{"id":7375,"date":"2019-03-27T09:01:25","date_gmt":"2019-03-27T09:01:25","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=7375"},"modified":"2019-03-27T09:09:48","modified_gmt":"2019-03-27T09:09:48","slug":"gangart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=7375","title":{"rendered":"Gangart"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7376\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190327_072415-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"219\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190327_072415-169x300.jpg 169w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190327_072415-768x1365.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190327_072415-576x1024.jpg 576w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190327_072415.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 219px) 100vw, 219px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7377\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190327_072803-85x300.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"388\" \/><\/p>\n<h5>Selbst nach jahrelanger \u00dcbung, mich in d e n zwei Kulturkreisen zu bewegen, die mir am vertrautesten geworden sind, kann ich nicht wirklich von einer Gew\u00f6hnung im Umgang damit sprechen. Es sieht zwar oft \u00e4hnlich aus und vieles ist auf beiden Seiten leicht wiedererkennbar, aber die eigene Notwendigkeit, sich auf die jeweiligen Situationen, Sprachen, Handbewegungen, Einstellungen, Gedanken und das Au\u00dfenleben immer aufs Neue einzustellen bringt Zust\u00e4nde hervor, mit denen man umgehen muss. Haben Ver\u00e4nderungen in mir selbst stattgefunden durch jeweilige, tiefe Ber\u00fchrungen, kann ich, auf die andere Seite reisend, nicht erwarten, dass ich sie auf diesselbe Art und Weise wahrnehme wie gerade noch. Sie m\u00fcssen erst durch das Raster der anderen Kultur geschleust bzw. gelebt und auf diese Weise noch einmal neu erlebt werden, bis sie als Spuren im Selbst wahrgenommen werden k\u00f6nnen. Wenn ich mich in Indien z.B. immer auf die eine oder andere Weise mit dem Kosmos der G\u00f6tter und Gottheiten auseinandersetzen muss, da es kaum jemanden unter den Einheimischen gibt, die sich auch nur ann\u00e4hernd in pers\u00f6nlichen Reflektionen damit besch\u00e4ftigen, aber einen felsenfesten Glauben daran haben, so bieten diese Einstellungen im Westen keinerlei Relevanz, obwohl man von PhilosophInnen, PoetInnen, PriesterInnen, K\u00fcnstlerInnen u.s.w. \u00fcberall dasselbe an geistiger Anstrengung und Wachheit erwartet, die man, wenn man nach ihr sucht, in der Menschheitsgeschichte allerorts finden kann. So wandeln sich vor allem die \u00e4u\u00dferen Formen und Umst\u00e4nde, und wenn man sich einen Weg bahnen kann durch den Wirrwarr und Wahnsinn der dominierenden Geistergeschichten, erkennt man tats\u00e4chlich ein \u00d6ll\u00e4mpchen am Ende des Tunnels. Es ist einfacher, sich auf die Qualit\u00e4t eines Smartphones zu einigen, auch wenn der Eine in Sibirien postet und der Andere in Sizilien, aber eine gemeinsame Botschaft der Kerns\u00e4tze von religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen zu finden ist vielleicht einerseits gar nicht so wichtig, wenn die Unterschiede geachtet werden, und andrerseits kann es spannend sein (zum Beispiel), zwischen dem Verbot des christlichen Gottes im Paradies, vom Apfel der Erkenntnis zu essen, gefolgt von einem Rausschmiss aus dem Garten nach Missachtung des Gebots, und dem Wunsch des indischen Sch\u00f6pfergottes, als einziger Erzeuger und Bestimmer des Ganzen gesehen zu werden, wobei es im indischen Olymp auf andere Weise wild zugeht, und auch d a Widersacher unterwegs sind, die den schwer verst\u00e4ndlichen Stories den Pfeffer geben. Dort klage ich \u00f6fters auch mal \u00fcber den ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm, der das indische Leben umgibt, hier, ebenfalls au\u00dferhalb der St\u00e4dte wohnend, macht mir die tiefe, wunderbare Stille auch klar, wie intensiv Menschen im Westen mit der pers\u00f6nlichen Gestaltung ihres Alltgas besch\u00e4ftigt sind. In Indien l\u00e4uft das Meiste noch traditionellen Bahnen entlang, wenn auch nur als leere H\u00fclse, die Vertrautheit vorgaukelt. Im Westen herrscht eine Idee von Freiheit vor, die selten zur Umsetztung von pers\u00f6nlichen W\u00fcnschen f\u00fchrt. Das Angebot ist immens, die neuen Anforderungen folgen dicht auf dicht. In beiden Kulturen suche ich intuitiv nach R\u00e4umen, in denen mein Selbstsein stattfinden kann, ohne die Anderen zu st\u00f6ren oder von ihnen gest\u00f6rt zu werden. Schlie\u00dflich treffen wir in jedem Menschen, dem wir direkt begegnen, auf eine eigene Kultur, mit deren Ausdruck wir umgehen m\u00fcssen. Freiheit ist m\u00fchsam, will sie ein Tanz werden mit den Mitteln des Vorhandenen. Mit nur mir selbst zur Verf\u00fcgung stehend betrete ich immer wieder aufs Neue das Feld der Handlung, oder lasse mich auch zuweilen ein auf das Nicht-immer-Handelnde, weil ich Zustrom sp\u00fcre aus dem Grundton meines inneren Orchesters. Nein, die Unterschiede sind nicht so gro\u00df. Doch kann ich das erst sehen, wenn ich mich ernsthaft den Unterscheidungen gewidmet habe. Es wird dann auch klar, dass das Einfache ein Weg ist, auf dem der Pfad f\u00fcr die F\u00fc\u00dfe immer schmaler wird, dem Auge aber\u00a0 gerade durch diese konzentrierte Gangart eine Weite und Tiefe gew\u00e4hrleistet wird, die jede Ablenkung grunds\u00e4tzlich widerlegt.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbst nach jahrelanger \u00dcbung, mich in d e n zwei Kulturkreisen zu bewegen, die mir am vertrautesten geworden sind, kann ich nicht wirklich von einer Gew\u00f6hnung im Umgang damit sprechen. 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