schwarz

Wie jedes Bild in der Welt, so hat auch dieses vollkommen schwarze Bild eine Geschichte. Günstigerweise ist auch noch Samstag, man erinnert sich, schwarzer Stein, schwarzer Gott, Frauen ist der Zutritt zu seinem Reich verboten undsoweiter, insofern könnte ich auch sagen, ich hätte meinen eigenen Basilitstein erzeugt, wo ich hingehen kann, aber so ist es nicht. Um fünf Uhr früh nämlich, als ich schon zu eifrigem Getrappel und Gesinge der PilgerInnnen erwachte, fiel mir ein, dass ich gar kein Bild habe von dem laufenden Fest, eine gewisse Ermüdung, die sich eingestellt hatte. Da stand ich auf, ging ans Fenster und knipste zweimal in das bereits von  badenden Körpern übervolle Wasserbecken hinein. Zwei Minuten später rüttelte es an meiner schweren Holztür. Ich, vermutend , dass jemand die Tür für einen Tempeleingang hielt, rief hinaus, dass es privat sei und bitte aufhören mit dem Rütteln. Aber es wurde immer mehr gerüttelt und die Tür fast eingestoßen, und zum Glück machte ich dann doch noch auf, denn es waren ein Polizist und eine Polizistin. Diese aufgebrachte Frau raste sofort in den Raum hinein und schrie „Video! Video!, und es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass sie mein Handy suchte. Ob ich nicht wüsste, dass Photographieren während des Kamelfestes (Mela genannt) nicht erlaubt sei. Vor lauter Verblüffung fand ich mein Handy nicht gleich, dann aber doch, und war erleichtert, dass ich nicht zwanzig gute, sondern nur zwei schlecht belichtete Shots vor den strengen Augen der Frau löschen musste. Weil die unmäßig vielen  PolizistInnen aus der nächsten Stadt eingeschleust werden, vermutlich wegen potentieller Terrorgefahr, konnte ich mich ein bisschen als nix verstehende Touristin darstellen, die wenig Böses im Sinn hatte wie zum Beispiel heimlich halbnackte Hindus aus einem Versteck heraus vor die Linse ziehen und heimlich mit Anderen darüber kichern. Ein bisschen unangenehm war, dass kurz vor dem Einbruch der Polizeigewalt in meine klösterliche Stille ich das Moskitofenster geöffnet hatte, um die kriminelle Tat zu tun, da kam ein Brahmane, den ich gut kenne, unten vorbei und schaute ernst zu mir hoch. Mit dem muss ich später mal reden, wie das zusammenhing. Auf jeden Fall wird er der einzige Bewohner der Stadt sein und bleiben, der mich ungeschminkt und ohne Turban vor die Augen bekommt. Zum Glück war es dunkel, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Nun muss ich annehmen, dass es erlaubt ist, sich innerhalb des Familienclans unentwegt zu belichten, aber klar, ist ja verständlich, will man nicht, dass Halbnacktphotos der Ehepartner durch die Welt reisen. Insofern habe ich innere Konsequenzen gezogen und mich heute mit einem Dunkelkammerbild begnügt. Es gibt Momente, da freue ich mich wirklich darüber, dass mein Humor mich nicht verlässt. Er hat bei mir ein freies Leben, und ich könnte ihn ja auch nicht bitten, bei mir zu sein, wenn ich ihn brauche. Aber wenn er dann verlässlich erscheint, merke ich, wie lebenswichtig er für mich ist, nicht zuletzt, um die Dinge in ihrem eigenen Kontext einzuordnen und keine (zu) düsteren Schlüsse zu ziehen.

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