{"id":4583,"date":"2018-02-14T05:51:16","date_gmt":"2018-02-14T05:51:16","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=4583"},"modified":"2018-02-15T01:14:06","modified_gmt":"2018-02-15T01:14:06","slug":"erzaehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=4583","title":{"rendered":"erz\u00e4hlen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4587\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/20180213_145400-125x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"545\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/20180213_145400-125x300.jpg 125w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/20180213_145400-427x1024.jpg 427w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/20180213_145400.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/p>\n<h5>Ich bin ja nicht die Geschichtenerz\u00e4hlerin im klassischen Sinn, aber gut, \u00fcberall liegen die Geschichten drin und herum und drumherum, auch in den Gedichten oder in Texten, wo das Erlebte zwar Teil oder Ausl\u00f6ser sein kann, aber nicht unbedingt das gezielte Tasten nach Worten ist, um den tieferen Klang des Unaussprechlichen und das sich im Reich des Wortlosen Befindende an den Rand seines m\u00f6glichen Ausdrucks zu bringen. Aber dann bietet einem der Moment doch manchmal Geschichten an, die man gerne erz\u00e4hlen m\u00f6chte. Ich war also gestern Abend bei Freunden eingeladen, die wiederum eine Gruppe von Foreigners zu sich gebeten hatten, die, fand ich dann heraus, mit einem gewissen (schon das Zeitliche gesegnet habenden) Guru, &#8222;Babaji&#8220;, verbunden waren, der an einem Ort namens Haidakhan seinen Ashram hatte bzw hat, als Avatar von Shiva gesehen wird und offensichtlich den an ihn Glaubenden viele Lieder beibringen konnte, denn sie sangen unerm\u00fcdlich ein Lied nach dem anderen. Bevor all das begann, kam ich mit einem Mann aus Italien, der neben mir sa\u00df, ins Gespr\u00e4ch, der K\u00fcnstler war und viel schrieb und auch Papier und Stifte mochte und am Erhalt der Handschrift interessiert war. Als ich erfuhr, dass er aus Neapel war und Pozzuoli gut kannte, erz\u00e4hlte ich ihm, dass ich dort einige der dunkelsten Stunden meines Lebens verbracht h\u00e4tte, als wir, eine lockere Gruppe von Freunden in verschiedenen H\u00e4usern an der Amalfik\u00fcste wohnend, von einer damals \u00fcblichen Antidrogenrazziatruppe nachts alle abgeholt wurden und nach Pozzuoli in ein &#8222;Manicomio&#8220;, ein kriminelles Irrenhaus, transportiert wurden, da die Caribinieri, an Dummheit und Unerfahrenheit kaum zu \u00fcberbieten, dachten, wir w\u00fcrden alle zusammenbrechen und dem Wahnsinn gefeit sein. Sie nahmen alles aus den H\u00e4usern mit, von der Puderdose bis zum Mehl und der Zahnpasta, nicht wissend wie das, was sie suchten, eigentlich aussah. Das hatte fatale Folgen vor allem f\u00fcr eine Frau, mit der ich sehr eng und lange befreundet war, die zu der Zeit an Gelbsucht erkrankt und in \u00e4rztlicher Behandlung war. Da sie uns dort nur \u00f6ltriefende Spaghettis zu essen gaben, wurde sie immer kr\u00e4nker. Ich machte so viel Aufstand wie m\u00f6glich und landete deswegen zwar f\u00fcr einige Zeit in der Zwangsjacke, aber sie brachten Carol letztendlich doch zu einem Krankenhaus in der Stadt, wo sie einige Tage sp\u00e4ter starb. Als die Substanz-Analyse endlich durch war und nichts gefunden wurde, kamen wir heraus. In mir w\u00fchlten Trauer und Hass auf die Ungerechtigkeit und die Grausamkeit des Manicomio-Direktors, der das alles zugelassen hatte, und ich ging nach New York und fand dort exzellente Unterst\u00fctzung. Der Fall wurde unter gro\u00dfem \u00f6ffentlichen Interesse noch einmal aufgerollt und der Gef\u00e4ngnisdirektor entlassen. Es war eine Genugtuung, auch wenn es Carol nicht mehr zur\u00fcckholen konnte. Ab und zu dachte ich mal in den folgenden Jahren an die trostlose Lage der Insassinnen der Heilanstalt, die wussten, dass sie nie wieder da herauskommen w\u00fcrden, und an die unglaublichen Geschichten, die sie zu erz\u00e4hlen hatten. Nun sitze ich also gestern Abend neben diesem Mann, und er erz\u00e4hlt mir, er kenne das Geb\u00e4ude sehr gut, weil es 10 Jahre leer stand und dann von einer organisierten Gruppe, die f\u00fcr mietfreies Wohnen ist, besetzt wurde und bis heute von ihnen bewohnt wird. Der lange und komplexe Arm bzw Finger der Geschichte streckte sich in mir aus und setzte einen Punkt, den wohl allerletzten des entschwindenden Dramas: (so gut) zu wissen, dass \u00fcber 10 \u00a0Jahre lang in den d\u00fcsteren Hallen des Manicomios keine Lebensberaubten mehr herumgeirrt waren, und dass nun andere Energien den Platz beanspruchen.<\/h5>\n<h5>Shivaratri l\u00e4uft auch drau\u00dfen ab mit der j\u00e4hrlichen G\u00f6tterparade auf schier endlosen W\u00e4gen, von der ich &#8222;zuf\u00e4llig&#8220;von gegen\u00fcber ein Photo (s.o.) von d e m Mann machen konnte, den ich beim Vorbereiten f\u00fcr seinen Job (Blogbeitrag &#8222;Gebilde&#8220;) photographiert hatte. Jedes Jahr darf ein Anderer mal Shiva sein, dieses Jahr er, vermutlich wegen seiner \u00fcberzeugenden Darstellung<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ja nicht die Geschichtenerz\u00e4hlerin im klassischen Sinn, aber gut, \u00fcberall liegen die Geschichten drin und herum und drumherum, auch in den Gedichten oder in Texten, wo das Erlebte zwar Teil oder Ausl\u00f6ser sein kann, aber nicht unbedingt das gezielte Tasten nach Worten ist, um den tieferen Klang des Unaussprechlichen und das sich im [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4583","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4583","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4583"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4583\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4596,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4583\/revisions\/4596"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4583"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4583"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4583"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}