{"id":4573,"date":"2018-02-12T01:41:25","date_gmt":"2018-02-12T01:41:25","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=4573"},"modified":"2018-02-12T01:41:25","modified_gmt":"2018-02-12T01:41:25","slug":"geraeusche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=4573","title":{"rendered":"Ger\u00e4usche"},"content":{"rendered":"<h5><a class=\"irc_mil i3597 i87XW43ehtY4-zixyDjKkw5M\" tabindex=\"0\" href=\"http:\/\/pcurmblog.blogspot.com\/2013\/08\/psst.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-noload=\"\" data-ved=\"0ahUKEwjjyNrL_5zZAhVMNI8KHVf8Dv4QjRwIBw\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"irc_mi\" src=\"http:\/\/3.bp.blogspot.com\/-6LZyZfgXGt8\/UgnMs10QB8I\/AAAAAAAADvc\/mvB0vhJyAyQ\/s1600\/psst.png\" alt=\"Image result for psst\" width=\"236\" height=\"236\" \/><\/a><\/h5>\n<h5>Heute fr\u00fch ab sechs Uhr hatte das Elektrizit\u00e4ts-System mal wieder einen Kollaps. Ich nenne den Ort ja immer wieder mal &#8222;Dorf&#8220;, aber eigentlich ist es inzwischen eine Kleinstadt geworden, die ganze kleine Stadt also in tiefstes Dunkel geh\u00fcllt. Die Leute, die Generatoren haben, schlafen noch um diese Zeit, da sie sp\u00e4te N\u00e4chte haben wegen dem anderen Zeitgef\u00fchl der Fremdlinge, die den Indern, die mit ihnen in irgend einer Verbindung stehen, ihre &#8222;Nektarstunde&#8220; des fr\u00fchen Aufstehens ausgetrieben haben. Heutzutage muss man aber schnell sein im Genuss der einzigartigen Stille, die sich durch die gelungene St\u00f6rung in der Atmosph\u00e4re ausbreitet, denn seit unz\u00e4hlige Smartphonechargingkabel an den Steckern h\u00e4ngen, dauern die Stille-Ekstasen nicht mehr so lange wie fr\u00fcher, wo es sich um Stunden drehen konnte, bis wieder Licht und vor allem L\u00e4rm in den gemeinsamen Lebensraum kam. Der verantwortliche Elektriker m\u00f6chte vermutlich nicht von Abh\u00e4ngigen gelyncht werden. Ich also sogar die vorhandene Kerze wieder ausgepustet und zum Hineinlauschen zurechtgesetzt. Ein starker Wind saust drau\u00dfen herum, wahrscheinlich Ausl\u00f6ser der St\u00f6rung. Dann das Knirschen und Brechen und Treten von Plastikteilen, das mich fr\u00fcher einmal so irritiert hat, dass ich (ungeschminkt) hinaus ging, um zu sehen, was in aller Herrgottsfr\u00fche t\u00e4glich solche Ger\u00e4usche macht. Es war ein junger Mann, der von den Abfallhaufen, die sp\u00e4ter abgeholt werden von Angestellten des B\u00fcrgermeisteramtes, d i e Dinge herausfischte, die er offensichtlich irgendwo in M\u00fcnzen umsetzen konnte, vor allem Plastikflaschen und Kartonteile. Das Paket war dann so riesig, dass er es auf dem Kopf tragen musste. Dann kracht, auch immer zur gleichen Zeit, der beingel\u00e4hmte Bettler vorbei auf seinem Rollenw\u00e4gelchen, ein furchtbares Ger\u00e4usch. Dann Stille, uffh, selten geworden. W\u00e4re das Licht schon zur\u00fcck, w\u00fcrden aus vielen der Tempel schon diverse Ges\u00e4nge und Vortr\u00e4ge schallen, an die man sich notgedrungener Weise gew\u00f6hnen lernt, weil, das wei\u00df man, bzw. ich, dass eine Klage nichts bringen w\u00fcrde. Ich war ja bei den Nath-M\u00f6nchen letztes Jahr, um \u00fcber das gr\u00e4ssliche Ton-Gekratze zu klagen zwischen 5 Uhr 15 und 5 Uhr 45, und bin gescheitert, weil es dem Oberm\u00f6nch selbst so gut gefiel, eine Art Folterger\u00e4t f\u00fcr sensible Ohren. Der Trommler, den ich dann h\u00f6re wie immer um diese Zeit, ist eine Ausnahme, weil er so sch\u00f6n trommelt, dass man gerne zuh\u00f6rt. Dann ist auch er wieder verschwunden. Eigentlich kann man k\u00fchn behaupten, dass die meisten Inder jegliches Gef\u00fchl f\u00fcr Stille verloren haben. Vielleicht leben sie auch in \u00e4hnlicher Verfassung, wie man es von Techno-Volldr\u00f6hnungen kennt: man nimmt Zuflucht am Kern des Wesens, so wie auch der Wirbelsturm sein stilles Geheimnis mit sich tr\u00e4gt. Man lernt, das Unertr\u00e4gliche als Kulisse zu behandeln, wobei hier ganz eindeutig die Gefahr der Abstumpfung droht. Im Zugzwang, die verbleibenden Minuten der elektrischen St\u00f6rung gut zu nutzen, f\u00e4llt auf, dass es so ja gar nicht geht. Ich denke an unser Haus in Deutschland, wo man morgens nur die V\u00f6gel h\u00f6rt, allerdings oft ohne das Licht der Sonne. Prompt gehen die Gl\u00fchbirnen wieder an und der Tag dehnt sich in das ohrenbet\u00e4ubende Crescendo hinein, in dem das ungehemmte Hupen und Rattern der Motorr\u00e4der die Herrschaft \u00fcbernimmt. Na ja, das ist der Bazaar, und auf der anderen Seite des Hauses ist es tats\u00e4chlich oft etwas stiller, nur das Gekreische der Badenden im heilig gesehenen See, und t\u00e4glich auch das ber\u00fchmte und ber\u00fcchtigte Gezeter der Brahmanen untereinander und mit den Pilgern, wenn die sich nicht richtig benehmen oder zu wenig Kohle da lassen. Klar, dazwischen ein Pfauenschrei, ein Hundegebell, das Muhen der Ochsen und K\u00fche, die durch die Gegend traben. Die Ohrst\u00f6psel sind auch sehr beliebt. Ich habe neulich mal einen jungen Mann gefragt, was er denn da so h\u00f6rt, aber er hatte nur die St\u00f6psel im Ohr. Ohropax f\u00e4llt einem nat\u00fcrlich auch ein, wo war denn gleich mein D\u00f6schen? Alle erfahrenen Indienreisenden haben sowas dabei. Stilles, leuchtendes, meditierendes Indien? Auf der Ebene der Ger\u00e4usche lernt man auf jeden Fall die angebrachte und erforderliche Akzeptanz dessen, was durch niemanden mehr zu regulieren ist. Indien ist nicht nur sehr lebendig, sondern auch sehr laut.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute fr\u00fch ab sechs Uhr hatte das Elektrizit\u00e4ts-System mal wieder einen Kollaps. Ich nenne den Ort ja immer wieder mal &#8222;Dorf&#8220;, aber eigentlich ist es inzwischen eine Kleinstadt geworden, die ganze kleine Stadt also in tiefstes Dunkel geh\u00fcllt. 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