{"id":5350,"date":"2018-05-26T08:07:01","date_gmt":"2018-05-26T08:07:01","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5350"},"modified":"2018-05-26T08:13:40","modified_gmt":"2018-05-26T08:13:40","slug":"wirklich-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=5350","title":{"rendered":"wirklich"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5322\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180522_104627-300x294.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"294\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180522_104627-300x294.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180522_104627-768x752.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180522_104627.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<h5>Nun sage ich besser gleich, dass das kein Engel ist, obwohl: wer sagt, was ein Engel ist oder nicht, wenn ich ihn sehe, aber auf dem Bild ist es nicht wirklich ein Engel (oder ein Vogel), denn es ist ein zerkn\u00fclltes Taschentuch auf dem Deckel meines Papierkorbes. Ich sch\u00e4tze tats\u00e4chlich jede Gewahrsams\u00fcbung, denn einerseits kann es sehr sch\u00f6n sein, in einer Beugung des Bettzeugs ein griechisches Profil zu erkennen, aber es sagt auch etwas \u00fcber einen Aspekt der menschlichen Wahrnehmung aus, der ziemlich ungem\u00fctlich werden kann, wenn man bedenkt, wie viel man sieht und h\u00f6rt von dem, was gar nicht da ist. Vielleicht sind so die Worte Nach-Denken und Nach-Sehen usw entstanden, damit man lernt, nochmal genauer hinzuschauen, ob die Dinge wirklich so sind, wie sie mir erscheinen. Wie mir die Dinge selbst erscheinen, ist ja meine Sache, und nichts spricht dagegen, dass ich sie gerne mitteile, oder gerne auch die Wahrnehmungen anderer teile, die sie mir weitergeben. Nur vergessen wir (zu) oft, dass nicht nur die meisten Menschen ihr Wahrgenommenes als das betrachten, was es auch f\u00fcr die anderen ist, sondern wir vergessen, dass wir vor allem in Gesellschaften wie unserer, wo geschliffenes und reflektiertes Denken wertgesch\u00e4tzt wird, alles Denken genau von den vielen Bedingungen dieser Gesellschaft gepr\u00e4gt ist, also woanders als solche Wirklichkeit gar nicht vorkommt. Es gibt ja diese Anekdote \u00fcber ein Experiment, bei dem in einem kleinen afrikanischen Dorf den BewohnerInnen der Film einer Stra\u00dfe in New York gezeigt wurde, und sie sahen alle das gleiche aus ihrer eigenen Welt und lachten herzlich, denn sie sahen alle H\u00fchner. Das Auge und das Ohr holen sich heraus, was sie zu sehen und zu h\u00f6ren glauben und halten es f\u00fcr die bestehende Wirklichkeit. Wenn ich in Indien bin, treffe ich auf so viele Menschen, denen ich und ihrer Familie von Herzen eine\u00a0 gute therapeutische Behandlung w\u00fcnschen w\u00fcrde, aber was habe ich nicht alles von den Formen des Wahnsinns dort gelernt von Menschen, die man keine Minute hier in ihrem Zustand auf der Stra\u00dfe geduldet h\u00e4tte. Sie wurden einfach von allen beobachtet und weitergeleitet, und die meisten zeigten sich harmlos und sind auch heute noch unterwegs. Wissen kann auch lebensvernichtend sein, wenn zu viele \u00c4hnlichkeiten zwischen mir und den Anderen gesucht werden, bei allem Erkennen einer gemeinsamen Quelle jenseits aller vorhandenen Weltanschauungen. Wenn das immer illusion\u00e4re Bild der Welterscheinung tats\u00e4chlich nur durchdrungen werden kann durch eine Art der Selbstbetrachtung, die das eigene Sein als das einzige Forschungslabor sieht, in dem man selbst der Zeuge des Weltgeschehens ist mit einem gewissen Anspruch an Wahrheitsgehalt, dann kommt man notgedrungenerweise zu der Erkenntnis, dass es so ist, wie es ist, und lockert die Riemen des Anspruchs an den Wahrheitsgehalt.\u00a0 Man betrachtet leicht erm\u00fcdet die Vielzahl der Meinungen, die man sich aneignen zu m\u00fcssen glaubte, als hinge das eigene Wesen von ihnen ab und k\u00f6nnte nicht einfach den eigenen Augen trauen. Eben. Man muss lernen, bis man ihnen trauen kann zu erkennen, was jeweils wirklich da ist, und nicht, was man selbst oder was andere daraus machen wollen. Es ist die Kunst, die uns in die Erweiterung der Wahrnehmung f\u00fchrt, und genau zu dem Ort, an dem alle Deutungen durchwandert sind, und das begrenzt und grenzenlos Deutbare sich dem entgeisterten Geist offenbart, der nun lernt, sich im Genuss der Deutungsfreiheit zu bewegen.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun sage ich besser gleich, dass das kein Engel ist, obwohl: wer sagt, was ein Engel ist oder nicht, wenn ich ihn sehe, aber auf dem Bild ist es nicht wirklich ein Engel (oder ein Vogel), denn es ist ein zerkn\u00fclltes Taschentuch auf dem Deckel meines Papierkorbes. 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