{"id":5642,"date":"2018-07-11T08:27:20","date_gmt":"2018-07-11T08:27:20","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5642"},"modified":"2018-07-14T09:20:58","modified_gmt":"2018-07-14T09:20:58","slug":"das-hervorholen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=5642","title":{"rendered":"Das Hervorholen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5644\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/20180711_101254-204x300.png\" alt=\"\" width=\"278\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/20180711_101254-204x300.png 204w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/20180711_101254.png 668w\" sizes=\"auto, (max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><\/p>\n<h5>Dass Worte geh\u00f6rt werden, ist eines, aber dass Worte zu einem durchdringen und etwas in einem ausl\u00f6sen oder etwas inspirieren oder irritieren k\u00f6nnen, etwas anderes. So hat mich das Wort &#8222;hervorholen&#8220; w\u00e4hrend eines Gespr\u00e4ches geradezu elektrisiert, denn es beinhaltet eine Bewegung. Obwohl nat\u00fcrlich von grenzenlosem Hervorholen aus dem Weltreichtum berichtet werden k\u00f6nnte, was in gewissem Sinn das Netz bestens leisten kann oder eine Enzyklop\u00e4die, denkt man bei &#8222;hervorholen&#8220; eher an innere Welten oder eine innere Substanz, von der man gewohnt ist, sie als sich selbst zu bezeichnen. D a s bin ich. Daher die offensichtlich darauf folgende Frage: was ist das, was so locker als &#8222;Ich&#8220; bezeichnet wird. Die Inder hatten f\u00fcr sich eine lange andauernde, gute L\u00f6sung gefunden. Das Ich war verp\u00f6nt, und da es auf Hindi &#8222;mai (m\u00e4h) hei\u00dft, wurde es mit dem Meckern einer Ziege verglichen. Diese kollektiv erworbene und praktizierte Einstellung, die vor allem dem Wohl des Gemeinsamen dienen sollte, also der Gro\u00dffamilie oder den M\u00f6nchsbruderschaften, stellt nun gem\u00e4\u00df einer rigorosen Ver\u00e4nderung durch die digitale Revolution das gr\u00f6\u00dfte Hindernis der Hindus dar. Sie haben \u00fcberhaupt keine Wahrnehmung ihrer eigenen, pers\u00f6nlichen Geschichte, und noch gibt es daf\u00fcr keine entwickelte Methode au\u00dfer dem Gehorsam \u00fcbermittelter Weisheiten gegen\u00fcber, von denen man ausging, dass sie durch Verstehen und Aus\u00fcben Fr\u00fcchte tragen werden. Auch wurde mir mal berichtet, dass auch ein Mann in der Familie, bevor er f\u00fcnfzig Jahre alt ist, keine pers\u00f6nliche Entscheidung trifft. Das m\u00fcsste auch gar nicht sein und k\u00f6nnte seelenruhig so weitergehen, g\u00e4be es nicht auf einmal durch die gravierenden Ver\u00e4nderungen und Herausforderungen der Zeit einen Ausbruch an Krankheiten, Zust\u00e4nden, Einbr\u00fcchen und Zusammenbr\u00fcchen, kurz: eine Menge St\u00f6rungen, die in die Seelenruhe eingreifen und durch die neuen Infragestellungen neue Beantwortungen hervorrufen. Nun erst kommt es zur Bewusstwerdung des Inneren, hei\u00dft: innerer Zust\u00e4nde, die im kollektiven Rahmen keine Beherbergung mehr finden. Wer bin ich in dem ganzen Trubel, jetzt auf eine nie gekannte Weise allein, und was ist innen und wie kommt man da hin. Und ist das, was ich vorfinde, auch das, was nicht nur i c h sage und finde, sondern das seine Resonanz finden kann in bereits Erfahrenem, indem man hingewiesen wurde und wird irgendwo oder irgendwie, dass das, was man innen vorfindet, nicht notwendigerweise auch das ist, was ich &#8222;wirklich&#8220; bin. Die Entst\u00f6rung der Psyche ist Hauptarbeit an der Quelle im Osten wie im Westen, auch wenn die Wege oft sehr verschieden erscheinen. Was mich in Indien angeregt hat, war ein sp\u00fcrbar leerer, kosmischer Seinsraum, unter dessen Obhut Menschen ihre Ordnungen erschufen gem\u00e4\u00df vermittelter Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, die praktisch erprobt waren. Der noch schlummernde Ich-Durchgang schien keineswegs ein Nachteil zu sein, ja, eher das, was wir alle suchten, die wir, von unserer Art der Icherf\u00fcllung reichlich \u00fcberm\u00fcdet, in Indien eine Atempause fanden. So wie einerseits die mangelnde Ichbewusstheit zu Grenzen f\u00fchrt, so f\u00fchrt auch die Ich-Erforschung zu Grenzen, denn auch die stattfindende Entst\u00f6rung will bewusst wahrgenommen werden, sodass wir eines Tages auch einmal wissen werden k\u00f6nnen, was gest\u00f6rt und was nicht mehr gest\u00f6rt ist. Das Hervorholen aus der pers\u00f6nlichen Geschichte ist ein endloser Vorgang und unterliegt denselben illusion\u00e4ren Erscheinungsformen wie alles andere. Es dient, aber es ist nicht die Quelle selbst in ihrem Eigen-sein. Das Ablassen von pers\u00f6nlicher Hervorholung hat man den Indern beigebracht, jetzt ist der gro\u00dfe Achsenumschwung da, der sich im Westen auf westliche Weise vollzieht.\u00a0 Was hole ich als einzelnes Individuum aus mir hervor, bzw. lasse die Hervorholung mal sein. Wenn Liebe tats\u00e4chlich der Verzicht auf Mord ist, wie stelle ich meinen Kompass ein, damit er mich durchtr\u00e4gt durch die Ungeheuerlichkeiten. Und wann, wenn ich innere und \u00e4u\u00dfere Vernichtungstendenzen so tiefgr\u00fcndig wie m\u00f6glich durchkontempliert habe, h\u00f6re ich auf mit der Vernichtung des Wesens selbst, oder aber mit der stillen Beteiligung an den Vernichtungstendenzen.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Worte geh\u00f6rt werden, ist eines, aber dass Worte zu einem durchdringen und etwas in einem ausl\u00f6sen oder etwas inspirieren oder irritieren k\u00f6nnen, etwas anderes. So hat mich das Wort &#8222;hervorholen&#8220; w\u00e4hrend eines Gespr\u00e4ches geradezu elektrisiert, denn es beinhaltet eine Bewegung. 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