betrachten

Obwohl ich mich noch nicht so häufig und nur in seltenen Begebenheiten in meinem Leben an Bildbetrachtungen beteiligt habe, so betrachte ich doch manchmal ein Bild, das ich selbst gepinselt habe, wie das da oben zum Beispiel, und kann ja nur hoffen (und ‚hoffen‘ wäre schon zu viel gesagt), dass man die rötliche Maus unter dem Adlerschnabel erkennen kann, und darunter die Maus-Behausung, auch wenn ich nicht verhindern konnte, dass sie auch aussieht wie ein schreiender Kopf. Und wenn man nun ein durchreisender Fremdling wäre und käme in die Situation, berichten zu müssen, was ich da sehe, gäbe es allerhand Möglichkeiten. In einem Märchen könnten Adler und Maus Freunde sein und der Adler besorgt nachschauen, ob der Kleine nur schlummert oder etwas Schreckliches ihm zugestoßen ist. Immerhin läuft ja Blut durch die Gegend, und vielleicht war die Maus nur Beute und wird nun davongetragen, wer weiß schon, wohin. Oder der Raubvogel könnte als Donald Trump gesehen werden, der in wütender Ohnmmacht versucht, Kamala Harris zur Maus zu machen, die aber die Wunden als solche gar nicht wahrnimmt, da sie als Maus nur in Donald Trumps Gehirn existiert, allerdings in politischer und menschlicher Wirklichkeit aber eine gewaltige Bedrohung für den Präsidenten darstellt. Die neue sich selbst erzeugende Ordnung besteht ja u.a. auch darin, dass Männer lernen können (nicht schon wieder ‚müssen‘ sagen), mit Frauen zu rechnen. Das allein ist noch so ein großes Übungsfeld, und man weiß ja bis jetzt nur, dass viele Rechnungen nicht aufgehen, und sucht (da, wo man sucht), nach Gegebenheiten und Urgründen. Und freut sich natürlich, wenn man Dinge findet, die tatsächlich d a sind, und nicht  d i e, die man für da-seiend hält, die aber dann doch nicht da sind. Und es ist nicht selten, dass man in ein Rätsel hineinstolpert, das man für geklärt hielt, und nun sprachlos im völlig Ungeklärten steht und man praktisch, oder ist es nur gefühlte Praxis, wieder ganz von vorne anfangen muss. Aber gibt es tatsächlich ein Vorne und ein Hinten? Denn vom Anfang, wie Sloterdijk das mal schön erklärte, bekommen wir ja bewusst wenig mit, obwohl es jetzt wichtige Forschung und therapeutische Praxis gibt auf diesem Gebiet, über das, was man dort erlebt hat, wo oft schon Blut floss und Krieg tobte und Flucht und Gewalt. Und Väter nicht mehr zurückkehrten ins Heim. Von irgend jemandem getötet wurden, von dem man nie etwas wissen wird, eben, welche Kugel gerade ihn treffen musste undsoweiter. Diejenigen, die also auf meinem Bild zum Beispiel den Mausepalast als einen blutenden Menschenkopf sehen, die sollen ruhig wissen, dass man es auch so sehen kann. Oder es kann einen anhand der Tatsachen ein Sturm ergreifen über die ungeheure Komplexität des unermüdlich und wie unersättlich Erscheinenden, sodass die Freude der Sicht auch lernt, sich zu bescheiden. Denn was man sieht, das sieht doch auf einen selbst zurück, oder? Dann gibt es das Sehen, das sich keine Gedanken macht, und auch hier muss (oder kann  man) noch differenzieren.

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