{"id":5333,"date":"2018-05-24T07:16:33","date_gmt":"2018-05-24T07:16:33","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5333"},"modified":"2018-05-24T09:00:56","modified_gmt":"2018-05-24T09:00:56","slug":"sturzbetroffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=5333","title":{"rendered":"sturzbetroffen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5334\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180523_173915-216x300.png\" alt=\"\" width=\"321\" height=\"446\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180523_173915-216x300.png 216w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180523_173915.png 639w\" sizes=\"auto, (max-width: 321px) 100vw, 321px\" \/><\/p>\n<h5>Als ich mich vor vielen Jahren entschlossen hatte, mich auf eine ernsthafte Meditations-Ausbildung einzulassen, oder vielleicht sollte ich lieber sagen: als ich mich entschlossen hatte, mich ernsthaft auf eine meditative Praxis einzulassen, da war klar, dass es in Indien meist mit &#8222;Brahmacharya&#8220;, also dem Z\u00f6libat, verbunden war und ist. Es machte keinerlei Eindruck auf mich, da ich mich zwei Jahre vorher aus schwer beschreibbaren Gr\u00fcnden von einem sehr gesch\u00e4tzten Menschen verabschiedet und getrennt\u00a0 hatte und der Ansicht war, daraus einen g\u00fcnstigen Moment zu erschaffen, um die doch oft sehr komplexen Auswirkungen intensiver k\u00f6rperlicher N\u00e4he in eine geistige Entspannung zu f\u00fchren. In allen Religionen, wo unter anderem diese Art von Enthaltsamkeit gepriesen oder gepredigt wird, h\u00e4lt man das glaubw\u00fcrdige Aufrechterhalten der enthaltsamen Disziplin f\u00fcr eine Meisterleistung. Einmal war ich in einer Versammlung von sehr vielen Meditierenden und fand es schlicht und einfach angenehm, davon ausgehen zu k\u00f6nnen, dass\u00a0 Blicke nicht missverstanden werden konnten, da die Vereinbarungen klar waren. Da f\u00e4llt mir der Satz aus der Gita ein,\u00a0 dass (nur) das Entsagen wunscherzeugter Taten von den Weisen Entsagen genannt wird. Nun k\u00f6nnen in solchen R\u00e4umen, wo etwas quasi verboten wird oder g\u00e4nzlich unvereinbar gesehen wird mit den Disziplinen, viele W\u00fcnsche erzeugt werden, sodass man schon staunen kann, dass aus allen Ecken und Enden die Skandale qualvoll hervorquellen, so, wie sie zu allen Zeiten hervorgequollen sind. Der Begriff &#8222;Freiheit&#8220; ist wohl einer der Begriffe, die am tiefsten verstanden werden m\u00fcssen. Er hat zwar ziemlich wenig mit Moralvorstellungen zu tun, vor allem nicht als auferlegter W\u00fcrgegriff, aber er hat sehr viel mit ad\u00e4quaten Entscheidungen zu tun, die meiner pers\u00f6nlichen Vorstellung von Reifung entsprechen. Ich war jetzt nicht sonderlich geschockt, als die d\u00fcsteren Details von Sogyal Rinpoches Leben ans Tageslicht kamen, denn ich hatte ihn in Delhi im Rigpa Center erlebt, wo ein alter Freund von mir irgendwann zu seiner rechten Hand mutiert war. Da Mauro schwul ist und seinen Geliebten mit Wissen von Rinpoche in den buddhistischen Betrieb eingeschleust hatte, war es eher f\u00fcr mich einer der positiven Z\u00fcge seines\u00a0 Lehrers, damals nicht ahnend, zu was (d)er wirklich in der Lage war. Jetzt (lese ich in der Zeitung) befragten Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen eines buddhistischen M\u00f6nches den lehrenden Meister, wie er zu seinem jahrelangen Missbrauch von Anvertrauten stehen w\u00fcrde, und er fand viele nicht einleuchtende Klugheiten, die man manchmal in diesen Kreisen gerne &#8222;crazy wisdom&#8220; nennt, das gilt nat\u00fcrlich nur f\u00fcr den Lehrer. Manchmal kommen einem so Erinnerungen und Nachgedanken aus der eigenen Lehrzeit. Das Gemunkle ging immer um Sex oder nicht Sex, und viele Yoga-Lernende aus dem Westen waren der Meinung, dass das Thema etwas d\u00fcrftig behandelt wurde, w\u00e4hrend wir Westler lange Zeit als d i e gehandelt wurden, vor denen man besser den Blick senkt, weil wir angeblich nichts anderes im Kopf haben. Nun sind vielleicht einige M\u00f6nchsk\u00f6pfe dran, das kann nicht schaden. Es ist ja nicht der Sex, den man ihnen nicht g\u00f6nnt, sondern der Missbrauch unter religi\u00f6sen Vorzeichen, der hier ans Licht muss. Man sagt dann oft von den Sch\u00fclern, dass sie bedr\u00f6ppelt sind und noch ganz benommen von der vielen Achtung dem gerade noch Ehrenwerten gegen\u00fcber, aber auch Yoga ist keine Garantie f\u00fcr Klarsicht. Das kommt mir gerade vor wie so ein Nebenzweig der Me too (Die auch) Debatte, die aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden am Abebben ist, denn auch hier beginnen sich bei aller Wichtigkeit des Themas die Ungereimtheiten zu h\u00e4ufen, wie k\u00f6nnte es anders sein. Immerhin war und ist Nach -und Selbstdenken f\u00fcr alle m\u00f6glich. Dann kommen diese Nachwehen wie die Geheimnisse um Stefan George samt Nachfolger mit den erlesenen J\u00fcnglingstruppen, oder die weiterhin dunklen Machenschaften im Vatikan, die auch durch Forschungen von Journalisten nicht heller werden. Um das Hellsein muss man sich wohl selbst k\u00fcmmern. Um das Verborgene. Um das Verlogene. Um den Umgang mit einer Freiheit, die nicht automatisch aus Anderen Sklaven macht, deren Menschsein man f\u00fcr eigene Zwecke nutzen kann. Um die Sturzbetroffenheit, die einen im Angesicht der Fakten ergreifen kann.<\/h5>\n<p>Das Wort &#8222;sturzbetroffen&#8220; ist leider nicht von mir, sondern ich habe es mal aus der &#8222;Zeit&#8220; herausgeschnitten, weil es den notwendigen Schluck Humor in der Tiefe der Betroffenheit zul\u00e4sst. Dann habe ich noch diesen kleinen Fetzen Papier bei mir gesehen, den ich neulich auf meinem Weg aufgelesen habe&#8230;.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-5340\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180524_105318-300x214.jpg\" alt=\"\" width=\"428\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180524_105318-300x214.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180524_105318-768x547.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180524_105318-1024x730.jpg 1024w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180524_105318.jpg 1513w\" sizes=\"auto, (max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich mich vor vielen Jahren entschlossen hatte, mich auf eine ernsthafte Meditations-Ausbildung einzulassen, oder vielleicht sollte ich lieber sagen: als ich mich entschlossen hatte, mich ernsthaft auf eine meditative Praxis einzulassen, da war klar, dass es in Indien meist mit &#8222;Brahmacharya&#8220;, also dem Z\u00f6libat, verbunden war und ist. 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