{"id":8171,"date":"2019-07-04T08:44:10","date_gmt":"2019-07-04T08:44:10","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=8171"},"modified":"2019-07-04T08:44:10","modified_gmt":"2019-07-04T08:44:10","slug":"wachsam-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=8171","title":{"rendered":"wachsam"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8172\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190704_091627-277x300.jpg\" alt=\"\" width=\"388\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190704_091627-277x300.jpg 277w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190704_091627-768x832.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190704_091627-946x1024.jpg 946w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190704_091627.jpg 1049w\" sizes=\"auto, (max-width: 388px) 100vw, 388px\" \/><\/p>\n<h5>In Indien habe ich gelernt, bestimmte Wahrnehmungen oder Gef\u00fchle\u00a0 zuzulassen, die in Deutschland wenig geschult werden konnten. Wenn es einem Land wie Deutschland gelingt, nahezu jedem Menschen die als wesentlich betrachteten Grundbed\u00fcrfnisse zu erm\u00f6glichen, w\u00fcrde man gerne annehmen, dass das zu Entspannungen dem Leben gegen\u00fcber f\u00fchrt, und das tut es ja auch. Wie\u00a0 begehrenswert einem diese wenigen Dinge vorkommen k\u00f6nnen, wenn man sie nicht gesichert hat, wei\u00df man erst dann, wenn sie nicht mehr erreichbar sind oder je waren. Geborgenheit kann eine Haust\u00fcr sein, ein Garten, besch\u00fctzende W\u00e4nde, ein Bett, in dem die \u00fcberm\u00fcdete Form ihre Ruhe und ihre N\u00e4he finden kann. Doch h\u00f6rt man im Westen oft nur von den vielen Wegen des Leidens, auf denen Menschen sich allein und mit Anderen befinden, und was sie tun und nicht tun, und was sie sich antun, und was sie gar nicht mehr tun oder tun k\u00f6nnen, wenn das Unvorhergesehene eintritt. In Indien kann man nicht mehr wegschauen. Man sieht die Frauen, die irgendwo aus dem Haus geworfen wurden, in langen Reihen nebeneinander sitzen und betteln, Witwen sind nicht beliebt. Oder die, die der Wahnsinn gezeichnet hat, oder die, denen man ansieht, dass sie nicht mehr k\u00f6nnen, und die, die auf den kargen Abfallh\u00e4ufen die noch kargeren Reste sammeln, und die Krankheiten, die dadurch entstehen, und die vielen ohne Krankenversicherung, deren Leben keiner mehr wahrnimmt. Doch der Lebenswille ist m\u00e4chtig, und unz\u00e4hlig die verborgenen Wundertaten, die niemand je sieht in der tiefen Stille, aus der sie geboren und auch geborgen werden. Wenn die B\u00fchne keine Wahl mehr zul\u00e4sst und die eigene Rolle durch Einsatz nicht zu ver\u00e4ndern ist, ja, dann gibt es auch da innere, letzte Freiheiten, die auch zu menschlicher Reife f\u00fchren k\u00f6nnen, aber nicht m\u00fcssen. Es kann auch zu Gewalt f\u00fchren und zu Mord und zu Gef\u00fchllosigkeit. Es liegt also noch an diesem vom Au\u00dfen unabh\u00e4ngigen Geheimnis, wie der Mensch mit all dem umgeht, und warum er sich so oder so entscheidet. Deswegen ist es angebracht, sich selbst, sei es nun im Westen oder im Osten, weder zu untersch\u00e4tzen noch zu \u00fcbersch\u00e4tzen, aber doch so klar wie m\u00f6glich einzusch\u00e4tzen und wachsam zu bleiben, vor allem wachsam dem eigenen Schmerz und Leid gegen\u00fcber, und dadurch auch wachsam dem Schmerz und dem Leid der Anderen gegen\u00fcber. Damit der Gewahrsam der sp\u00fcrbaren inneren und noch tiefer liegenden Grundbed\u00fcrfnisse einen h\u00f6rbaren Klang erzeugen kann, der Liebe unter Menschen erm\u00f6glicht.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Indien habe ich gelernt, bestimmte Wahrnehmungen oder Gef\u00fchle\u00a0 zuzulassen, die in Deutschland wenig geschult werden konnten. 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