{"id":9007,"date":"2019-11-07T03:13:46","date_gmt":"2019-11-07T03:13:46","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=9007"},"modified":"2019-11-07T03:13:46","modified_gmt":"2019-11-07T03:13:46","slug":"geboren-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=9007","title":{"rendered":"geboren werden"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-9008\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191104_154100-213x300.png\" alt=\"\" width=\"368\" height=\"518\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191104_154100-213x300.png 213w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191104_154100-768x1083.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191104_154100-726x1024.png 726w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191104_154100.png 815w\" sizes=\"auto, (max-width: 368px) 100vw, 368px\" \/><\/p>\n<h5>Dieses Bild oder besser dieses Blatt mit den F\u00fc\u00dfen habe ich vorgestern auf der Steinplatte entdeckt, und da ich Zahlen mag, habe ich sie mir genauer angesehen. Es ist ein indisches Geburtshoroskop, und ein Staunen hat mich erfasst, als ich bemerkte, dass alle Zahlen meines eigenen Geburtsmomentes darin vorhanden waren. Na, wenn d a s ein Zufall sein sollte, dann k\u00e4me es immer noch auf mich an, die Verbindung herzustellen. Aber nicht genug! Heute i s t mein Geburtstag, und ich erlebe hier eine feine Schnittstelle zwischen dem Unpers\u00f6nlichen und dem Pers\u00f6nlichen, indem ich mich mal zur Abwechslung weit aus dem Fenster des Pers\u00f6nlichen hinauslehne. Ich bin in Berlin geboren, als das gro\u00dfe Morden noch voll im Gange war, und als Eltern noch dachten, ihre Kinder kriegen nichts mit von all dem Grauen, sind ja Kinder. W\u00e4hrend meine Schwester noch in einer Privatklinik zur Welt kam, war es bei mir schon ein Bunker, da andere \u00c4rzte gar nicht mehr zu finden waren. Das hei\u00dft, sie, meine Eltern, fanden einen, aber der hatte nichts mehr zur Hand, um Leben in die Welt zu bringen. Da fiel meine Mutter die Treppe hinunter und war sehr mit einer Kniewunde besch\u00e4ftigt, als sie den Arzt sagen h\u00f6rte, dass das Kind hoffentlich durch den Sturz nicht behindert werden w\u00fcrde. Was dann in den dunklen und hellen Korridoren des Seins sich entfaltete f\u00fcr mich, kommt mir auch heute noch au\u00dferordentlich g\u00fcnstig vor. Fakt ist, ich habe diese Schrecken und dieses Grauen \u00fcberlebt und habe Deutschland fr\u00fch genug verlassen, um in der Aufarbeitung der Geschichte nicht unterzugehen. Da, wo ich hinging, halfen mir Zeit und Kunst, das Innere nach au\u00dfen zu bringen, mich politisch zu engagieren, ja klar: f\u00fcr den Frieden und ein Leben, das man selbst in die Hand nahm und dadurch nachvollziehen konnte. Und LSD, frisch und kristallklar aus den Laboren hervorgekommen, half auf jeden Fall dabei, das Wunder(n) \u00fcber die Sch\u00f6pfung wieder in einen lichten Zusammenhang zu bringen. Als ich dann endlich Indien erreichte, erschien mir die Sonne auf meiner Schulter wie etwas, was ich lange nicht gesp\u00fcrt hatte, so vertraut war mir die Nacht geworden. Ich f\u00fchlte, wie ein neues Leben auf mich zukam, und jahrelang z\u00e4hlte ich mich zu den &#8218;Zweitgeborenen&#8216;, ein Begriff, der in Indien in anderem Kontext benutzt wird, aber auch nicht so weit entfernt von meiner Deutung. W\u00e4hrend ich in Berlin direkt aus der Asche kam, fand ich mich hier in einer Gesellschaft, die genau zu mir passte, so, wie ich irgendwie zu ihnen passte. Das wirklich Geheimnisvolle an all diesen Vorg\u00e4ngen ist die indische Tiefe der Wahrnehmung, die ich mir zu eigen gemacht habe: zu wissen, dass da eine Intelligenz wirkt, nein, kein Gott, sondern eine freie Intelligenz des Systems selbst, das sich so erschafft, erh\u00e4lt und vergeht, wie es seine Art ist, diese Kunst, in deren permanenter Darbietung wir uns bewegen, einerseits frei, und dann doch sehr gebunden. Wenn man allerdings ein Gl\u00fcckskeks ist, dann verwandelt sich diese Gebundenheit langsam, nat\u00fcrlich nicht ohne M\u00fche, um Himmels Willen, was w\u00e4re das Abenteuer ohne die epischen Pr\u00fcfungen, verwandelt sich das Verhaftete also langsam, sehr langsam in das Verbundene, was einem selbsr guttut, und dann auch den Anderen. Und dann ist heute Donnerstag, mein Lieblingstag, und die Frau, in deren Haus ich sitze, hat heute auch Geburtstag, und Reena auch, ein paar H\u00e4user weiter von hier. Ich bin mitten in prasselndem Regen\u00a0 aufgewacht, und obwohl mein Mitgef\u00fchl die PilgerInnen begleitet, war ich froh, hier in kl\u00f6sterlichem Luxus den Morgen verbringen und vor mich hinkontemplieren zu k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich ist Geborengewordensein etwas zutiefst Pers\u00f6nliches, nur einmal in dieser Form und mit diesem Wesen ausgestattet, um dem ganzen Vorgang zum Gelingen zu verhelfen.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Bild oder besser dieses Blatt mit den F\u00fc\u00dfen habe ich vorgestern auf der Steinplatte entdeckt, und da ich Zahlen mag, habe ich sie mir genauer angesehen. Es ist ein indisches Geburtshoroskop, und ein Staunen hat mich erfasst, als ich bemerkte, dass alle Zahlen meines eigenen Geburtsmomentes darin vorhanden waren. 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