal ich seit einigen Jahren beobachte. Wie schnell man etwas sieht, das einerseits da ist, und doch nur da ist, weil man es sieht. (Und auch nicht da ist als das, als was man es sieht, also eben nur durch das Gesehenwerden Existenz erlangt).
Dann muss ich noch etwas berichtigen, was die Hängung der vier als „Nirbaya-Sträflinge“ bekannten Vergewaltiger betrifft, über die ich am 15. Januar berichtet hatte, von denen Einer eine Gnadenbitte eingereicht hatte, deren hoffnungsloser, aber juristisch wohl noch nicht abgeschlossener Vorgang nun das Gehängtwerden noch einmal verzögert hat. Es gab Unmut darüber von einem Richter über diese Verzögerungstaktik, vor allem aber von der Mutter des Opfers, für die der dringliche Tod dieser Vier einen Abschluss ihrer Not bedeutet. Hier lässt man am besten das Meinungsbilden. Außerdem wird es ganz sicher einen Film darüber geben, wenn jemand nicht schon dran ist. Der Schlimmste bei der Tat war ja der Jugendliche, der wegen des e i n e n  Jahres vor seiner Volljährigkeit in einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche gelandet ist. Durch seine Gewalttat ist sie letztendlich gestorben. Ihre Innereien waren vollständig zerstört. Dann haben sie sie und ihren Begleiter nackt aus dem fahrenden Wagen geworfen, und lange hielt niemand an, weil keine/r verwickelt werden wollte in dieses offensichtliche Grauen. Ihr Gehängtwerden ist also vom 22. Januar 7 Uhr früh auf den 1.Februar um 6 Uhr früh verlegt worden.
Die Anlage dieser potentiellen Entmenschlichung des Menschen ist sicherlich immer dagewesen, aber wenn sich die Zeichen mehren und verdichten, wenn auch nur durch die medialen Möglichkeiten, das Ausmaß des Vorhandenen wahrnehmen zu können, dann..ja, was dann. Wo fühlen, wann fühlen, wie fühlen, was fühlen, wo mit und wo nicht mitfühlen. Das wird uns weiterhin beschäftigen. Vielleicht gibt es durch die Menschheitsgeschichte hindurch immer wieder Momente und Zeiten, in denen die Frage nach dem Gefühltwerden eine tiefere Note anstimmt. Auch in der Liebe hat nichts geklärt werden können außer, dass man fühlt, was man fühlt, und wenn man das Glück hat, überhaupt davon betroffen zu sein. Wenn man die Gefahren nicht auslässt, aber am Ende der Tunnel auch das Licht sieht. Wenn man die eigene Seltsamkeit annehmen kann, weil man verstanden hat, dass kein Same dem anderen gleicht. Das ist umwerfend. Und wenn man sich wieder aufgerappelt hat im Angesicht der Einzigartigkeit des Schöpferischen, macht man sich vielleicht ein wohltuendes Getränk und lehnt sich eine Weile zurück und lässt hineinsinken ins innere Universum die unbeschreibliche Mystik des Einfachen.

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