{"id":8133,"date":"2019-06-29T08:17:06","date_gmt":"2019-06-29T08:17:06","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=8133"},"modified":"2019-06-29T08:20:37","modified_gmt":"2019-06-29T08:20:37","slug":"8133","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=8133","title":{"rendered":"azurn"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8134\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190629_083649-300x300.png\" alt=\"\" width=\"349\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190629_083649-300x300.png 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190629_083649-150x150.png 150w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190629_083649-768x765.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190629_083649-365x365.png 365w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190629_083649-500x500.png 500w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190629_083649.png 913w\" sizes=\"auto, (max-width: 349px) 100vw, 349px\" \/><\/p>\n<h5>Ich hatte den Vogel schon gepinselt, als ich &#8218;zuf\u00e4llig&#8216; ein Gedicht von Jaques Pr\u00e9vert in die H\u00e4nde bzw. unter die Augen bekam, das beschreibt, wie &#8222;man&#8220; einen Vogel malt. Das Gedicht wird morgen hier erscheinen, sein Anspruch hat sicherlich auch Pr\u00e9vert etwas nerv\u00f6s gemacht. Auf meinen Bildern erscheinen \u00f6fters V\u00f6gel, die ich keineswegs naturgetreu erfassen m\u00f6chte oder k\u00f6nnte, aber meistens denke ich dann an einen Adler. Irgendwie war ich sehr fr\u00fch mit dem Adler von Zarathustra in Ber\u00fchrung gekommen, und in meinem t\u00e4glich beschrifteten Tagebuch fanden sich neben kindlichsten Formulieren die S\u00e4tze aus diesem Werk von Nietzsche, das mich damals vor allem in Bildern und Begriffen ansprach, in denen ich mich zuhause f\u00fchlen konnte, dazu geh\u00f6rten sein Adler und der Begriff &#8222;azurne Einsamkeit&#8220;, eine gegenseitige Befl\u00fcgelung, die als Gef\u00fchl in mir ans Ekstatische grenzen konnte. Sp\u00e4ter hatte ich dann die Gelegenheit, in Kathmandu, wo ich neun Jahre verbracht habe, auf dem Bazaar spontan einen Adler zu kaufen, haupts\u00e4chlich, um ihn aus den Krallen des Verk\u00e4ufers zu befreien. Ich nannte ihn Zarathustra, und sogar die buddhistischen M\u00f6nche lernten seinen Namen aussprechen, denn als er sich eines Tages zu meinem gro\u00dfen Leidwesen in die L\u00fcfte hob, berichteten uns die M\u00f6nche, dass er manchmal auf der goldenen Kuppe ihres Tempels sa\u00df, das gefiel ihnen auch. Es ist mir bis heute ein R\u00e4tsel gebliebenl, dass man mit Tieren, auch ohne, dass man sich selbst als speziellen Tierfreund betrachtet, so eine tiefe Z\u00e4rtlichkeit empfinden kann, um nicht zu sagen eine massive Anh\u00e4nglichkeit, ja an was? Vielleicht einerseits diese unschuldige Souver\u00e4nit\u00e4t der Tiere, ihre Freiheit, nur sich selbst sein zu k\u00f6nnen, wobei sie gar keine Wahl haben. Und vielleicht diese Zartheit bei all dieser Kraft, die sie haben, und bei einem selbst die Momente des Schmerzes, der sein kann wie ein Messer, dass man bei aller Liebe sie doch nur begrenzt verstehen kann, wobei die Akzeptanz dieser Tatsache befreiend wirkt, ja, auch hier: keine Wahl. Wir Menschen bewegen uns stets im Bereich geistiger Mutation. Morgens kann ich Adler sein, wenn ich das Gl\u00fcck habe, meine Augen an der zur Zeit existierenden azurnen Bl\u00e4ue weiden lassen zu k\u00f6nnen, bevor ich beim Fr\u00fchst\u00fcck auf die Anderen treffe, die auch gerade aus ihren Geh\u00e4usen treten und wie ich leise und aufmerksam vor sich hin morphen. Eigentlich lehne ich den Vergleich mit Tieren ab, weil ich ihn respektlos den Tieren gegen\u00fcber finde, aber ja, mir rutscht das auch noch ab und zu heraus, die Kuh oder die Schlange oder der Ochs, what to do. Die Jaguarfahrer schaue ich mir auch immer genau an, halb in der Erwartung, mal einen am Steuer zu sehen, der des Tieres w\u00fcrdig ist, andrerseits mit meiner eigenen dumpfen Bewunderungsecke f\u00fcr Wagen und Tier. In der von uns abonnierten &#8222;Zeit&#8220; gibt es eine Seite, die mich regelm\u00e4\u00dfig in Emp\u00f6rung versetzt, wobei sie noch nicht dazu\u00a0 gereicht hat, endlich mal diese Notiz an die Redaktion zu verfassen mit der Bitte, gelegentlich tief dar\u00fcber nachzudenken, wie weit man als Mensch gehen sollte, die Gesichter der Tiere mit unserern eigenen Zust\u00e4nden in Verbindung zu bringen. &#8222;Du siehst aus, wie ich mich f\u00fchle&#8220;, hei\u00dft dieser unselige Beitrag. Wenn etwas unbedingt lustig sein will, klappt es meist nicht, das hat jeder mal erproben d\u00fcrfen. Aber zur\u00fcck zum Adler, beziehungsweise einem Vogel mit weiten Schwingen, bei dem einem das Herz aufgeht vor Schreck und Freude gleichzeitig, wenn er vom Ast abl\u00e4sst und sich in den Raum erhebt, zu dem wir keinen Zugang haben, zumindest nicht auf diese Weise. Nun gibt es auch die Geier, die aus beeindruckender H\u00f6he ihre Beute erkennen k\u00f6nnen und auf sie herabsto\u00dfen und sich haupts\u00e4chlich von Aas ern\u00e4hren. Neulich habe ich unterwegs im Radio von einem indischen Mann geh\u00f6rt, der sich um ihr bedrohtes Aussterben k\u00fcmmert. Auch die Pelikane, die in Indien auf einmal auf dem See landeten und mich wochenlng in Atem hielten, haben diese Fl\u00fcgelspannweite. Aber ihr K\u00f6rper ist so schwer, dass sie einen langen Anlauf auf der Oberfl\u00e4che des Wassers brauchen, bis sie sich,\u00a0 die Schwerkraft \u00fcberwindenund, in die L\u00fcfte erheben k\u00f6nnen. Der Adler ist der Vogel, der es einem leichter\u00a0 macht, sich Befl\u00fcgelung vorzustellen und Aufbruch und Weite und H\u00f6he. Aber auch hier (in Deutschland) ist mit dem Tier ein Makel verbunden durch die Symbolik des Menschen, die macht auch an Nietzsche und seinem Zarathustra nicht halt und entspricht in letzter Konsequenz dem Zusammenbruch seines Meisters auf dem Pfad der Umnachtung. Aber gut, auch das, was sich festsetzt, kann gelockert, der Adler von der Belastung menschlicher Ritualistik entlassen werden, und mal schauen, so wie damals in Kathmandu, ob die gestutzten Fl\u00fcgel f\u00fcr immer gesch\u00e4digt, oder aber noch wachstumsf\u00e4hig sind und zu neuem Flug bereit, die wohltuende W\u00e4rme des weiten Raumes ersp\u00fcrend.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte den Vogel schon gepinselt, als ich &#8218;zuf\u00e4llig&#8216; ein Gedicht von Jaques Pr\u00e9vert in die H\u00e4nde bzw. unter die Augen bekam, das beschreibt, wie &#8222;man&#8220; einen Vogel malt. Das Gedicht wird morgen hier erscheinen, sein Anspruch hat sicherlich auch Pr\u00e9vert etwas nerv\u00f6s gemacht. 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