{"id":8984,"date":"2019-11-05T03:54:11","date_gmt":"2019-11-05T03:54:11","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=8984"},"modified":"2019-11-05T03:54:11","modified_gmt":"2019-11-05T03:54:11","slug":"einheimisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=8984","title":{"rendered":"einheimisch"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-8985\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191105_083410-291x300.jpg\" alt=\"\" width=\"374\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191105_083410-291x300.jpg 291w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191105_083410-768x792.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/20191105_083410.jpg 915w\" sizes=\"auto, (max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><\/p>\n<h5>Es kann genau so schwer sein, sich wieder von etwas zu entfernen, was einmal ganz nahe war, wie sich von etwas zu entfernen, was nie nahe war, aber aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden nicht verlassen werden konnte. So bin ich auf viele verschiedene Weisen dieser indischen Kultur zutiefst verbunden und kann sagen, dass ich dem Gef\u00fchl dieser Erde, und was auf ihr gediehen ist, so nahe kam, wie es eine Fremde vermag. Wie gesagt, es lag nicht nur an mir, dass ich mir einen Weg durch diesen kultivierten Dschungel bahnen konnte, sondern sie haben mich zugelassen. Nicht, weil sie Fremden gegen\u00fcber grunds\u00e4tzlich so freundlich und offen waren (das auch), aber in meinem Fall und bei meiner Ankunft hier an der Pilgerst\u00e4tte, da passten einfach ein paar Dinge gut zusammen. Mein damaliger Lebenspartner und ich hatten uns freundlich und wohlgesonnen getrennt, und ich f\u00fchlte mich befl\u00fcgelt am Beginn der neuen Strecke, die mich endlich von jahrelangem Aufenthalt in Nepal nach Indien bringen w\u00fcrde. Es war nicht beabsichtigt, unser gemeinsames Haus in Kathmandu aufzugeben, aber so kam&#8217;s, hei\u00dft: ich kam nie mehr zur\u00fcck und hatte das Gl\u00fcck, dass dort eine Freundin wohnte, die das Haus gerne \u00fcbernahm. Denn dieser Ort hier am Rande der W\u00fcste, der war f\u00fcr mich, das war allen bald klar. Meine Befl\u00fcgelung zeigte sich als etwas , was an diesen Platz gebunden sein konnte, ohne den Fl\u00fcgelschlag einschr\u00e4nken zu m\u00fcssen. Ich fand auch die hinduistischen Ordnungen, auf ein episches Chaos gesenkt, nachvollziehbar. In der Mitte davon zu leben, jahrelang ohne Pass und Visa, und nur zu f\u00fchlen, wie mein Abenteuer an Kr\u00e4ften zunahm, an Unvorstellbarkeit, an Direktheit, an innerem Leuchten, das alles verdanke ich ihnen, wer auch immer sie gewesen sind und immer noch sind, oder wahrscheinlich gar nicht mehr sind, weil sie nie so waren wie da, als ich ankam. Ich brachte ihnen etwas mit, an was sie ihre Furcht messen konnten, und von ihnen habe ich auch meinen Namen, der f\u00fcr mich mit Liebe verbunden ist. Eine Tarnkappe der Liebe, ein offizielles Kost\u00fcm, eine tiefe Verborgenheit, ein Wissen um die Dunkelheiten des Menschseins. Und zu erfahren, dass das Belichtete so viel anspruchsvoller ist, genau, es spricht einen st\u00e4ndig an und l\u00e4sst einen nicht los, so gerne ich es manchmal t\u00e4te, zum Beispiel das Loslassen von dem, was mir einst so heilig war. Mir war es heilig, kein Zweifel, sonst h\u00e4tte ich den weiten Weg durch die W\u00fcste nicht geschafft. F\u00e4llt das Heilige dann eines Tages weg, ich wei\u00df gar nicht, wann genau das war, als meine vertrauten G\u00f6tter entschwanden, oder ich selbst ihnen entschwand. Jetzt bin ich eine Vertraute, die auch eine Fremde ist. Seit ich selbst meine Fremdheit wieder an mich genommen habe, kommt es mir vor, als bin ich f\u00fcr die Anderen auf ganz nat\u00fcrliche Weise die Einheimische geworden. Gestern sagte jemand im Vor\u00fcbergehen zu mir: &#8222;Ah, wieder zuhause, Kalima?&#8220; Ja, warum nicht, wieder zuhause, auch wenn es sich vor allem im Inneren\u00a0 abspielt.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kann genau so schwer sein, sich wieder von etwas zu entfernen, was einmal ganz nahe war, wie sich von etwas zu entfernen, was nie nahe war, aber aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden nicht verlassen werden konnte. 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