{"id":4777,"date":"2018-03-06T05:57:16","date_gmt":"2018-03-06T05:57:16","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=4777"},"modified":"2018-03-06T12:18:42","modified_gmt":"2018-03-06T12:18:42","slug":"ruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=4777","title":{"rendered":"Ruf"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4778\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/20180306_0651041-179x300.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/20180306_0651041-179x300.jpg 179w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/20180306_0651041-768x1287.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/20180306_0651041-611x1024.jpg 611w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/20180306_0651041.jpg 1055w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4779\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/20180306_1019481-300x191.png\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"132\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/20180306_1019481-300x191.png 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/20180306_1019481-768x490.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/20180306_1019481-1024x653.png 1024w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/20180306_1019481.png 1659w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><\/p><\/blockquote>\n<h5>Ein &#8222;Ruf&#8220; ist ein interessantes Ph\u00e4nomen. Man hat ihn meist unabh\u00e4ngig vom eigenen Selbstverst\u00e4ndnis. Er bildet sich aus den Erfahrungen der Menschen mit einer Person heraus, von der sie jeweils glauben, etwas mitbekommen zu haben, was sie zu einer mehr oder minder soliden Meinung berechtigt. Als ich hier im Dorf ankam, war ich eine der ersten Fremden und auch noch Frau allein, die sich entschieden hatte, zu bleiben und Teil der Gesellschaft zu werden. Da ich meinen ersten \u00f6ffentlichen Auftritt als (Kali) T\u00e4nzerin hatte, war es sicherlich f\u00f6rderlich, wenig genug Hindi zu verstehen, um von den wilden Bewegungen meines Rufes etwas mitzubekommen. Als dieser &#8222;\u00d6ffentlichkeit&#8220; aber klar wurde, dass ich mich auf einer f\u00fcr sie nachvollziehbaren F\u00e4hrte befand, wurde ich darin ziemlich gut unterst\u00fctzt. Man brachte mich vom Verbrennungsplatz, wo ich mich niedergelassen hatte, um mein neues Leben zu gestalten, in einen Garten am See, wo derzeit ein Sadhu sa\u00df mit einem &#8222;guten Ruf&#8220;. Er war auch ein netter und harmloser Mensch, der t\u00e4glich laute Gespr\u00e4che mit Gott f\u00fchrte und ihn einen Schlingel nannte. Man hatte ihn beauftragt, mir alles N\u00f6tige beizubringen, was keine kleine Herausforderung f\u00fcr ihn war. Da ich dann voll besch\u00e4ftigt war mit lernen, wie man ein Feuer am Leben h\u00e4lt, Blumenknospen mit einem Faden zusammenn\u00e4ht, Kuhfladen mit Wasser gut vermischt und rings um den Feuerplatz auftr\u00e4gt, und wie man durch Aussortieren der groben Teile der Asche ehrgeizig die feinste Asche produziert usw, also sehr besch\u00e4ftigt war und klar in der Richtung meines Daseins, da nehme ich an, dass sich im Hintergrund auch mein Ruf wie von selbst gestaltete. Als mir die Sprache erm\u00f6glichte, einiges von den Fragen, die meistens pilgernde Hindus \u00fcber mich hatten (wer ist das? Und was macht die hier?), da war ich doch verbl\u00fcfft z.B.zu h\u00f6ren, ich w\u00fcrde Tag und Nacht die Zimbeln schlagen, obwohl ich noch nie eine Zimbel geschlagen hatte, oder ich h\u00f6rte, dass ich sehr sch\u00f6n Fl\u00f6te spielen k\u00f6nnte, davon hatte ich auch keine Ahnung. Ich versuchte ein paar Mal, die Dinge klar zu stellen, aber das war nicht sehr erfolgreich, denn hatte man nicht etwas Gutes \u00fcber mich berichtet? Was die Frauen in den H\u00e4usern betrifft, so geisterte ich l\u00e4nger als furchterregende Gestalt durch ihre Haushalte als eine, die rauchend mit M\u00e4nnern am Feuer sa\u00df und wer wei\u00df, was sie noch alles tat, obwohl ich da einiges &#8222;Schlimme&#8220; schon hinter mir hatte. Der Aufenthalt am heiligen Feuer mit seinem Drumherum wurde von mir ernsthaft und ausgiebig geliebt, das sickerte wohl in den \u00f6ffentlichen Raum, und der Tanz, mit dem ich noch ein paar Mal als Pflichtprogramm bei einem ihrer Feste auftreten musste, wurde nun als eine Darbietung an den Gott Shiva gesehen. In der Zwischenzeit sind viele Jahre vergangen, und da ich nun ganz meines eigenen Weges gehe, ohne viel zu st\u00f6ren, ja, eher die Freude des Daseins mit denen teile, die mir begegnen, interessiert es kaum mehr jemanden, an meiner Reputation zu kratzen. Nun wurde ich gestern mal wieder Zeugin einer Unterhaltung \u00fcber mich zwischen einem Brahmanen und einem M\u00f6nch, der wissen wollte anhand des freundlichen Gru\u00dfes, wer ich denn sei. Der Gefragte schwang sich auf zur Lobesstimme und beschrieb mich als jemanden, die &#8222;kuch lena, kuch dena, also sehr friedlich sei. Wie!, murmelte das egoische Stimmlein in mir, &#8222;nix geben und nix nehmen&#8220;!? Na also, was wei\u00df der schon, was ich so mache. Am\u00a0 Nachmittag habe ich es Lali erz\u00e4hlt, vermutlich um meinen &#8222;Ruf&#8220; besser einordnen zu k\u00f6nnen, und nein-nein sagte sie, hier ist lena-dena ein Begriff f\u00fcr jemanden, der sich nicht einmischt, sondern seines bzw ihres Weges geht, was ich ja tue. Der Ruf also. Manchmal muss man sich hier, etwa von besuchenden D\u00f6rflern umringt,\u00a0 schon gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass manche\u00a0mitbekommen dass man des Lesens und Schreibens kundig ist. Lesen und schreiben k\u00f6nnen!!! Ist das nicht wunderbar!?<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das erste Bild zeigt den Banianbaum, unter dem ich jetzt \u00f6fters im Schatten sitze. Heute ist offizieller Fr\u00fchlingsanfang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein &#8222;Ruf&#8220; ist ein interessantes Ph\u00e4nomen. Man hat ihn meist unabh\u00e4ngig vom eigenen Selbstverst\u00e4ndnis. 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