{"id":5524,"date":"2018-06-21T08:28:11","date_gmt":"2018-06-21T08:28:11","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5524"},"modified":"2018-06-21T08:31:37","modified_gmt":"2018-06-21T08:31:37","slug":"erweitern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=5524","title":{"rendered":"erweitern"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5525\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180620_194241-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"284\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180620_194241-231x300.jpg 231w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180620_194241-768x997.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180620_194241-789x1024.jpg 789w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180620_194241.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 284px) 100vw, 284px\" \/><\/p>\n<h5>Dieses Graffiti-Bild habe ich gestern in einer kleinen Unterf\u00fchrung auf dem Weg zu meinem Grundst\u00fccktermin gemacht. Es kurbelte auf einerseits humorvolle, aber auch pr\u00e4zise Weise meine momentane Einstellung zu pers\u00f6nlichen Geschichten an, denn ich sehe immer mal wieder die \u00c4hnlichkeit zwischen pers\u00f6nlichen Geschichten und antiken Dramen, wo man die DarstellerInnen gerne Helden und Heldinnen nennt, w\u00e4hrend man die eigene Geschichte ja meist weniger als eine abenteuerliche Heldenreise wahrnimmt, obwohl Bedrohungen und Hindernisse und unerwartete Schicksalsschl\u00e4ge permanent nicht nur lauern, sondern sich tats\u00e4chlich auch als Trag\u00f6dien entfalten und zeigen. So war ich gestern zu Gast bei sehr angenehmen Freunden meiner Mutter und merkte u.a. in den angeregten Unterhaltungen, dass ich mich mit Menschen unterhalte, die meine Mutter kannten und sie sch\u00e4tzten, und f\u00fchlte mich manchmal in kurzen Momenten wie eine Tochter. Oder es war eher so, dass ich mich in Gedanken meiner Mutter gegen\u00fcber wie eine Fremde f\u00fchlte, die auf einmal, wie vom Blitz des Zeus getroffen, Tochter wurde. Einmal sagte ich zu meiner Mutter, es war als Kompliment gemeint, dass ich sie nicht besuchen w\u00fcrde, weil sie meine Mutter ist, sondern weil ich sie mag. Sie war emp\u00f6rt und erkl\u00e4rte mir deutlich, dass sie immer meine Mutter sein w\u00fcrde. Damals entging mir, dass ich auch auf einer bestimmten Ebene immer Tochter sein w\u00fcrde. Es geht ja zum Gl\u00fcck nicht darum, dass ich mich vom Kopfsch\u00fctteln anderer Menschen abhalten lassen muss, meine Empfindungen in Worte zu fassen, da sie nur \u00fcber diesen Weg zum Bewusstsein gelangen. Als ich in diesem Kontext mal pers\u00f6nlich dar\u00fcber reden konnte durch eine konkrete Verbindung, konnte ich schon sp\u00fcren, dass da ein Schmerz mitlief als Gef\u00fchl, aber dass ich auch aus meinem eigenen, als gelungen und stimmig erlebtem Leben eine nat\u00fcrliche Distanz dazu sp\u00fcrte. Meine Mutter war ein freier Geist, es fehlte ihr am Interesse des Mutterdaseins. Ich konnte dadurch nicht wirklich einen Schaden feststellen. Es ist sicher f\u00fcr eine Tochter von Bedeutung, gerade von der Mutter als getrenntes Wesen wahrgenommen und auch daf\u00fcr geliebt zu werden. Wenn ich in Indien der Mutter meiner Freundin Lali mal vermitteln m\u00f6chte, was sie da f\u00fcr eine pr\u00e4chtige Tochter hat, versteht sie nicht, von was ich rede. Sie hat eine geradezu verbl\u00fcffende Blindheit ihrer Tochter gegen\u00fcber und sieht sie vermutlich als so etwas wie eine automatische Verl\u00e4ngerung von ihr. Lali kam auch, wie \u00fcblich, nur durch Heirat von der Mutter weg. Da die Mutter den Ehemann der Tochter w\u00e4hlt, ist es unangenehm, wenn da, wie bei Lali, etwas schiefgeht, wof\u00fcr sie, die Tochter, verantwortlich gemacht wird. Es ist eine Schande, nach Hause zur\u00fcckzukehren, weil man es nicht (wie die Mutter) richtig gemacht hat. Da war ich doch sehr frei, auch wenn ich nicht wei\u00df, was und ob mir meine Mutter anderes gew\u00fcnscht h\u00e4tte, als ich selbst gew\u00e4hlt habe. Sie hatte reichlich Grund, besorgt zu sein, aber vielleicht war sie es auch nicht. Wenn man sich dann mehr in fremden L\u00e4ndern als im eigenen Land aufh\u00e4lt, entstehen weitere Gef\u00fchle, die jeweils unterschiedlich gedeutet werden. Das war eines der Themen, die gestern am Tisch auftauchten: was ist &#8222;Realit\u00e4t&#8220;. Oder dieses Buch, das ich hier herumliegen habe mit dem Titel &#8222;Wie wirklich ist die Wirklichkeit?&#8220; Die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der wir mit Begriffen oft umgehen, kann sich nur dadurch erweitern, dass wir erkennen, dass fast alles, was wir selbst als &#8222;real&#8220; bezeichnen, von anderen anders erfahren wird, wo man durch die pl\u00f6tzlich auftauchende Komplexit\u00e4t des Themas auch mal ins Staunen geraten kann. Ich denke, es ist immer f\u00f6rderlich, die eigenen Weltordnung gro\u00dfz\u00fcgig und so angstfrei wie m\u00f6glich zu erweitern.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Graffiti-Bild habe ich gestern in einer kleinen Unterf\u00fchrung auf dem Weg zu meinem Grundst\u00fccktermin gemacht. 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