{"id":5419,"date":"2018-06-06T08:38:59","date_gmt":"2018-06-06T08:38:59","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5419"},"modified":"2018-06-06T08:43:53","modified_gmt":"2018-06-06T08:43:53","slug":"trauern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=5419","title":{"rendered":"trauern"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5420\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180605_200608-297x300.jpg\" alt=\"\" width=\"297\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180605_200608-297x300.jpg 297w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180605_200608-768x777.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180605_200608.jpg 865w\" sizes=\"auto, (max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5421\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180606_092740-300x123.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"123\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180606_092740-300x123.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180606_092740-768x315.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180606_092740-1024x420.jpg 1024w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/20180606_092740.jpg 1559w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<h5>Vor ein paar Jahren wurde ich einmal von einem Freund nach Guatemala eingeladen. Der Einladung ging eine tiefe \u00dcberwindung voraus, und es gab zwei Gr\u00fcnde, die mich dann vor allem zur Reise bewegten: ich wollte sehen, vor was ich mich f\u00fcrchtete, wenn ich an S\u00fcd-oder Mittelamerika denke bzw dachte, und es gibt einen Jaguar-Tempel dort, den ich unbedingt sehen wollte, aber ich kam wegen der \u00dcmst\u00e4nde nie hin. Alles kam mir vor wie wenn ich mich in einer Geschichte von J.L.Borges bewegte, \u00fcberall Einfaches, geh\u00fcllt in Undurchdringlichkeit. Es gab viel Gutes, aber auch viel guten Grund zum F\u00fcrchten. Seltsam, dass ich auf den Treppen der schneewei\u00dfen Kirchen \u00f6fters mal Blutstr\u00f6me sah. Das R\u00f6misch-Katholische schien irgendwie gar nicht zu den Indianern zu passen, sondern kam mir vor wie ein Gef\u00e4ngnis der Mayakultur. Bevor eine gigantische Katastrophe ausbrach, hatte ich eines der sch\u00f6nsten menschlichen Erlebnisse in meinem Leben. Ich wohnte in der N\u00e4he des beeindruckenden Atitl\u00e0n Sees und machte mich eines Morgens auf, um mit einem Boot etwas darauf herumzufahren. An einem Ufer lockten die aufdringlichen Bootsbesitzer mit den \u00fcblichen Touristen-Phrasen. Da entdeckte ich ein kleines, simples Ruderboot, auf das nur ungef\u00e4hr zwanzig Menschen auf schlichten Holzb\u00e4nken Platz hatten. Der Ruderer zeigte auf die anderen Boote, aber ich setzte mich durch. Da fuhren wir dahin, leise und schweigsam, und lie\u00dfen uns von dem ruhigen Dahinpl\u00e4tschern treiben. Da merkte ich, dass wir irgendwie alle im selben Rhythmus sa\u00dfen. Wir schauten hierhin und dorthin, wo es etwas zu sehen gab, einen Vogel, ein Haus, Menschen am Ufer, und unsere K\u00f6pfe bewegten sich immer in die gleichen Richtungen, wie ein choreographiertes Ballett. Eine tiefe Liebe erfasste mich zu diesen Menschen. Wie sch\u00f6n und ernst sie waren. Die M\u00e4nner trugen gestreifte Hosen, wei\u00dfe Hemden und schwarze Jacken, eine Frau trug einen Sonnenhut, der war aus unendlich vielen Metern von Band gelegt, immer im Kreis, sodass man dieses Gebilde, einmal auf dem Kopf, nach unten dr\u00fccken konnte, wo immer es Sonnenschutz brauchte. Noch heute kann ich die Verbundenheit sp\u00fcren, die ich mit ihnen auf so nat\u00fcrliche Weise hatte. Es ging ein Schweigen von ihnen aus, auf dessen Grund viele unerz\u00e4hlte und wenig geh\u00f6rte Geschichten lagerten in einer bodenlosen Tiefe, die den Worten nicht mehr zug\u00e4ngig war. Mein Freund hatte auch einen Diener, ohne den er nicht leben konnte, Juan, der war auch so. So still und von einer G\u00fcte beseelt, die ich auch in Indien nur von den \u00c4rmsten kenne. Dann brachen eines Tages, es war kurz vor meiner R\u00fcckreise, die Unwetter aus, es sch\u00fcttete ununterbrochen, H\u00e4nge bewegten sich talw\u00e4rts, 24 Br\u00fccken\u00a0 brachen ein, es gab keine Stra\u00dfe mehr, auf der man sich gefahrlos bewegen konnte. Die Mauern des Gartens schienen sicher, dann floss das Wasser \u00fcber sie hinweg und sammelte sich unter den Fenstern, und stieg und stieg. Dann h\u00f6rte es pl\u00f6tzlich auf. Jetzt musste ich an all das denken, als ich von den Vulkanausbr\u00fcchen h\u00f6rte. Sehr arme Menschen, die sich dort in der N\u00e4he des Vulkans angesiedelt hatten. Ach, sagte der Sprecher der Regierung, es gab wohl Aschewolken undsoweiter, aber man ahnte nicht die Dringlichkeit einer Evakuierung. Ein hei\u00dfer Lavastrom ergie\u00dft sich \u00fcber die D\u00f6rfer und \u00fcber die Menschen. 200 von ihnen werden noch vermisst. Wei\u00df \u00fcberhaupt jemand, wie viele da gelebt haben? Dann geht es schnell weiter. Bundestagssitzung. Fu\u00dfball. Klar, was sonst, alles geht einfach immer weiter. Ich brauche manchmal auch Worte f\u00fcr mein eigenes Innehalten. Einen Raum f\u00fcr die Trauer, die mit dem Menschsein einhergeht.<\/h5>\n<h5><\/h5>\n<h5><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ein paar Jahren wurde ich einmal von einem Freund nach Guatemala eingeladen. 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