{"id":5181,"date":"2018-05-04T09:13:30","date_gmt":"2018-05-04T09:13:30","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5181"},"modified":"2018-05-04T09:19:20","modified_gmt":"2018-05-04T09:19:20","slug":"nicht-sollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=5181","title":{"rendered":"(nicht) sollen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5182\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180503_184814.png\" alt=\"\" width=\"287\" height=\"394\" \/><\/p>\n<h5>Osman, ein Mann, den ich bei unserem hochgesch\u00e4tzten Automechaniker zuf\u00e4llig traf und der einen Freund hatte, der, so sagte er, an unserem alten Auto interessiert sein k\u00f6nnte, brachte diesen Interessenten tats\u00e4chlich zu uns, und es kam zu einem zufriedenstellenden Ausgleich. Da Herr Osman mich mit &#8222;Frau Sybil&#8220; vorstellte und ansprach, erkl\u00e4rte ich, Sybille sei mein Zweitname, und eigentlich hie\u00dfe ich Kalima. Das erweckte sofort ein gewisses, religi\u00f6ses Interesse in ihm, denn er war Muselmane und freute sich besonders dar\u00fcber, dass ich mich erinnerte, selbst einmal das Wort &#8222;Kalima&#8220; in einer Moschee gelesen zu haben und zu erfahren, dass es ein Name ist f\u00fcr die 5 Glaubensbekenntnisse des Islam. Immer froh, mal wieder einige positive Erinnerungen religi\u00f6ser St\u00e4tten in Erinnerung zu rufen, konnte ich die Sufi Dichter preisen und \u00fcberhaupt, schade, dass der Islam gerade so einen schlechten Ruf hat, was soll man machen. Ja, was soll man machen. Zum Beispiel dar\u00fcber nachdenken, was sich die Gr\u00fcnder und die Erhalter\u00a0 der Religionen alles ausgedacht haben, um den autorit\u00e4tshungrigen\u00a0 Menschen d i e Gesetze zu geben, die ihnen das Herdendasein erleichtern, bzw. das angstdurchtr\u00e4nkte Alleinsein in eine gemeinsame Ordnung\u00a0 lenken. Die Gesetze bestehen haupts\u00e4chlich aus Sollen und Nicht-Sollen. Du sollst die Ungl\u00e4ubigen aus dem Wege r\u00e4umen. Du sollst nicht stehlen und nicht l\u00fcgen. Du sollst deinen ganzen Leib mit einem schwarzen Sargtuch umh\u00fcllen, damit dich drau\u00dfen keiner sieht. Du sollst nur Einem mit Haut und Haar geh\u00f6ren. Du sollst nur einen Gott haben. Du sollst nicht Zeugnis reden wider deinen N\u00e4chsten. Du sollst einen Giftbecher trinken, Sokrates, weil du das lehrst, was nicht gelehrt werden soll. An den Tieren soll experimentiert werden, an was der Mensch nicht sterben soll. Du sollst (hier schleicht sich schon das Muss ein) m\u00f6glichst jeden Tag was Neues kaufen, damit der ganze Apparat weiterlaufen kann. Du sollst den Gott f\u00fcrchten wie dich selbst. Du sollst gehorsam sein, damit du werden kannst, was du sein sollst. Deswegen, wenn mir\u00a0 manchmal in Indien eine Frau vermittelt, wie gut wir&#8217;s hier haben, wo alle frei sind, zu tun und zu lassen, was sie wollen, dann muss ich das notgedrungener Weise relativieren, denn gut, wir haben vielleicht eine gewisse Freiheit vom Sollen und M\u00fcssen, aber ganz sicherlich haben wir auch die B\u00fcrde der vorhandenen Freiheit. Jetzt soll ein Kreuz in allen \u00c4mtern h\u00e4ngen? Ja hallo, wer ist denn hier glaubw\u00fcrdiger Christ? Als ich mal meine Mutter fragte, ob sie an Gott glaubt, w\u00fchlte sich ein interessanter Vorgang in ihr hoch. Vielleicht auch ein leiser \u00c4rger, aus dem Kollektiv des automatischen Christen-Daseins herausgenommen zu werden und gar nicht zu wissen, wie es f\u00fcr einen ganz pers\u00f6nlich ist. Ein Gott? Der liebe Gott?, \u00fcber dem du keine anderen G\u00f6tter haben sollst. Heute habe ich beim Fr\u00fchst\u00fcck geh\u00f6rt, dass einst Mohammed eine eigene Glaubensgemeinschaft gr\u00fcnden wollte, in der alle Religionen integriert waren. Dann wollten die Juden nicht mehr mitmachen und Mohammed sagte, nun sollen alle Blicke der Gl\u00e4ubigen nur noch nach Mekka gerichtet sein. Nur noch auf Einen. Laaa Ilaaha Illa-IlaahuMuhammadur-Rasoolu-Ilaah. (Niemand ist anbetungsw\u00fcrdig au\u00dfer Allah und Mohammed ist sein Botschafter). (Das ist die erste Kalima) Letztes\u00a0 Jahr bei einem Treffen syrischer Poeten erz\u00e4hlte jemand die wahre Geschichte einer neu gebauten Toilette, die umgemodelt werden musste, nachdem potentielle und gl\u00e4ubige Lustm\u00f6rder &#8222;S\u00fcnde! S\u00fcnde!!&#8220; schrien, weil der Sitzende nach Mekka schaute. Du sollst auf dem Klo nicht in Richtung Mekka schauen. Das Sollen muss immer gen\u00fcgend einleuchten, damit die Aus\u00fcbung davon ein Gef\u00fchl der Zusammengeh\u00f6rigkeit erschafft und eine Abgrenzung gegen die Anderen hervorbringt, die was Anderes sollen. Und irgendwann sitzen alle im Trog des Sollens. Sollen wir (Deutsche), nach allem, was hier geschehen ist, wirklich Milliarden ausgeben f\u00fcr Waffen, die Andere vernichten k\u00f6nnen? Nein, sollen wir nicht, aber wir m\u00fcssen. Sonst pl\u00e4tten die uns doch mit Genuss, wenn es soweit ist. Trotzdem muss ich den Weg des freien Handelns nicht aufgeben. Solange ich hier bin, kann mich niemand au\u00dferhalb des Menschseins schieben. Ich bestimme selbst. Nur ich selbst kann bestimmen, was f\u00fcr ein Mensch ich in der Lage bin zu sein, und ob es meinen Anspr\u00fcchen an das Menschsein entspricht.<\/h5>\n<h5>Das Bild zeigt eine bek\u00fcmmert dreinblickende Gottheit.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Osman, ein Mann, den ich bei unserem hochgesch\u00e4tzten Automechaniker zuf\u00e4llig traf und der einen Freund hatte, der, so sagte er, an unserem alten Auto interessiert sein k\u00f6nnte, brachte diesen Interessenten tats\u00e4chlich zu uns, und es kam zu einem zufriedenstellenden Ausgleich. 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