{"id":5965,"date":"2018-08-31T08:25:30","date_gmt":"2018-08-31T08:25:30","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5965"},"modified":"2018-08-31T08:41:22","modified_gmt":"2018-08-31T08:41:22","slug":"faehig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=5965","title":{"rendered":"f\u00e4hig"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5966\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/20180830_095252-253x300.png\" alt=\"\" width=\"332\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/20180830_095252-253x300.png 253w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/20180830_095252-768x910.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/20180830_095252-864x1024.png 864w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/20180830_095252.png 938w\" sizes=\"auto, (max-width: 332px) 100vw, 332px\" \/><\/p>\n<h5>Der Mensch ist zu allem f\u00e4hig. Die Zweideutigkeit des Satzes kann einen erschaudern lassen. Wir wissen alle, alle Menschen, zu was er f\u00e4hig ist, der Mensch, also wir, einmal als Spezies, die genug dokumentiert ist, um einiges \u00fcber sie auszusagen, und das andere Mal als einzelner Mensch, in letzter Konsequenz also als ich selbst, als Mensch.\u00a0 Warum ausgerechnet das Ich in letzter Konsequenz? Oft ist das Ich vornehmlich besch\u00e4ftigt mit der Drau\u00dfenwelt, die Arbeit, die Anderen, die Befindlichkeiten. Kann man erkennen, ob und wann ein Mensch bei sich ist, und wenn er oder sie nicht bei sich ist, wo sind sie dann? Wenn man nun die Augen umdrehen k\u00f6nnte, sozusagen von der Au\u00dfenansicht in die Innenansicht, was w\u00fcrde man dann innen sehen. Wie kommt man \u00fcberhaupt hinein? Gibt es einen Schl\u00fcssel oder ein Password? Was es gibt, sind B\u00fccher und Vortr\u00e4ge von Leuten, die behaupten sich &#8222;drinnen&#8220; auszukennen.\u00a0 Man darf sie, wenn man m\u00f6chte, anstaunen, oder in Zweifel setzen, oder sie ablehnen, aber man wei\u00df auf jeden Fall nicht, wor\u00fcber sie reden. Denn w\u00fcsste man&#8217;s, dann w\u00fcrde man ja nicht da sitzen und etwas suchen, von dem man gar nicht wei\u00df, dass es das wirklich gibt? Auf der anderen Seite w\u00fcrde einen das Thema gar nicht besch\u00e4ftigen, wenn man mit dem, was man ist, voll zufrieden ist, und z.B. kein uneingel\u00f6ster Anspruch an einem nagt. Man kennt auch von sich, dass man in sozial erwartetem T\u00e4uschungsman\u00f6ver ein Frohsein vorgaukelt, wenn es innen tobt und brodelt bis an die Mundwinkel. Man muss seinen Zustand ja auch nicht \u00fcberall und f\u00fcr jeden sichtbar zur Verf\u00fcgung stellen, Hauptsache, man wei\u00df selbst, wie man sich f\u00fchlt. Wie wei\u00df man, wie man sich f\u00fchlt. Hier beamen wir uns kurz in ein extra daf\u00fcr erschaffenes Wochenend-Seminar, freitags Ankunft und Kennenlernen, Samstag Krisentag, Sonntag Feedback und Abreise. Jetzt habe ich (vor\u00fcbergehend) den Eindruck erweckt, als k\u00f6nnte ich auch Wochenend-Seminarbesucherin sein, was ich zu dem Zweck, den ich hier verfolge, nicht brauche. Ich brauche nur geistig den Seminar-Raum und die TeilnehmerInnenrunde, um sie darum zu bitten, mal rundherum so genau wie m\u00f6glich zu beschreiben, was jede\/r so gerade f\u00fchlt. F\u00fchlen, was ist das. Jeder hat&#8217;s, doch wie hei\u00dft es. Kann ich wissen, was es ist, wenn ich es nicht nenne. Neulich habe ich unterwegs ein Interview mit einer S\u00e4ngerin geh\u00f6rt, das mich aufhorchen lie\u00df. Ich habe mir ihren Namen gemerkt, Etta Scollo, und sie mir im Netz angeh\u00f6rt. Man kann hier Gef\u00fchle h\u00f6ren. H\u00f6rt man denn bei den anderen S\u00e4ngern keine Gef\u00fchle. Ich pers\u00f6nlich kann klassisches Gesinge nicht gut ertragen, das ist nat\u00fcrlich ein Banausen-Kommentar. Vielleicht fehlt mir bei diesen T\u00f6nen das F\u00fchlen. K\u00f6nnen ist auch nicht immer alles. Auch nicht jeder Fado erreicht das F\u00fchlen, es kommt auf die Darbietung an, auf die ausgelotete Tiefe des Empfindens, das hier gew\u00fcnscht ist. Jeder hat sein oder ihr Gebiet. Wenn man Anthony (and the Johnsons ) h\u00f6rt, wei\u00df man was von gro\u00dfer Verlassenheit, oder die Stimme schenkt einem d e n Tropfen gro\u00dfer, eigener Verlassenheit, den man so selten kosten kann, weil er so selten hervorgelockt wird. Auch mitzuf\u00fchlen kann so bereichernd sein, vielleicht steht es an irgend einem hellen Ausgang als das Bereicherndste da, der Reichtum schlechthin also, dass man mitf\u00fchlen durfte bei Anderen, weil man es ja nur k\u00f6nnen kann, wenn man genug mit sich selbst gef\u00fchlt hat. Was ist genug? Vorerst muss man schauen, ob man die Gef\u00fchle \u00fcberhaupt erkennen und nennen kann. Es gibt auch Berichte von Gef\u00fchlen, die andere daf\u00fcr halten, die man selbst aber gar nicht kennt, Schmetterlinge im Bauch, zum Beispiel, \u00fcberhaupt dieses Bauchgef\u00fchlte, da w\u00fcrde ich mir eher in der trauten Kammer eines Nachmittags die mutige Frage stellen: schon geboren? Oder noch im Kanal unterwegs? Das muss jede\/r selbst wissen. Das ist es ja gerade, dass es nur jede\/r selbst wissen kann. Auch die Freiheit, um das Wissen herumzukommen, muss nicht nur da sein, sondern ist da. Wen geht&#8217;s was an, was ich f\u00fchle. Nur, wenn ich selbst es nicht wei\u00df, was dann?<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mensch ist zu allem f\u00e4hig. Die Zweideutigkeit des Satzes kann einen erschaudern lassen. 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