{"id":9696,"date":"2020-02-16T02:31:40","date_gmt":"2020-02-16T02:31:40","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=9696"},"modified":"2020-03-02T02:07:50","modified_gmt":"2020-03-02T02:07:50","slug":"friedrich-nietzsche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=9696","title":{"rendered":"Friedrich Nietzsche"},"content":{"rendered":"<div class=\"sMi44c lNHeqe\">\n<h4 class=\"fxgdke\"><\/h4>\n<\/div>\n<div id=\"zenoMFMiddleWrapper\">\n<div id=\"zenoMFMiddle\">\n<div id=\"zenoCOText\" class=\"zenoCO\">\n<div class=\"zenoCOMain\">\n<h4>\u00a0<a class=\"image\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Nietzsche1882.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"thumbimage\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/2\/23\/Nietzsche1882.jpg\/220px-Nietzsche1882.jpg\" srcset=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/2\/23\/Nietzsche1882.jpg\/330px-Nietzsche1882.jpg 1.5x, \/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/2\/23\/Nietzsche1882.jpg\/440px-Nietzsche1882.jpg 2x\" alt=\"\" width=\"269\" height=\"359\" data-file-width=\"1274\" data-file-height=\"1700\" \/><\/a><\/h4>\n<h4>1.<\/h4>\n<h4>Als Zarathustra drei\u00dfig Jahre alt war, verlie\u00df er seine Heimat und den See seiner Heimat und ging in das Gebirge. Hier geno\u00df er seines Geistes und seiner Einsamkeit und wurde dessen zehn Jahre nicht m\u00fcde. Endlich aber verwandelte sich sein Herz, \u2013 und eines Morgens stand er mit der Morgenr\u00f6te auf, trat vor die Sonne hin und sprach zu ihr also:<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">\u00bbDu gro\u00dfes Gestirn! Was w\u00e4re dein Gl\u00fcck, wenn du nicht die h\u00e4ttest, welchen du leuchtest!<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Zehn Jahre kamst du hier herauf zu meiner H\u00f6hle: du w\u00fcrdest deines Lichtes und dieses Weges satt geworden sein, ohne mich, meinen Adler und meine Schlange.<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Aber wir warteten deiner an jedem Morgen, nahmen dir deinen \u00dcberflu\u00df ab und segneten dich daf\u00fcr.<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Siehe! Ich bin meiner Weisheit \u00fcberdr\u00fcssig, wie die Biene, die des Honigs zuviel gesammelt hat, ich bedarf der H\u00e4nde, die sich ausstrecken.<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Ich m\u00f6chte verschenken und austeilen, bis die Weisen unter den Menschen wieder einmal ihrer Torheit und die Armen wieder einmal ihres Reichtums froh geworden sind.<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Dazu mu\u00df ich in die Tiefe steigen: wie du des Abends tust, wenn du hinter das Meer gehst und noch der Unterwelt Licht bringst, du \u00fcberreiches Gestirn!<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Ich mu\u00df, gleich dir,\u00a0<i>untergehen<\/i>, wie die Menschen es nennen, zu denen ich hinab will.<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">So segne mich denn, du ruhiges Auge, das ohne Neid auch ein allzugro\u00dfes Gl\u00fcck sehen kann!<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Segne den Becher, welcher \u00fcberflie\u00dfen will, da\u00df das Wasser golden aus ihm flie\u00dfe und \u00fcberallhin den Abglanz deiner Wonne trage!<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Siehe! Dieser Becher will wieder leer werden, und Zarathustra will wieder Mensch werden.\u00ab<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">\u2013 Also begann Zarathustras Untergang.<\/h4>\n<h4><\/h4>\n<h4>2<\/h4>\n<h4>Zarathustra stieg allein das Gebirge abw\u00e4rts und niemand begegnete ihm. Als er aber in die W\u00e4lder kam, stand auf einmal ein Greis vor ihm, der seine heilige H\u00fctte verlassen hatte, um Wurzeln im Walde zu suchen. Und also sprach der Greis zu Zarathustra:<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">\u00bbNicht fremd ist mir dieser Wanderer: vor manchem Jahre ging er hier vorbei. Zarathustra hie\u00df er; aber er hat sich verwandelt.<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Damals trugst du deine Asche zu Berge: willst du heute dein Feuer in die T\u00e4ler tragen? F\u00fcrchtest du nicht des Brandstifters Strafen?<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Ja, ich erkenne Zarathustra. Rein ist sein Auge, und an seinem Munde birgt sich kein Ekel. Geht er nicht daher wie ein T\u00e4nzer?<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Verwandelt ist Zarathustra, zum Kind ward Zarathustra, ein Erwachter ist Zarathustra: was willst du nun bei den Schlafenden?<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Wie im Meere lebtest du in der Einsamkeit, und das Meer trug dich. Wehe, du willst ans Land steigen? Wehe, du willst deinen Leib wieder selber schleppen?\u00ab<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Zarathustra antwortete: \u00bbIch liebe die Menschen.\u00ab<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">\u00bbWarum\u00ab, sagte der Heilige, \u00bbging ich doch in den Wald und in die Ein\u00f6de? War es nicht, weil ich die Menschen allzusehr liebte?<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Jetzt liebe ich Gott: die Menschen liebe ich nicht. Der Mensch ist mir eine zu unvollkommene Sache. Liebe zum Menschen w\u00fcrde mich umbringen.\u00ab<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Zarathustra antwortete: \u00bbWas sprach ich von Liebe! Ich bringe den Menschen ein Geschenk!\u00ab<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">\u00bbGib ihnen nichts\u00ab, sagte der Heilige. \u00bbNimm ihnen lieber etwas ab und trage es mit ihnen \u2013 das wird ihnen am wohlsten tun: wenn es dir nur wohltut!<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Und willst du ihnen geben, so gib nicht mehr als ein Almosen, und la\u00df sie noch darum betteln!\u00ab<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">\u00bbNein\u00ab, antwortete Zarathustra, \u00bbich gebe kein Almosen. Dazu bin ich nicht arm genug.\u00ab<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Der Heilige lachte \u00fcber Zarathustra und sprach also: \u00bbSo sieh zu, da\u00df sie deine Sch\u00e4tze annehmen! Sie sind mi\u00dftrauisch gegen die Einsiedler und glauben nicht, da\u00df wir kommen, um zu schenken.<\/h4>\n<h4 class=\"google-auto-placed ap_container\">Unsre Schritte klingen ihnen zu einsam durch die Gassen. Und wie\u00a0wenn sie nachts in ihren Betten einen Mann gehen h\u00f6ren, lange bevor die Sonne aufsteht, so fragen sie sich wohl: wohin will der Dieb?<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Gehe nicht zu den Menschen und bleibe im Walde! Gehe lieber noch zu den Tieren! Warum willst du nicht sein wie ich \u2013 ein B\u00e4r unter B\u00e4ren, ein Vogel unter V\u00f6geln?\u00ab<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">\u00bbUnd was macht der Heilige im Walde?\u00ab fragte Zarathustra.<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Der Heilige antwortete: \u00bbIch mache Lieder und singe sie, und wenn ich Lieder mache, lache, weine und brumme ich: also lobe ich Gott.<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Mit Singen, Weinen, Lachen und Brummen lobe ich den Gott, der mein Gott ist. Doch was bringst du uns zum Geschenke?\u00ab<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Als Zarathustra diese Worte geh\u00f6rt hatte, gr\u00fc\u00dfte er den Heiligen und sprach: \u00bbWas h\u00e4tte ich euch zu geben! Aber la\u00dft mich schnell davon, da\u00df ich euch nichts nehme!\u00ab \u2013 Und so trennten sie sich voneinander, der Greis und der Mann, lachend, gleichwie zwei Knaben lachen.<\/h4>\n<h4 class=\"zenoPLm4n0\">Als Zarathustra aber allein war, sprach er also zu seinem Herzen: \u00bbSollte es denn m\u00f6glich sein! Dieser alte Heilige hat in seinem Walde noch nichts davon geh\u00f6rt, da\u00df\u00a0<i>Gott tot<\/i>\u00a0ist!\u00ab \u2013<\/h4>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 1. Als Zarathustra drei\u00dfig Jahre alt war, verlie\u00df er seine Heimat und den See seiner Heimat und ging in das Gebirge. Hier geno\u00df er seines Geistes und seiner Einsamkeit und wurde dessen zehn Jahre nicht m\u00fcde. Endlich aber verwandelte sich sein Herz, \u2013 und eines Morgens stand er mit der Morgenr\u00f6te auf, trat vor [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-9696","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9696","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9696"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9696\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9809,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9696\/revisions\/9809"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}