{"id":7135,"date":"2019-02-23T04:38:05","date_gmt":"2019-02-23T04:38:05","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=7135"},"modified":"2019-02-23T04:45:23","modified_gmt":"2019-02-23T04:45:23","slug":"pilgern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=7135","title":{"rendered":"pilgern"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7136\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/20190223_070701.png\" alt=\"\" width=\"292\" height=\"419\" \/><\/p>\n<h5>Am Samstag wird besonders viel gepilgert, weil Menschen dann, wenn sie sich sie nehmen, Zeit haben zum Pilgern. Man w\u00fcrde sich w\u00fcnschen, dass so ein Ausflug dann viel Freude bringt und vor allem einige Abwechslung, vermutlich ein Grund, warum man die pilgernden Frauen mehr redn und lachen h\u00f6rt als sonst, aber meistens wirkt es eher angestrengt. Schon das Packen der Tasche, wei\u00df man ja aus Erfahrung, hat viel Gr\u00fcbeln gekostet. W\u00e4hrend die westliche Frau einen Bikini in eine Taschenecke schieben kann, braucht die indische Frau schon zum Baden vier aufwendige Kost\u00fcmteile, deswegen werden es auch meistens zwei Taschen, die unter Atemnot die vielen Treppen hinauf-und hinuntergeschleppt werden. Meistens tragen die Frauen die Taschen und reichen daraus dem Ehemann, was er braucht. Daran sieht man, dass sie auch seine Taschen packt, denn er wei\u00df gar nicht, wo seine frischen Sachen stecken, und wann sie gewaschen und eingepackt wurden. Der Mann im Bild reist allein, deswegen tr\u00e4gt er allein, was er braucht. Was diese Stecken in seiner Hand bedeuten, wei\u00df ich leider nicht, aber f\u00fcr meine Augen sieht er aus wie ein Pilger, den man in jedem Zeitalter genau s o h\u00e4tte beobachten k\u00f6nnen. Man m\u00fcsste vielleicht die Taschen herausnehmen und in Stoffbeh\u00e4lter verwandeln, und auch in den Taschen nachschauen, wo die Plastikt\u00fcten alles M\u00f6gliche beherbergen. Noch gibt es ein paar Dinge, die nicht aus Plastik sind. Zum Beispiel die 200-bis 300 Jahre alten Ahnenb\u00fccher, die die Brahmanenpriester mit sich herumschleppen, um die Namen der URURURURUR-usw- Ahnen zu suchen und, o heilige Macht des Wunders, auch finden. Es gibt hohe Ordnungen, von denen man wenig oder keine Ahnung hat, und manchmal lege ich auch im Anblick solch einer Rarit\u00e4t die H\u00e4nde zusammen und lasse Andere wissen, dass ich staune. Die Pilger und Pilgerinnen, die sich meistens nur einmal im Leben zu so einem mit Bedeutung vollgepumptem\u00a0 Ort aufmachen, lassen \u00fcberall eine Menge unterschiedliches Zeug zur\u00fcck. Die S\u00e4uberungskr\u00e4fte (Sweeper-Kaste) haben vor allem am Wochenende alle H\u00e4nde voll zu tun. Manchmal liegt ein Bh. oder eine Herrenunterhose auf dem heiligen Pfad, daneben die neue Schachtel, aus der das Vorgedachte entfernt wurde, das andere zur\u00fcckgelassen. Auch um die B\u00e4ume herum wird es voller, denn\u00a0 beim Murmeln wird allerhand gespendet, man kommt ja nicht gerne mit leeren H\u00e4nden zum heiligen Stammbaum. Und von wem und wo soll man besser die S\u00f6hne w\u00fcnschen, wenn nicht hier, oder mal mit sich selbst sein und herausbekommen, wie man so ist. Das ist sicherlich auf dem Jakobsweg auch nicht viel anders. Endlich kommt man mal etwas zu sich. Eine Vermutung, denn ich war noch nicht dort, habe aber wie alle, die ich kenne, zumindest mal damit gelieb\u00e4ugelt, Jakob hin oder her. Klar, die Leute wandern auch ohne himmlisch bewerteten Urgrund, und man erwartet nicht von Joggern, dass sie in eine kleine Kapelle am Wegesrand einkehren m\u00f6chten. Aber Pilger schon. Ab und zu so ein Kirchlein, das hebt doch etwas im Inneren empor, man wei\u00df nicht mehr genau, was, aber wen k\u00fcmmert&#8217;s. Auch ich k\u00f6nnte mein Herumgehen hier Pilgern nennen, auch wenn mich kein Abbild mehr in irgendeinen Ort hineinzieht, au\u00dfer es besteht ein direkter Zusammenhang. So besuche ich manchmal den Pandit, der sein neues Amt in einem Krishna-Tempel aus\u00fcbt und mir, die ich drau\u00dfen auf den Stufen sitze,\u00a0 signalisiert, dass er gleich Zeit\u00a0 hat f\u00fcr unsere Unterhaltung. Ist es nicht ein bisschen langeweilig, habe ich ihn mal gefragt, und er meinte, dass das, was er da tut, er nur f\u00fcr den Gott tun kann. Ich gew\u00f6hne mir das Nachbohren hier immer mal wieder etwas ab. Das Leben selbst, mit oder ohne Gottesst\u00e4tten, kann man ruhig auch eine Pilgerreise nennen. Je leichter das Gep\u00e4ck ist, desto m\u00fcheloser l\u00e4sst sich wandern, kein Zweifel. Und wenn man etwas Gl\u00fcck hat, lernt man sich ein St\u00fcck besser kennen.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Am Samstag wird besonders viel gepilgert, weil Menschen dann, wenn sie sich sie nehmen, Zeit haben zum Pilgern. 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