{"id":8868,"date":"2019-10-15T08:08:24","date_gmt":"2019-10-15T08:08:24","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=8868"},"modified":"2019-10-15T08:08:24","modified_gmt":"2019-10-15T08:08:24","slug":"bereichern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=8868","title":{"rendered":"bereichern"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-8869\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/20191015_085919-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"364\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/20191015_085919-231x300.jpg 231w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/20191015_085919.jpg 724w\" sizes=\"auto, (max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/><\/p>\n<h5>Passend zum Zeitpunkt meiner Vorbereitungen f\u00fcr den j\u00e4hrlichen Indienaufenthalt haben wir f\u00fcr zwei Wochen eine junge indische Familie zu Gast, dh, der Vater, der als Informationstechniker und europ\u00e4ischer Vertreter f\u00fcr eine indische Softwareentwicklungsfirma arbeitet, geht ein und aus, w\u00e4hrend seine Frau sich an dem jetzt 5 Monate alten Sohn erfreut, den man als einen hellwachen Wonnebrocken bezeichnen kann, dem man die magische Wirkung der gerne gereichten Muttermilch ansieht. Die leise sich einschleichende Furcht, wie ich das alles h\u00e4ndeln kann, hat sich auch gelegt. Vor allem die zeitlichen Gewohnheiten sind so unterschiedlich, sodass wir uns oft bis zum Nachmittag nicht sehen, der bei ihnen eine Art Morgen ist. In Indien sind sie mit dieser Art, vor allem nachts auf zu sein, in ihren jeweiligen Familien schon vor dem Kind angeeckt, aber nun passt auch das, denn das Kind schl\u00e4ft ja auch nicht durch und findet unterhaltsame Eltern vor, wenn es hungrig erwacht. Es kommt gegen Abend dann zu oft intensiven Gespr\u00e4chen, bei denen ich mich manchmal durchsetzen muss, wenn vor allem ihm klar schien, dass ein Nicht-Hindu-Mensch, obwohl zwanzig Jahre l\u00e4nger am indischen Leben beteiligt wie er, trotzdem immer wissensvoll referiert werden muss.\u00a0 Es stimmt ja, dass wir nun auch erleben, dass Ausl\u00e4nderInnen zwar gezwungen werden durch die Umst\u00e4nde, die Landessprache zu lernen, aber es ist selten, dass sie zB. einmal das politische oder kulturelle Leben zu ergr\u00fcnden suchen, um sich selbst darin zurechtzufinden. Diese geschlossenen Systeme kommen mir manchmal vor wie Geheimb\u00fcnde, in denen man nur \u00fcber bestimmte Codes Einlass erh\u00e4lt. Zuerst muss man genug Vertrauen erwecken, um \u00fcberpr\u00fcft werden zu k\u00f6nnen, ob man f\u00fcr einen Einblick in diese Welt geeignet ist. So fragte Parul, die Mutter von Mowgli (Hausname), ob wir interessiert w\u00e4ren an der Geschichte des Rituals, das morgen stattfindet, bei dem Ehefrauen einen Tag lang fasten zum Wohle ihrer M\u00e4nner, damit&#8217;s denen so richtig gut geht bis zum Lebensende. Obwohl ich mich schon \u00f6fters mal dar\u00fcber aufgeregt habe, frage ich, ob es das auch f\u00fcr Frauen gibt: fasten und einige Rituale f\u00fcr weibliches\u00a0 Wohlbefinden. Grunds\u00e4tzlich ja, sagt sie, aber man macht sich dann \u00fcber den Mann lustig. Haha, ein Mann, der f\u00fcr seine Frau fastet. Von mir aus k\u00f6nnen sie beide das Fasten lassen, da ich eh immer lachen muss, wenn sie den schwerwiegenden Akt des Nichtessens hinter sich haben und am Abend dann mehr essen als ich in drei Tagen. Aber gut, sie sind bei allem auch charmant, redegewandt und liebenswert. Anil, der mich gestern bei einer Verallgemeinerung (von Hindus) erwischen durfte, gibt dann zum Besten, dass jeder Mensch, ohne Ausnahme, eines Tages ein Gott wird, denn das ist das Ziel eines jeden Anwesenden. Statt diese Vereinnahmung in hinuistisches Gedankengut genervt zu kontern, f\u00e4llt mir zum Gl\u00fcck ein, was mich gerade selber interessiert, und pl\u00e4diere f\u00fcr das westliche Interesse am Menschsein, was alles auf beiden Seiten hinten und vorne nicht standh\u00e4lt und h\u00f6chstens noch ein bisschen Freude am Argumentieren erlaubt. Es ist angenehm, dass man, das bin ich tats\u00e4chlich gewohnt von vielen Gespr\u00e4chen mit redebegeisterten Indern, dass es sehr einfach ist, wieder in eine warmherzige Entspannung zu kommen. Sie f\u00fchlen sich unwohl in Spannungsfeldern. Ich bin immer wieder so froh dar\u00fcber, dass ich mich einmal so vollkommen auf eine andere Kultur einlassen konnte, und das, was sie mir geschenkt hat, kann mir niemand mehr nehmen. Im Einklang mit meiner eigenen Kultur habe ich das Gef\u00fchl, als st\u00fcnde mir ein fast unbegrenzter Reichtum zur Verf\u00fcgung, von dem ich mich jederzeit inspirieren lassen kann, ohne mich in alle Details verbohren zu m\u00fcssen. Immer kommt noch etwas neues und Lebendiges dazu.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Passend zum Zeitpunkt meiner Vorbereitungen f\u00fcr den j\u00e4hrlichen Indienaufenthalt haben wir f\u00fcr zwei Wochen eine junge indische Familie zu Gast, dh, der Vater, der als Informationstechniker und europ\u00e4ischer Vertreter f\u00fcr eine indische Softwareentwicklungsfirma arbeitet, geht ein und aus, w\u00e4hrend seine Frau sich an dem jetzt 5 Monate alten Sohn erfreut, den man als einen hellwachen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-8868","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8868","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8868"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8868\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8871,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8868\/revisions\/8871"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8868"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8868"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8868"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}