{"id":5556,"date":"2018-06-27T07:58:44","date_gmt":"2018-06-27T07:58:44","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5556"},"modified":"2018-06-27T08:03:30","modified_gmt":"2018-06-27T08:03:30","slug":"einschleichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=5556","title":{"rendered":"einschleichen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5557\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180626_174445-300x260.png\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180626_174445-300x260.png 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180626_174445-768x665.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180626_174445-1024x887.png 1024w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180626_174445.png 1226w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/p>\n<h5>Als ich mit der Pinselung dieses Bildes fertig war, musste ich herzlich lachen.\u00a0 H\u00e4tte man mir den staatlichen Auftrag erteilt, die psychische Momentaufnahme &#8222;der Deutschen&#8220; bildlich darzustellen, h\u00e4tte ich den Ausdruck vor lauter Anstrengung wahrscheinlich nicht so passend hingekriegt. Man kann nat\u00fcrlich in diesen Ausdruck alles, was man m\u00f6chte, hineininterpretieren, und jedes Wort w\u00fcrde nur ausdr\u00fccken, was man mit einem Schlag sieht. Es k\u00e4me also nur auf die pers\u00f6nliche Note an, die man dem Zustand geben w\u00fcrde. Ist es ein am Morgen erschreckt aufwachender Mensch, der ahnt, dass es auch auf den Fu\u00dfballfeldern bald keine Helden mehr geben wird. Was ist los? Alle sehen so gleich aus, und will man mal z.B. sehen, wie die Menschen aus Uruguay spielen oder aussehen, so wei\u00df man gar nicht, wer wirklich aus Uruguay ist. Jetzt tragen alle die Kniestr\u00fcmpfe \u00fcber den Knieen und heben die rechte Hand hoch, wenn sie am Ball sind, und ich habe geh\u00f6rt, dass keiner wei\u00df, warum sie das machen, es hat sich so eingeschlichen. Vieles schleicht sich ein, und wenn man die Einschleichung nicht rechtzeitig bemerkt, kann daraus ein verdunkelter Film werden. Hat er denn nicht recht, der Horst Seehofer, und spricht irgendwie vielen aus der z\u00f6gerlichen Seele, dass er die Ausl\u00e4nder nicht mehr ins Land lassen will. Da man es nur zu gut verstehen kann, kommt es hier nicht nur auf Menschenkenntnis, sondern auf eine bereitwillige Bewusstseinserweiterung an, die nur f\u00f6rderlich ist, wenn sie aus dem eigenen Reich der Gedanken entspringt. Das geht schnell, dass man zu etwas etwas sagt. V\u00f6llig hintergrundsleere Meinungen werden permanent ausgetauscht, sie sind das Salz der Alltagskommunikation. Auch die digitale Entwicklung bietet keineswegs die Reflektion innerer Vorg\u00e4nge, im Gegenteil. Ich muss aus mir herausgehen, um dort hineinzugehen, in das Zweitreich meiner Ich-Vorstellungen. Nat\u00fcrlich wacht hier vor allem der B\u00fcrger erschreckt auf. Die Frau, die oft schon &#8222;Mutti der Nation&#8220; genannt wurde und Gro\u00dfartiges leistete, erschreckte die S\u00f6hne dann doch mit ihrer so ganz anders gearteten Machtaus\u00fcbung, mit nat\u00fcrlicher Souver\u00e4nit\u00e4t ausgestattet auf der Basis von guter Intelligenz und einem hohen Grad von Verl\u00e4sslichkeit. Meine Lobeshymnen auf Angela Merkel klingen auch schon wie ein Abschied. Die S\u00f6hne s\u00e4gen Mutti also einerseits erschreckt, andrerseits lustvoll ab, denn hier tobt immer noch auf geradezu unsterbliche Weise die alte Saga vom unvermeidlichen Schicksal, wo selbst inmitten der Schlacht der Gott der Liebe (Krishna in der Bhagavad Gita) zu Arjun sagt, er k\u00f6nne seinem Schicksal nicht entrinnen und muss t\u00f6ten k\u00f6nnen, auch wenn es die eigenen Verwandten sind. Man m\u00f6chte doch manchmal gerne wissen, wie so eine missliche Idee\/ Mist \/cum Religion entstanden ist. Wer hat was warum und wie und wo gedacht, und wer hat danach in den niedergeschriebenen Geschichten nochmal nach eigenem Gutd\u00fcnken reichlich nachgebessert, bis es zu uns als unumst\u00f6\u00dfliche Wahrheit kam und in den Kirchen und Tempeln vorgebetet werden musste. Da gibt es nun mal keine Zeugen mehr. Es gibt nur Systeme, Methoden, Lehren, Versuche, das Ganze irgendwie zu erfassen, w\u00e4hrend man da ist. Das Land geht durch eine gro\u00dfe, menschliche Krise. &#8222;Wir schaffen das&#8220; ist im Erschrecken \u00fcber die Realit\u00e4t des Alltags schon untergegangen, es geht um den Einzelnen und die Einzelne, und ob und wie sie es schaffen, mit dem Hereinstr\u00f6men der Fl\u00fcchtigen umzugehen, den Fremden, die gar nicht bei uns sein wollen, sondern zuhause, wo es das meist nicht mehr gibt. F\u00fcr alle wie immer ein &#8222;Be here now&#8220; mit gro\u00dfz\u00fcgig flutendem Sonnenlicht. Im Wald leuchten die Himbeeren, auch unsere schwarzen Johannisbeeren sind schon reif.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich mit der Pinselung dieses Bildes fertig war, musste ich herzlich lachen.\u00a0 H\u00e4tte man mir den staatlichen Auftrag erteilt, die psychische Momentaufnahme &#8222;der Deutschen&#8220; bildlich darzustellen, h\u00e4tte ich den Ausdruck vor lauter Anstrengung wahrscheinlich nicht so passend hingekriegt. 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