{"id":9275,"date":"2019-12-18T03:57:59","date_gmt":"2019-12-18T03:57:59","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=9275"},"modified":"2019-12-18T04:05:50","modified_gmt":"2019-12-18T04:05:50","slug":"vermissen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=9275","title":{"rendered":"vermissen"},"content":{"rendered":"<h1>\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-9277\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_073858-168x300.png\" alt=\"\" width=\"168\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_073858-168x300.png 168w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_073858-768x1369.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_073858-574x1024.png 574w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_073858.png 1064w\" sizes=\"auto, (max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-9276\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_074839-86x300.jpg\" alt=\"\" width=\"86\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_074839-86x300.jpg 86w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_074839-293x1024.jpg 293w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_074839.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 86px) 100vw, 86px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-9278\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_073751-169x300.png\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_073751-169x300.png 169w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_073751-768x1365.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_073751-576x1024.png 576w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_073751.png 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/h1>\n<h5>Dann am Nachmittag auf einer der alten Steintreppen sitzen, wo einige Bewohner sich wehren konnten gegen das Entfernen dieser Sch\u00f6nheiten, die man vor einigen Jahren fast \u00fcberall durch billiges Zeug ersetzt hat, und nachher fand man diese alten Steine bei den Reichen, die ihre H\u00e4user damit schm\u00fcck(t)en. Was f\u00fcr ein Gef\u00fchl, hier in der w\u00e4rmenden Sonne zu sitzen, hier und da noch jemand anderes beim Genie\u00dfen. Alles kommt innen zur Ruhe und ist mehr als genug, was es ist. Was werde ich sie vermissen, diese wunderbaren, steinernen Gebilde mit ihrer unersch\u00f6pflichen Erz\u00e4hlkunst, jedes Jahr erfrischt durch den Monsoonregen, und allem trotzend, was sich auf ihnen bewegt. Mein Lieblingsplatz ist gro\u00dfz\u00fcgig eingerahmt von zwei Podien, und kaum hat man sich niedergelassen, f\u00fchlt man den Atem der Weltb\u00fchne, die das eigene Erscheinen erhellt mit einer architektonischen Kunst, die das Echo aller hohen Kulturen hervorruft. Als ich vor vielen Jahren hier ankam, fiel nichts leichter als das Verbeugen vor dieser Zeitlosigkeit, auch wenn es in Form einer vorbeiwandernden, schneewei\u00dfen Kuh war. Das Wasser, alles noch nat\u00fcrlich gen\u00e4hrt von der Quelle, dem Saraswati Flu\u00df, und \u00fcberall schwammen obenauf die Lotusbl\u00fcten, beliebt und besucht von gro\u00dfen Libellen. Das ist alles verschwunden mit der Zeit und dient auch dazu, an den Tod zu denken, wo man selbst verschwunden sein wird, alles andere aber seinen weitern Gang geht in das Wasauchimmer. Deswegen bin ich mit meiner Entscheidung, mich sp\u00e4testens n\u00e4chstes Jahr von Indien zu verabschieden, hochzufrieden. Es sind auch nicht die Ver\u00e4nderungen und die Verdunkelungen, die diese Entscheidung hervorgebracht haben, ich k\u00e4me mir ja sch\u00e4big vor als Liebende. Nein, der Gong ist einfach zu mir gekommen, und in diesen raren Momenten \u00e4u\u00dferster Klarheit hat man dann nicht wirklich eine Wahl, als den Ton ernst zu nehmen. Und es ist schon auch wahr, dass das nicht mehr mein Indien ist. Es ist das Indien der Anderen, und ich nehme meines mit. Keiner kann es mir abnehmen am Zoll oder am Flie\u00dfband, und auch in den neu konstruierten Schreckensmaschinen auf den Flugh\u00e4fen, wo man durchlaufen muss und photographiert wird, wird es keiner sehen: Wie gro\u00df und unsterblich mein inneres Indien ist, voller Sch\u00e4tze, voller Abenteuer, und voll von dieser inneren Verbundenheit mit der gnadenreichen Sch\u00f6pfung, die wir &#8222;atma samband&#8220; nannten, Seelenverbindung, in der sich nichts und niemand ausgeschlossen f\u00fchlen musste. Ich wei\u00df nicht, was schon alles los war in den Familien, man kann die ebenso zeitlose Finsternis nur vermuten. Ich selbst hatte lange Zeit keinen Zugang zu den Familien, sa\u00df aber bereits am Feuer im Amt, und sie gew\u00f6hnten sich daran, dass eine Fremde dort sa\u00df und alles von Grund auf wissen wollte. Ich bereue auch keineswegs, das indische Wissen, das ich mir selbst zusammenklaubte, so tiefernst genommen zu haben. Noch heute betrachte ich manchmal das Zeitgeschehen und es kommt mir vor wie das, was ich damals h\u00f6rte. Woher konnten sie das alles wissen.Wie es ist und wie es sein wird, und wie es vergehen wird und dennoch immer da sein. Ein Kreislauf, in dem man sich bewegen kann wie ein freier Stern in seiner vorbestimmten Bahn, eben, ein endg\u00fcltiger Widerspruch, ein Paradox par excellence. Und so ist es auch mit dem Vermissen: es ist bereits geschehen, und wenn es sich sp\u00e4ter wieder meldet, soll es mir recht sein, denn es ber\u00fchrt die ganz tiefen Gef\u00fchle. Und wer will behaupten, sie ausloten zu k\u00f6nnen.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Dann am Nachmittag auf einer der alten Steintreppen sitzen, wo einige Bewohner sich wehren konnten gegen das Entfernen dieser Sch\u00f6nheiten, die man vor einigen Jahren fast \u00fcberall durch billiges Zeug ersetzt hat, und nachher fand man diese alten Steine bei den Reichen, die ihre H\u00e4user damit schm\u00fcck(t)en. 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