{"id":9172,"date":"2019-12-02T04:46:13","date_gmt":"2019-12-02T04:46:13","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=9172"},"modified":"2019-12-02T04:47:53","modified_gmt":"2019-12-02T04:47:53","slug":"winterlicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=9172","title":{"rendered":"Winterlicht"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9173\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191202_090340-132x300.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"474\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191202_090340-132x300.jpg 132w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191202_090340-452x1024.jpg 452w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191202_090340.jpg 462w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9174\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191202_090051-300x186.jpg\" alt=\"\" width=\"226\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191202_090051-300x186.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191202_090051-768x476.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191202_090051-1024x635.jpg 1024w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191202_090051.jpg 1081w\" sizes=\"auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/p>\n<h5>Tagelang konnte man am Morgen nur eine Nebelsuppe sehen, und an zwei Tagen kam die Sonne \u00fcberhaupt nicht hervor. Dann auf einmal, wenn man es kaum mehr erwartet hat: strahlend blauer Himmel, alle Rundendrehenden in bester Verfassung, Hunde, K\u00fche, Affen und V\u00f6gel f\u00fctternd, ein sp\u00fcrbarer Aufschwung an geistiger Leichtigkeit. Nein, nicht nur bei mir, denn hier wirkt das Kollektiv in seiner hoffnungsvollsten Variante, obwohl ich mich in Paul Celans Gedicht gerade so vertraut f\u00fchlte als Schattensprecherin und Schattenentbl\u00f6\u00dfte. Nat\u00fcrlich sollte es nicht nur der Klimaumschwung sein, der dazu anregt, auch mal wieder Licht zu sprechen, immerhin: ein Hauch von &#8222;Ex oriente lux&#8220; ist sp\u00fcrbar, alles so sch\u00f6n und morgenstill. Am Fu\u00df der B\u00e4ume kleine \u00d6ll\u00e4mpchen und frische Blumen auf dem R\u00fccken der g\u00f6ttlichen Reittiere, vor allem Shivas Ochse ist sehr beliebt. Diese oft absurden Zusammenstellungen der hohen Herrschaften strahlen eine W\u00e4rme aus, eine Aufmerksamkeit, die man da hinten in den privaten R\u00e4umen der H\u00e4user nicht finden kann, denn da leuchtet nichts mehr, da wird ferngesehen und ums \u00dcberleben gek\u00e4mpft und um den letzten Rest W\u00fcrde, der das orientalische Licht noch hervorbringen kann. Ich danke meinem Schicksal, dass ich meine integrierte Fremdheit, die sich aus praktischen Gr\u00fcnden nie mit dem Urgrund des indischen Blutes verbinden konnte, nun wieder an mich nehmen kann. Daf\u00fcr kann ich aber in diesen seltenen Minuten und Stunden und Ewigkeiten die ganze Exzellenz dieses kosmischen Raumes sp\u00fcren, eingebettet in eine gerechte Wehmut des Verg\u00e4nglichen, das aber doch hervortritt in seiner trostspendenden Sch\u00f6nheit, der die Finsternis der Zeit wenig anhaben kann. Mich als Anwesende wieder einmal zuhause zu f\u00fchlen, bereichert, beschenkt, \u00fcberw\u00e4ltigt von dem, was auch da ist. Lange stehe ich am Banianbaum herum, von dem oben links das Bild ist, und betrachte diesen Wirrwarr an Gottheitengetummel. Es hat was vom indischen Geist, f\u00fcr das es einfach keine Worte gibt, f\u00fcr den so viel Unvorstellbares m\u00f6glich ist. Und ja, es ist auch der Beginn der Heiratssaison, alles \u00fcberladen mit wuchtigen Farbt\u00f6nen und ohrenbet\u00e4ubendem L\u00e4rm, der die Nachmittage zudr\u00f6hnt, sodass man Unterhaltungen unterbrechen und warten muss, bis der eine Zirkus vorbeizieht und bevor der n\u00e4chste um die Ecke biegt. Zuhause sitzen die Br\u00e4ute und lassen sich in stundenlangen Sitzungen die Namen ihres unbekannten Zuk\u00fcnftigen in die Henna-Ornamente zeichnen, damit er einen Grund hat, an ihr herumzusuchen. Wahrscheinlich stimmt es, dass da, wo viel Licht ist, der Schatten sich deutlicher zeigt, und immerhin kann seine Wahrnehmung auch Schutz bieten, das kommt darauf an, mit was man es verbindet. Furchtbar ist, wenn die in die Seelen eingebrannten Gewohnheiten, die nahezu unausl\u00f6schlichen Pr\u00e4gungen, die einmal von allen gutgehei\u00dfen wurden,\u00a0 nicht mehr gut gehei\u00dfen werden k\u00f6nnen, aber weiterhin unerbittlich praktiziert werden. Wenn diese Gewohnheiten keine Alternativen anbieten, keine Varianten, keine den Menschen angemessenen L\u00f6sungen, keine Freir\u00e4ume. Wenn bleichgeschminkte Puppen auf Pappthronen sitzen und dem Unertr\u00e4glichen l\u00e4chelnd in die Augen schauen. Ja, es gibt Ausnahmen, aber noch viel zu wenige. Meine Fremdheit erm\u00f6glicht es mir, im Wechselbad der Gef\u00fchle und Empfindungen nicht unterzugehen, sondern unterst\u00fctzend zu wirken, da, wo ich Licht sehe im Tunnel, durch den wir gemeinsam reisen.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagelang konnte man am Morgen nur eine Nebelsuppe sehen, und an zwei Tagen kam die Sonne \u00fcberhaupt nicht hervor. Dann auf einmal, wenn man es kaum mehr erwartet hat: strahlend blauer Himmel, alle Rundendrehenden in bester Verfassung, Hunde, K\u00fche, Affen und V\u00f6gel f\u00fctternd, ein sp\u00fcrbarer Aufschwung an geistiger Leichtigkeit. 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