{"id":9096,"date":"2019-11-20T04:37:44","date_gmt":"2019-11-20T04:37:44","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=9096"},"modified":"2019-11-20T04:47:07","modified_gmt":"2019-11-20T04:47:07","slug":"nicht-mehr-ganz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=9096","title":{"rendered":"ganz sein"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9099\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191120_091930-291x300.png\" alt=\"\" width=\"374\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191120_091930-291x300.png 291w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191120_091930-768x791.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191120_091930.png 935w\" sizes=\"auto, (max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><\/p>\n<h5>Inmitten der angenehmen Befindlichkeit, die sicher auch mit dem sich aufl\u00f6senden Dunst zu tun hat, der tagelang \u00fcber allem lag wie ein dichtes Gewebe, kam nachmittags eine junge Inderin zu mir, die sich im Vorbereitungsstress ihrer sich n\u00e4hernden Hochzeit befindet. Sie wirkte bedr\u00fcckt, und langsam kam auch der Grund heraus. Sie war l\u00e4ngere Zeit mit einem Mann befreundet gewesen, der nicht aus ihrer Kaste kam, und die Beziehung wurde deswegen von beiden Familien nicht gebilligt, der Sohn wurde schnell anderweitig verheiratet und hat nun zwei Kinder. Neulich aber haben sich beide noch einmal getroffen, und es ist zum Geschlechtsverkehr gekommen, wie soll ich sonst sagen: zum Sex, zum \u00dcbergriff, zum Liebesakt, zur Vergewaltigung? Sie kann sich nicht mehr erinnern, kam sich bewusstlos vor. Als ihr klar wurde, was passiert war, machte sie ihm Vorw\u00fcrfe, meinte aber ein paar Mal zu mir, dass er sie liebe und eben wollte, dass sie ganz sein sei. Ganz sein. Ich konnte sehen, dass sie das Ganze nicht einordnen konnte, so, als war sie sich nicht sicher, ob es nicht doch richtig von ihm war, weil er sie so liebte. Ich konnte mich gerade noch zur\u00fcckhalten mit der Bemerkung, dass das wohl nicht wirklich Liebe sein konnte, wenn er sie dem tats\u00e4chlichen Problem auslieferte, an dem er nicht beteiligt sein w\u00fcrde. Denn ihr zuk\u00fcnftiger Ehemann\u00a0 durfte auf keinen Fall erfahren, dass sie keine Jungfrau mehr war. (Das Schreiben mancher Worte kann anstrengend sein). Im Kontext der immer noch lebendigen Traditionsbedingungen-und szenarien schaltete ich um auf Lebensweisheit, die ich von einer \u00c4rztin aus Kalkutta einmal vermittelt bekommen hatte. Mach dir keine Sorgen, sagte ich in Erinnerung an ihre Worte, M\u00e4nner sind leicht zu tricksen in dieser Angelegenheit. An die genaueren Details kann ich mich nicht erinnern, aber das ist ja auch sicher zum Umsetzen nicht so schwer (oder doch?). Schwer zu ertragen ist die Einsamkeit, in der Frauen diese Art von Not erleiden. Und obwohl ich in einer Gesellschaft aufgewachsen bin, wo wir so ziemlich alles machen konnten, was uns einfiel, wei\u00df ich doch aus eigener Erfahrung, wie lange das dauern kann, bis man die Wirkung eigener Einf\u00e4lle einsch\u00e4tzen und verstehen kann. Aber das ist nochmal etwas anderes, als wenn ein ganzes Leben an einem Blutstropfen h\u00e4ngt, und der Mann, mit dem ich mein Leben verbringe, nie wissen darf, dass schon einmal jemand anderes mich ber\u00fchrt hat. Es ist gut, wenn man erkennt, wo und wann Meinungen \u00fcberfl\u00fcssig sind, denn wir wissen ja, wie oft f\u00fcr reines Blut und Besitzanspruch gemordet wurde. Vielleicht geht es darum, unterst\u00fctzend zu sein in gr\u00e4sslichen Lebensbedingungen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen k\u00f6nnen, dieser kalte Wind der Ohnmacht, und diese zur\u00fcckflie\u00dfende W\u00e4rme, ohne die wir nicht lebensf\u00e4hig sind.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inmitten der angenehmen Befindlichkeit, die sicher auch mit dem sich aufl\u00f6senden Dunst zu tun hat, der tagelang \u00fcber allem lag wie ein dichtes Gewebe, kam nachmittags eine junge Inderin zu mir, die sich im Vorbereitungsstress ihrer sich n\u00e4hernden Hochzeit befindet. Sie wirkte bedr\u00fcckt, und langsam kam auch der Grund heraus. 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