{"id":7502,"date":"2019-04-15T08:41:13","date_gmt":"2019-04-15T08:41:13","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=7502"},"modified":"2019-04-15T09:20:45","modified_gmt":"2019-04-15T09:20:45","slug":"einstufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=7502","title":{"rendered":"einstufen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7503\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190415_0920111-247x300.jpg\" alt=\"\" width=\"378\" height=\"459\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190415_0920111-247x300.jpg 247w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190415_0920111-768x934.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190415_0920111-842x1024.jpg 842w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190415_0920111.jpg 964w\" sizes=\"auto, (max-width: 378px) 100vw, 378px\" \/><\/p>\n<h5>Manchmal kommt es vor, dass ich kein Bild vor Augen habe, ich meine eines, das mir aus welchen Gr\u00fcnden auch immer passend erscheint f\u00fcr das, was ich vorhabe. Was nicht hei\u00dft, dass Bild und Wort unbedingt eine Verbindung herstellen m\u00fcssen, aber meistens tun sie es. auch unwillk\u00fcrlich. Wenn Worte bewusst mit Bildern verbunden werden, wie zum Beispiel Titel und Beschriftungen in Galerien, wird der betrachtende\u00a0 Geist in eine bestimmte Richtung gelenkt, auch wenn &#8222;ohne Titel&#8220; dran steht,\u00a0 dann\u00a0 wei\u00df man, dass es beabsichtigt ist, dass etwas keinen Titel tr\u00e4gt. So bin ich beim fr\u00fchmorgendlichen Herumschauen auf meine Collagensammlung gesto\u00dfen (immer wieder erstaunt, dass ich doch ganz sch\u00f6n viel sammle), und habe dieses Bild herausgenommen, einst aus ein paar Zeitungsfetzen zusammengef\u00fcgt, und doch k\u00f6nnte man alles M\u00f6gliche darin sehen oder es als Buchcover visionieren zB. mit dem Titel &#8222;Das Geheimnis des Islam&#8220;. Ganz anders w\u00e4ren die Gedanken, wenn es hie\u00dfe &#8222;Die dunklen Korridore der menschlichen Psyche&#8220;. Aber auch das Gr\u00fcn und die Verschleierung w\u00fcrde man mit dem Islam verbinden. Das verbindet sich jetzt mit etwas, das ich gestern gesucht habe, und zwar ein Buch, von dem ich genau wusste, wie es aussieht und wo es &#8222;immer&#8220; steht, aber da stand es nicht, bis ich auf den Knien bei der untersten Reihe der B\u00fccher nachschaute, wo es auf keinen Fall stehen konnte, ich wei\u00df doch, wo meine B\u00fccher stehen. (Genau da fand ich es dann beim dritten Durchgang). Es ging die Stunden davor in meinem Kopf um eine Geschichte, die mir in den letzten Tagen immer mal wieder einfiel, von der ich unbedingt wissen wollte, wie sie nun wirklich dort (\u00fcbersetzt von Annemarie Scimmel) stand. Es ging um den Sufi Heiligen Al-Halladsch, der auch gekreuzigt wurde wie Jesus, weil er die gef\u00e4hrlichen Worte sprach, die die jeweiligen Herrscher als gen\u00fcgend gef\u00e4hrlich einstufen, um das Zeichen zur Ermordung zu geben. Und wie in der \u00fcbertragenen Geschichte von Sokrates, als man ihm den Giftbecher reichte, mischte sich der Henker ein. Al-Halladsch sagte ein paar weise Worte zum Abschied an seine Sch\u00fcler, da ohrfeigte ihn sein Henker. Daraufhin zerriss Shibli, sein nahester Freund und Sch\u00fcler, sich das Gewand, und die anwesenden Sufis fielen in Ohnmacht. Sie hackten Al-Halladsch die H\u00e4nde und die F\u00fc\u00dfe ab und kreuzigten ihn an einem Baumstumpf. Obwohl der Befehl der Enthauptung schon gegeben war, entschied der Henker, ihn noch eine Nacht h\u00e4ngen zu lassen.\u00a0 In dieser Zeitspanne kam Shibli zu ihm und fragte ihn: Was ist Mystik? Und Al-Halladsch soll gesagt haben: &#8222;Es ist ihre niedrigste Stufe, die du hier siehst.&#8220; Es ist diese Antwort, die mich ber\u00fchrt, denn sie erinnert einen an die immense Freiheit, die einem allein durch Dasein zugemutet wird, n\u00e4mlich die Stufen zu kennen und sich bewust auf denen bewegen zu k\u00f6nnen, die einem angemessen erscheinen. Es ist eine all-inclusive Antwort ohne Verurteilung, denn er weist nur darauf hin, dass dieser Gewaltakt die niedrigste Stufe der Mystik ist. Das hei\u00dft nicht, dass dem Henker nicht eine andere Variante des Verhaltens m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Auch von Pontius Pilatus wird erz\u00e4hlt, dass ihn Gewissensbisse qu\u00e4lten, aber das Volk, das auch heute noch auf den Autobahnen das Fenster herunterl\u00e4sst, um einen Unfall zu genie\u00dfen, wollte Blut lecken, und er brauchte ihr Blut f\u00fcr seine Macht. Die Geschichten, die erz\u00e4hlt werden und die wir erz\u00e4hlen, bestehen alle aus prozentualem Wissen und Wahrheitgehalt. Man muss nicht unbedingt ein Huhn werden, um die hingeworfenen K\u00f6rner aufzupicken. Es gibt\u00a0 ja auch noch den Schwan, von dem man sagt, er h\u00e4tte die F\u00e4higkeit, aus dem Vorhandenen das Beste herauszuholen.. Dagegen ist nichts einzuwenden.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal kommt es vor, dass ich kein Bild vor Augen habe, ich meine eines, das mir aus welchen Gr\u00fcnden auch immer passend erscheint f\u00fcr das, was ich vorhabe. Was nicht hei\u00dft, dass Bild und Wort unbedingt eine Verbindung herstellen m\u00fcssen, aber meistens tun sie es. auch unwillk\u00fcrlich. 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