{"id":5188,"date":"2018-05-05T06:12:55","date_gmt":"2018-05-05T06:12:55","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5188"},"modified":"2018-05-05T06:14:01","modified_gmt":"2018-05-05T06:14:01","slug":"aus-versehen-verhoeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=5188","title":{"rendered":"aus Versehen verh\u00f6ren"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5189\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180505_060008.png\" alt=\"\" width=\"258\" height=\"282\" \/><\/p>\n<h5>Wie schnell kann man sich verh\u00f6ren oder versehen, und merkt es meist gar nicht, denn auch zum H\u00f6ren und Sehen geh\u00f6ren bestimmte Bedingungen und Eigenschaften. Auch ist das fl\u00fcchtige Ohr und das schweifende Auge nicht unbedingt etwas, das man ablegen muss, denn st\u00e4ndig fordert das eigene System von einem, bestimmte Entscheidungen zu treffen, die vom Willen gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Wann will ich etwas h\u00f6ren und wann nicht? Wann will ich genauer hinschauen, und wann erm\u00fcdet der Blick, weil das Gesehene nicht anspricht oder resoniert. Eigentlich ist man mit dieser subtilen Akrobatik st\u00e4ndig besch\u00e4ftigt. Als Kind schon lernt man solche K\u00fcnste, die oft mit Schrecken verbunden sind. Man lernt das Wegh\u00f6ren und erleidet den Mangel an Geh\u00f6rtwerden. Manchmal sieht man M\u00fctter, die beim Kinderwagenschieben mit ihrem Handy besch\u00e4ftigt sind. Es ist ja nicht so, dass das Kind st\u00e4ndig betrachtet werden muss, aber beim Beobachten solcher Neuheiten kann sich ein unwohles Gef\u00fchl einschleichen, denn Mutter und Kind gehen nicht mehr durch dieselbe Welt. Menschen mit Ohrst\u00f6pseln sind allgegenw\u00e4rtig geworden. Als dieses woanders Hinh\u00f6ren in Indien anfing, hat mich manchmal interessiert, was sie denn da so h\u00f6ren. Beim morgendlichen Gang um den See sind es oft Mantren, die ins Ohr rezitiert werden. Man erhofft hier wohl eine direkte Transzendenz. Das ist sehr tricky, denn man h\u00f6rt die stattfindenden Ger\u00e4usche nicht mehr, was immer h\u00e4ufiger dazu gef\u00fchrt hat, dass Menschen \u00fcberfahren werden, weil sie das Hupen oder den heranfahrenden Zug nicht geh\u00f6rt haben. In den Workshops der Welt ging es viel um das Wesen des Zuh\u00f6rens, und TeilnehmerInnen kamen nach Hause und \u00fcbten eine Weile an oder mit ihren Partnern. Ist der Andere nicht im selben Kurs, wird es schwierig. Klischeehaftes Verhalten ist durchaus Norm. Man will geh\u00f6rt und gesehen werden. Essere es percipi. Langsam merkt man, wie komplex das alles ist. Wie tief und authentisch ist das Interesse am Anderen. Will man denn wirklich wissen, was sie so sagen, die Gegen\u00fcbersitzenden, und wie wei\u00df man, wer sie sind? In manchen Ohren kann ein tieferes Interesse klingen wie ein Verh\u00f6r, wenn man nicht gewohnt ist, sich auch mal ernsthaft einzulassen, um der Fl\u00fcchtigkeit eine Grenze zu setzen. Gestern h\u00f6rte ich aus dem Freundeskreis eine kleine, simple Geschichte , in der eine Frau w\u00e4hrend eines offiziellen Dinners mit ihrem unbekannten Tischnachbarn ein so angeregtes und langes und intensives Gespr\u00e4ch f\u00fchrte, dass sie sich am n\u00e4chsten Tag bei ihm meldete, um zu sehen, wie es nun weitergehen w\u00fcrde. Er sagte, er wolle nie mehr mit ihr reden, denn sie w\u00fcrde alles nur negativ sehen. Sie war so entsetzt, dass sie ein Buch dar\u00fcber schrieb, das ich vermutlich nicht lesen werde, denn die kleine Anekdote sagt schon viel aus. Was um Himmels Willen war geschehen? Wir k\u00f6nnen niemals wissen, was im Anderen vor sich geht, auch wenn wir uns als Top-Menschenkenner empfinden. Erst wenn wir selbst bestimmte Erfahrungen in uns wahrnehmen und sie aussprechen, ist der Andere, wenn er kann und will, bef\u00e4higt, seine eigene Wahrnehmung dazu kund zu tun. Wenn das stattfinden kann, sind wir schon fast im Garten der Freundschaft, wo Ehrlichkeit und Offenheit gesch\u00e4tzt werden, und die Angst voreinander durch erworbenes oder gew\u00e4hrtes Vertrauen gemindert und gelindert ist. Wie lange es dauert, bis wir wirklich begreifen, dass jeder Mensch bei allen garantierten \u00dcbereinstimmungen eine vollkommen andere Welt sieht als ich selbst, und dass dieses Anderssein der Grund und Anlass sein kann f\u00fcr eine erh\u00f6hte Aufmerksamkeit und eine Bereitschaft, \u00fcber das eigene Sehen und H\u00f6ren Aussage zu machen, damit wir ein bestimmtes Ma\u00df des Verstehens und des Verstandenwerdens erreichen k\u00f6nnen, das uns aus der Isolation unseres Verh\u00f6rens und Versehens bringt und direkt in das Wunder der Vielfalt.<\/h5>\n<h5>Das Bild zeigt eine Lichtreflektion auf dem Fell unserer Katze.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie schnell kann man sich verh\u00f6ren oder versehen, und merkt es meist gar nicht, denn auch zum H\u00f6ren und Sehen geh\u00f6ren bestimmte Bedingungen und Eigenschaften. 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