Grundausgestattetes

Einiges kam zusammen, damit ich mich mal wieder mit den Wirkungen von vorgesetztem Zeug beschäftigen wollte. In einer Freundeskreis-Runde kam es dazu, dass wir spontan unsere drei Lieblingsfilme nennen sollten, das zeigte sich als wesentlicher spannender, als man denkt. Der Geist, angeregt, sich auf einer bestimmten Ebene frei bewegen zu können, mutete mir einiges zu, während wir alle um die einfache Frage herumgrübelten, welche Filme man denn nun einfach nennen könnte. Es war gar nicht einfach, denn vor allem fielen uns die Filme ein, die wir alle mal, ohne uns schon gekannt zu haben, liebten…Les enfants du paradis, Cocteau, Antonioni, Visconti, Fellini, Eisenstein, Bergmann im weiterhin ausufernden Undsoweiter …aber es ist ja nicht wirklich eine Nostalgie-Not, denn die Meister sind sicherlich nicht ausgestorben, man muss nur auf sie aufmerksam werden. Das ist ja auch nicht das tägliche Brot, sich von außen unbedingt anregen lassen zu müssen. Nun kam dazu, dass es sich herausstellte, dass der neue Nachbar ein Film-Fan ist und durchaus bereit, aus seiner riesigen Sammlung einiges zum Anschauen weiterzureichen…Jim Jamusch…einige schwedische Filme mit Mads Mikkelsen, grandios in „Adams Äpfel“ (wie!!!??? Nicht gesehen?) Ich bemerkte, dass ich schnell durch alles durchging, um nicht so zu tun, als könnte man das Unbekannte sorgfältig wählen, vorbei an ein paar interessanten, dunklen Thrillern, zu denen er auf meine erstaunte Frage antwortete, er sei ein ungeliebtes Kind gewesen und (wie ich es gehört habe), auf der Suche nach dem Licht im Dunkel. Nach einer gewissen Auswahl griff meine Hand zuletzt auch nach dem Streifen „Die Tribute von Panem“. Wollte doch mal sehen, jetzt, wo der Hype abgeklungen ist, was daran so aufregend war. So einen Film alleine anzuschauen, halte ich für absurd, während zum Beispiel die Filme von Krzysztof Kieslowski (Dekalog) blendend dafür geeignet sind, einen hohen Grad an Aufmerksamkeit zu genießen. Bei den Tributen haben wir dann die Jagdszenen der Jugendlichen, die sich gegenseitig umbringen sollen, übersprungen, und waren bald erlöst. Meistens will man ja unwillkürlich sehen, wo das alles hinführt, wenn man sich schon einem anderen Gehirn aussetzt. Und da es die Natur bzw. das Schicksal aller Dinge ist, irgendwo hinzuführen, muss man darauf achten, oder zumindest bedenken, ob man wirklich in das Schweigen der Lämmer hineingeraten will oder nicht. „Denkst du etwa“, sagte ein alter Freund in Delhi, der sich als hochentwickeltes Wesen präsentierte, leicht empört zu mir, „das könnte mich beeinflussen!?“, als ich ihn fragte, warum seine Flatscreen Tag und Nacht an sei. Na klar denke ich das, denn wenn es keine Wirkung hat, all dieses Zeug, warum es dann laufen lassen? Alles wird durch den Geist, der durch die Dinge weht, bestimmt, da kann man schon mal etwas wach werden dem gegenüber, was man aus Gewohnheit für so normal hält. Auch in Apulien im airbnb-Haus war im Schlafzimmer am Fußende eine Flatscreen angebracht, vermutlich, damit man nicht verhungert. Und wann wird es soweit sein, dass, wenn man sich weigert, mitzumachen, man Tribute zahlen muss nach Panem? Und wenn man sich ohne Apps auf keinem Tretroller bewegen gelernt hat und den Optimierungsprogrammen entkommen ist? Schon die Nennung von drei Lieblingsfilmen kann einem so viel verraten über den Menschen. Irgendwie schon, aber nicht wirklich. Geheimnisvoll ist und bleibt der Mensch, und kein Film kann ihn und sie und es, das Kind, je erfassen. Um überhaupt in die Nähe des Menschseins zu kommen, muss man sich wohl weiterhin unermüdlich darauf zubewegen, indem man sich auf der inneren Leinwand bewegen lernt. Dort sehen wir Spieler erwachen.

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