{"id":5439,"date":"2018-06-08T08:37:55","date_gmt":"2018-06-08T08:37:55","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5439"},"modified":"2018-06-08T14:47:55","modified_gmt":"2018-06-08T14:47:55","slug":"drama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=5439","title":{"rendered":"Drama"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5440\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180607_192412-239x300.jpg\" alt=\"\" width=\"303\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180607_192412-239x300.jpg 239w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180607_192412-768x965.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180607_192412-815x1024.jpg 815w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180607_192412.jpg 853w\" sizes=\"auto, (max-width: 303px) 100vw, 303px\" \/><\/p>\n<h5>Dass mir das einmal so gleich-g\u00fcltig im urspr\u00fcnglichen Sinn des Wortes sein w\u00fcrde, ob ich schon einmal da war oder nach dem, was ich jetzt bin, noch einmal erscheinen werde, h\u00e4tte ich mir sicherlich zu einer anderen Zeit nicht vorstellen k\u00f6nnen. Man muss ja, vor allem im Westen, ganz sch\u00f6n ackern allein um das Dreieck Vater\/Mutter\/Kind herum. Die ziemlich geniale Handhabung dieser Problematik durch die Hindus hat mich damals, als ich ankam, ziemlich beeindruckt. Morgens aufstehen und zuerst die F\u00fc\u00dfe der Mutter und des Vaters achtungsvoll ber\u00fchren und ihnen danken, das war hier bei uns leider nicht drin. Erst der Krieg, dann das L\u00f6sen von gewissen Zwanghaftigkeiten der Kultur, vom Unbehagen in ihr undsoweiter. Das riesige Kollektivbeil der Selbstzerst\u00f6rung niedergelassen auf das Poetenvolk, die hochkar\u00e4tig intellektuell Ausger\u00fcsteten bei der Flei\u00dfarbeit des Gaskammer-Systems. Gut, irgendwann ist einmal alles bzw. vieles durchgegr\u00fcbelt. Doch ist es? Wenn das Individuum realisiert, dass es das einzige Wesen ist, das das ungeteilte, also individuelle Ich (oder Selbst) verstehen\u00a0 und darauf, was es ist, Antwort geben kann, dann bringt das sicher eine gewisse Freude hervor, sich selbst gr\u00fcndlich kennen zu lernen, vermutlich das einzige wilde Abenteuer, bei dem man alles erleben kann, was das Herz begehrt, und was es nicht begehrt. Klar, das Paket ist in gewisser Weise von Anfang an geschn\u00fcrt. Wer war denn nur der Papa. Viele Papas werden ja durch Dasein auch nicht viel greifbarer. Ich h\u00e4tte wirklich Grund, mich zu gr\u00e4men, dass nur er, mein Vater, mich kannte und nicht ich ihn, da der kriegerische Abgrund ihn zuletzt doch noch holte. F\u00fcr den Weg zur\u00fcck, zumindest an einige brissante Stellen, habe ich mir \u00fcber eine glaubw\u00fcrdige Empfehlung dann doch noch Unterst\u00fctzung geholt. Das war gut. Ich denke ungern und selten an das deutsche Volk als ein Volk von Traumatisierten, aber es gibt Momente, wo ich diese Sicht auch mal zulasse. Ich denke allerdings, man untersch\u00e4tzt gerne den Umfang der Substanz dessen, mit was man bei der Geburt angetreten ist. Man kann es ja, egal wie es geartet ist, nicht anders wahrnehmen als das eigene Schicksal mit all seinen Kontrasten und Widerst\u00e4nden und den beiden extremen Seiten jedes Systems, die auf bewusste oder unbewusste Weise in die Harmonisierung dr\u00e4ngen, was gern die Suche nach dem Gl\u00fcck genannt wird. Nun steht man sich im Wege. Wer soll r\u00e4umen? Aufr\u00e4umen? Wer macht es gerne, und wer hat es nie gelernt, ja, auch nicht lernen m\u00fcssen, denn so weit ich sehen kann, wird zumindest niemand, den ich grad kenne, gezwungen. Wer soll zwingen? Wem oder was unterliegt das Zwanghafte? In dem indischen Dorf, wo ich einige Monate im Jahr lebe, sind die Menschen eigentlich auch ziemlich frei, zumindest werden sie nicht geknebelt von einem Diktator (obwohl ich pers\u00f6nlich Narendra Modi f\u00fcr einen verschleierten Diktator halte, der sehr wohl subtil knebelt), aber so im t\u00e4glichen Leben herrscht das \u00dcbliche: viel Stress und Arbeit und Kreditbelastung und nat\u00fcrlich der helle Wahnsinn an magischer Zwanghaftigkeit all den Ritualen gegen\u00fcber, die das Leben des Hindus durchdringen. Auf die digitale Revolution waren vielleicht die Inder im Silicon Valley vorbereitet, aber nicht der Rest der indischen Bev\u00f6lkerung. Alles ist noch da: die Irren, die Armen, das Plastik, die K\u00fche, aber nun hat niemand mehr Zeit, sich zu k\u00fcmmern. Wenn der Strom ausf\u00e4llt, geht das Land in die Kniee und bittet um Welan. Eigentlich werden Therapeuten gebraucht. Menschen, die gelernt haben, anwesend zu sein und sich auf ein Gegen\u00fcber einstellen zu k\u00f6nnen, ohne dass das eigene Drama st\u00e4ndig im Weg steht. Gleichzeitig in der Verfeinerung des Menschseins aktiv zu bleiben. In einer der wenigen Anekdoten, die mir von meinem Vater (glaubw\u00fcrdig) \u00fcberliefert wurden, soll er des \u00f6fteren, mit dem dazugeh\u00f6rigen Humor, die Frage gestellt haben; Wer kennt sich selbst? Das ist eine gute Frage, wenn man das ins Au\u00dfen gerichtete Auge zum eigenen Inneren lenkt und sich am gr\u00fcndlichen Einsatz erfreut. In der television\u00e4ren Abenteurstunde.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass mir das einmal so gleich-g\u00fcltig im urspr\u00fcnglichen Sinn des Wortes sein w\u00fcrde, ob ich schon einmal da war oder nach dem, was ich jetzt bin, noch einmal erscheinen werde, h\u00e4tte ich mir sicherlich zu einer anderen Zeit nicht vorstellen k\u00f6nnen. Man muss ja, vor allem im Westen, ganz sch\u00f6n ackern allein um das Dreieck [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5439","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5439","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5439"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5439\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5449,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5439\/revisions\/5449"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5439"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5439"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5439"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}