{"id":6560,"date":"2018-12-06T05:43:08","date_gmt":"2018-12-06T05:43:08","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=6560"},"modified":"2018-12-06T05:52:19","modified_gmt":"2018-12-06T05:52:19","slug":"reden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=6560","title":{"rendered":"reden"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-6562\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181206_1009381-300x300.png\" alt=\"\" width=\"341\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181206_1009381-300x300.png 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181206_1009381-150x150.png 150w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181206_1009381-768x767.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181206_1009381-365x365.png 365w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181206_1009381-500x500.png 500w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181206_1009381.png 952w\" sizes=\"auto, (max-width: 341px) 100vw, 341px\" \/><\/p>\n<h5>In Deutschland w\u00fcrde ich nie auf die Idee kommen, wenn ich mal irgendwie schr\u00e4g oder verstimmt drauf bin, auf die Stra\u00dfe hinauszugehen, weil es mir dann gleich besser geht, wenn ich ein paar Menschen getroffen und mit ihnen geredet habe. Ich w\u00fcrde vielleicht im Wald eine Runde drehen und ziemlich ungern jemandem unterwegs begegnen. Hier ist das anders. Nat\u00fcrlich vereinfacht es den Zugang zu freundlichen Begegnungen oder Gespr\u00e4chen, wenn man mal ein paar Jahre an einem Ort gelebt hat. Aber die Garantie einer gutgesteuerten Laune kommt vor allem daher, dass die meisten &#8222;Inder&#8220; gespr\u00e4chsoffen sind, oder vielleicht passt hier dieses Wort &#8222;redselig&#8220;. So weit wie selig w\u00fcrde ich nun nicht gehen, aber &#8222;das\u00a0 Reden&#8220; kann doch eine sehr sch\u00f6ne Sache sein, vor allem, wenn auch die Erfahrung des Schweigens dabei ist oder mitschwingt. Und immer wieder gibt es \u00dcberraschendes zu erleben. Gestern war ich bei Krischna, einem (brahmanischen) Brotb\u00e4cker, zu dessen Familie ich ab und zu einen Kilometer pilgere, einerseits f\u00fcr das Brot, andrerseits f\u00fcr die Gespr\u00e4che mit ihnen. Wir sa\u00dfen alle zusammen beim s\u00fc\u00dfen Schwarztee, eine Spezialit\u00e4t der Hausfrau, Sunita, und mit einem der S\u00f6hne, Janak. Krishna hatte sich in diesem Jahr einen Bart wachsen lassen und Janak meinte, sein Vater solle doch bald in eine H\u00f6hle ziehen, um als M\u00f6nch zu leben. Krishnas Frau war begeistert, und das Gespr\u00e4ch ging so leicht und spielerisch um alle Themen herum, und alles wurde gesagt und doch nicht tierisch ernst genommen, sondern wegen der geistigen Freiheit, die m\u00f6glich war, blieb der Grundton heiter. Ja, &#8222;Hindus&#8220; sind in vieler Hinsicht extrem fixiert, aber freies Denken wird auch durchaus gesch\u00e4tzt, wenn man es kann. Ich finde es interessant, wie alle, mit denen ich zur Zeit rede, gerade mit den politischen Themen umgehen. Die Schlammschlacht zwischen den f\u00fchrenden Politikern ist auf einem so peinlichen Level, dass die meisten zwar w\u00e4hlen gehen, aber bis zuletzt warten, welchen Namen letztendlich ihre Hand schreibt. Alle finden es unangenehm, dass es nur um pers\u00f6nliche Macht geht, und daf\u00fcr braucht man eine Menge Geld, und da wird es ja auch schon ziemlich langweilig, und nur die Philosophen sind manchmal noch best\u00fcrzt, wohl wissend, dass es kein Klacks ist, seine Seele f\u00fcr ein paar Groschen zu verh\u00f6kern. Der Priester, mit dem ich dar\u00fcber rede am See, tr\u00e4gt einen &#8222;Dhoti&#8220; (indisches Kleidungsst\u00fcck f\u00fcr M\u00e4nner, urspr\u00fcnglich bestehend aus einem Tuch, das man wie einen Rock tr\u00e4gt und einfach zuknotet). Dieser Dhoti f\u00e4llt mir ins Auge, weil er aus feinstem Baumwollstoff ist mit einem schlichten Goldrand. Ich dachte, solche Qualit\u00e4t w\u00e4re ausgestorben und frage ihn, wo er ihn her hat. Bereitwillig erz\u00e4hlt er mir, dass er es bei Amazon bestellt hat, und nein, nicht mehr als Tuch, sondern schon fix und fertig als Dhoti mit Seitentaschen und einer G\u00fcrtelschnalle. Amazon hat hier eingeschlagen wie ein Komet. Nun bin ich leider keine Bania-Natur (cleverer Businesskopf), sonst w\u00e4re ich schon l\u00e4ngst croremami (Million\u00e4rin). Gerade merke ich, dass meine heutigen Worte nicht so sehr die geistigen Dimensionen beschreiben, die ich bei Indern im Dialog f\u00fcr m\u00f6glich halte, sondern es ist diese erheiternde Menschlichkeit, die ich so sch\u00e4tze. Auf dem Weg zur\u00fcck von Krishna h\u00e4lt ein Motorrad neben mir, und der Fahrer fragt mich, ob er mich nach Hause fahren soll. Ich steige sofort auf, weil er auch meinen Namen kennt, habe aber keine Ahnung, wer er ist. Unterwegs h\u00f6re ich, dass er fr\u00fcher\u00a0 im selben Hotel gearbeitet hat, in dem ich mal gewohnt und eine Drama Performance f\u00fcr das ganze\u00a0 Dorf organisiert habe. Ein paar Minuten tiefer Verbundenheit wehen durch die Atmosph\u00e4re. Man hat was richtig Gutes erlebt und das Herzgef\u00e4\u00df wird in eine Weitung gelockt.<\/h5>\n<p>Das Bild zeigt Sokrates im Dialog mit einem seiner Sch\u00fcler (why not).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland w\u00fcrde ich nie auf die Idee kommen, wenn ich mal irgendwie schr\u00e4g oder verstimmt drauf bin, auf die Stra\u00dfe hinauszugehen, weil es mir dann gleich besser geht, wenn ich ein paar Menschen getroffen und mit ihnen geredet habe. Ich w\u00fcrde vielleicht im Wald eine Runde drehen und ziemlich ungern jemandem unterwegs begegnen. 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