{"id":7569,"date":"2019-04-23T08:29:43","date_gmt":"2019-04-23T08:29:43","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=7569"},"modified":"2019-04-23T18:46:49","modified_gmt":"2019-04-23T18:46:49","slug":"heilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=7569","title":{"rendered":"heilen"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7570\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190423_0911131-300x300.png\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190423_0911131-300x300.png 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190423_0911131-150x150.png 150w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190423_0911131-768x766.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190423_0911131-365x365.png 365w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190423_0911131-500x500.png 500w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190423_0911131.png 937w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/li>\n<\/ol>\n<h5>Sch\u00f6n, dass sie da waren, die Feiertage, und sch\u00f6n, dass super Wetter war f\u00fcr die Eiersucher und Sucherinnen, und G\u00e4ste, und Osterfeuer und Eierb\u00e4ume und schneeartige Samenwirbelwinde, und der ganze H\u00fcgel in der N\u00e4he des Hauses soll voller suchender Kinder gewesen sein, \u00fcberall die Bereitschaft zu h\u00f6chstm\u00f6glicher Zufriedenheit. F\u00fcr mich muss drin sein, dass ich auch mal an meinem Schreibtisch sitzen kann und \u00fcber was nachdenken. Ich dachte, auch im Rahmen christlicher Zusammenh\u00e4nge, die mir aus eigener Erfahrung nicht so vertraut sind, dar\u00fcber nach, wie schwer es ist, sich in die Geisteshaltung mancher (schon lange ber\u00fchmter) K\u00fcnstler hineinzuversetzen und f\u00fcr sich selbst wenigstens etwas diesen Blick zu entr\u00e4tseln versuchen, der, zum Beispiel beim Malen auf den vor dem eigenen\u00a0 \u00a0Auge entstehenden Bild f\u00e4llt. Ich kam durch das Bild von Rubens darauf. Diese Behutsamkeit der Pfeilentfernung, die auch durch die Witwe bei Caravaggio gut vermittelt wird, da sieht man die Liebe als reine F\u00fcrsorge, was wohl in der Legende so passiert sein soll, lese ich mal kurz nach: (Der heilige Sebastian). Als Soldat gef\u00f6rdert, wurde er doch wegen Bekennens zum Christentum, vom Kaiser zum Tode verurteilt, der ihn von numidischen Bogensch\u00fctzen erschie\u00dfen lie\u00df. Er starb aber nicht, sondern wurde von dieser Witwe gesund gepflegt, ging dann aber, warum auch immer, zur\u00fcck zum Kaiser, bekannte sich erneut zum Christenbtum und wurde\u00a0 mit Keulen erschlagen. Schon als Jugendliche schaute ich mir die K\u00f6rper der heiligen Sebastians an\u00a0 sowie die vielen gemalten K\u00f6rper des leidenden Jesu die oft so eine Mischung erzeugen aus tiefem Mitgef\u00fchl, das aber auch die Wahrnehmung der k\u00f6rperlichen Sch\u00f6nheit und Jugend zul\u00e4sst. Vielleicht meine ich das mit der Erotik der Wunde, des Leidens, des Schmerzes, der Verletzlichkeit, so eine Art Liebe, die \u00fcber den Schmerz hinausgeht, was nicht bedeutet, dass er nicht wahrgenommen wird. Auch war die religi\u00f6se Darstellung immer auch ein Weg, kulturell verp\u00f6nte Gef\u00fchle auf einer h\u00f6heren Ebene zu sublimieren. Die Spitze des Pinsels kann eine furchterregende Intensit\u00e4t annehmen, denn sie ist das ausf\u00fchrende Organ des dahinter wirkenden Geistes, Ich erinnere mich, dass mir einmal die Anzahl der ertrunkenen und immer noch ertrinkenden Afrikaner im Mittelmeer so unvorstellbar vorkam, dass ich auf einem blassblau bepinseltes 14&#215;14 cm gro\u00dfes Blatt anfing, schwarze Punkte zu setzen, um einem Gef\u00fchl f\u00fcr dieses ungeheure Geschehen zumindest in kl\u00e4glichem Versuch einen Ausdruck zu verleihen. W\u00e4hrend ich Punkt um Punkt setzte, sp\u00fcrte ich, wie sich die Farbe der Punkte in Haare verwandelte. Vierhundert weitere K\u00f6pfe sp\u00fcrte ich f\u00f6rmlich unter meiner Hand versinken in\u00a0 unabwendbare Schicksale, verhinderte Leben,ausgebeutete und vernichtete Menschen, auf Hilfe der S\u00f6hne ausharrende Familien, aber vor allem: dieses sp\u00fcrbare Haar am Ende des Pinsels. F\u00fcr mich hei\u00dft der Begriff &#8222;Erotik der Wunde&#8220; nicht, dass etwas Inkompatibles zusammengebracht wird, nein, sondern Erotik bedeutet f\u00fcr mich unter anderem der universelle Zustand an sich, seine Lebendigkeit, seine Ausschlie\u00dflichkeit, und dass die Wunde auch da ist, um wahrgenommen zu werden als Daseiendes im lebendigen Prozess, Und wer wei\u00df schon, welche Wunden und Abgr\u00fcnde (z.B.) ein Caravaggio beim Malen in sich selbst geheilt und erhellt hat.. (Oder nicht).<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00f6n, dass sie da waren, die Feiertage, und sch\u00f6n, dass super Wetter war f\u00fcr die Eiersucher und Sucherinnen, und G\u00e4ste, und Osterfeuer und Eierb\u00e4ume und schneeartige Samenwirbelwinde, und der ganze H\u00fcgel in der N\u00e4he des Hauses soll voller suchender Kinder gewesen sein, \u00fcberall die Bereitschaft zu h\u00f6chstm\u00f6glicher Zufriedenheit. 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