{"id":9788,"date":"2020-02-29T04:48:45","date_gmt":"2020-02-29T04:48:45","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=9788"},"modified":"2020-02-29T05:38:17","modified_gmt":"2020-02-29T05:38:17","slug":"konstruieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=9788","title":{"rendered":"konstruieren"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9789\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200229_064637-300x156.png\" alt=\"\" width=\"455\" height=\"237\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200229_064637-300x156.png 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200229_064637-768x399.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200229_064637-1024x532.png 1024w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200229_064637.png 1889w\" sizes=\"auto, (max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><\/p>\n<h5>Schon der fr\u00fche Morgen entpuppte sich als der Samstagsklassiker im indischen Sinn, dass Shanivar, also der Tag des Gottes Saturn, sich pr\u00e4chtig eignet f\u00fcr Dunkles, auch wenn man nicht danach suchen muss. Schon bevor die Sonne sich zeigt, torkelt der Bruder meiner Freundin Lali total besoffen \u00fcber die Piazza und st\u00f6rt so ziemlich jeden, der auftaucht. Ich kann das von einem meiner Seitenfenster aus sehen und bin immer mal wieder engagiert in diesem gr\u00e4sslichen Drama, da vor allem Lali, aber auch andere Familienangeh\u00f6rigen von diesem Menschen t\u00e4glich massiv beschimpft\u00a0 werden. Durch alles hindurch besch\u00fctzt ihn die Mutter und steckt ihm Geld zu, womit er sich Heroin beschafft, und wenn das nicht da ist, eben irgendeinen au\u00dferhalb des Dorfes verkauften Schnaps trinkt, von dem \u00f6fters mal einige sterben. Dann h\u00f6ren wir auf einmal gellende Schreie einer Frau. Ich bin gerade auf dem Weg zum See und sehe f\u00fcnf halbnackte M\u00e4nner mit St\u00f6cken bewaffnet an mir vorbeihasten. Die Frau des Husbesitzers ist beim Sonnengebet von der gef\u00e4hrlichen rothaarigen Affenherde angegriffen und auch gebissen worden, aber zum Gl\u00fcck zeigt sich kein Blut, wodurch es gef\u00e4hrlicher w\u00e4re. Sie geht trotzdem zum Yogakurs gegen\u00fcber, wo immer mehr Ausl\u00e4nderInnen und Einheimische, zusammen atmen lernen. Ich beende meine Runde, denn es ist vorerst mein letzter Rundgang. Ashok schenkt mir ein paar getrocknete und in einem Buch gepl\u00e4ttete Rosen, die ich in einer Zellophant\u00fcte nach Hause tragen muss, sonst zerbr\u00f6eln sie. Sein Chef versteht in der Zwichenzeit, dass es eine Art Ritual ist, das einfach so ist. Dann spreche ich noch etwas l\u00e4nger mit dem Mann aus Chennai, der hier, wohl nach einer Lebenskrise, tapfer am Ufer durchmeditiert hat. Er hat einen l\u00e4nglichen Sitzteppich, auf dem sich seit Wochen links und recht von ihm eine Hundefamilie niederl\u00e4sst. W\u00e4hrend er meditiert, ruhen sie sich aus, ein Hundepaar mit sechs Kindern. Ach, es ist sch\u00f6n da drau\u00dfen am Morgen, alle so besch\u00e4ftigt mit f\u00f6rderlichen Dingen, bevor der schwere Teil beginnt, das Leben mit den hohen Anforderungen. Alle wollen unbedingt glauben, dass das das Leben ist, was sie leben, und man kann es ja schwerlich verneinen. That&#8217;s life, Kalima, ist ein beliebter Satz, den ich regelm\u00e4\u00dfig infrage stelle. Das scheinbar Unausweichliche kann unbedingt reflektiert werden, denn mir scheint, dass es immer Optionen gibt, die jedem zur Verf\u00fcgung stehen. Nicht alle Traditionen erlauben den freien Blick auf die M\u00f6glichkeiten. Als Frauen das Verbot der Shani-Priester den dunklen Tempel zu betreten, (endlich) anzweifelten, fiel denen eine Menge ein, um zu beweisen, dass m\u00e4chtige Kr\u00e4fte f\u00fcr Frauen nicht geeignet sind. Und wir fragten uns, welche m\u00e4chtigen Kr\u00e4fte sie wohl meinten, zu denen wir keinen Zugang haben, oder haben wollen, oder k\u00f6nnen, und \u00fcberhaupt, was soll das ganze Theater!? Man kann mal dar\u00fcber nachdenken, was f\u00fcr ein Spiel einem selber glaubw\u00fcrdig vorkommt, und wie man sich das Agieren mit den Gestalten und Formen und Farben vorstellt, und wodurch man selbst an der Sch\u00f6pfung beteiligt ist. Es wundert einen nicht, dass sich manche langweilen, und andere die Autos und H\u00e4user anderer Leute anz\u00fcnden, weil ihnen nichts Besseres einf\u00e4llt, und ihnen offensichtlich und leider auch nichts Besseres vermittelt wurde und wird. Dann, wenn alles schiefgeht, pilgern sie gerne zu Shani, der auch nur ein Konstrukt des menschlichen Geistes ist.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon der fr\u00fche Morgen entpuppte sich als der Samstagsklassiker im indischen Sinn, dass Shanivar, also der Tag des Gottes Saturn, sich pr\u00e4chtig eignet f\u00fcr Dunkles, auch wenn man nicht danach suchen muss. 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