{"id":4216,"date":"2017-12-18T05:54:36","date_gmt":"2017-12-18T05:54:36","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=4216"},"modified":"2017-12-18T06:16:00","modified_gmt":"2017-12-18T06:16:00","slug":"verklaeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=4216","title":{"rendered":"pilgern"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4217\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171217_1751451-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"460\" height=\"259\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171217_1751451-300x169.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171217_1751451-768x432.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171217_1751451-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><\/p>\n<h5>So, hier nochmal ein Photo von der B\u00fchne des Festivals, ziemlich bescheiden f\u00fcr den photogenen Glamour, der dort installiert war und das einzige in der wilden Schlacht der Bilderzeugung, das ich aufgenommen habe. Nach geh\u00f6rigen Widerst\u00e4nden und einem chai mit Lali hatte ich mich dann doch entschieden, mich in die Festivalpilgergruppen einzureihen, und siehe da, es ist immer auch gut zu schauen, woher die Widerst\u00e4nde kommen, denn es war in der Tat eine gem\u00fctliche und festliche Stimmung dort und ich habe einen h\u00f6chst angenehmen Platz bekommen zum Einsinken in das Ganze. Was mir die Leute aus dem Dorf vorher mitgeteilt hatten, war nat\u00fcrlich auch wahr: es gab kaum jemanden, den ich kannte, und die bef\u00fcrchtete Ansammlung von Foreigners war auch nicht da, da die meisten schon nach Goa abgezwitschert sind. Und so waren es vor allem indische Touristen, die herumstr\u00f6mten, und nat\u00fcrlich die niemals fehlen d\u00fcrfenden VVVVVIPs, deren Reden mit der \u00fcblichen Arroganz strotzten, der Herr Minister und der Herr von der Zementfirma, viel Reichtum, viel Bauen, ab und zu mal sponsern und die Pausen zukleistern mit Advertisements auf den riesigen Screens. Wahrscheinlich f\u00fchlen sich die Einheimischen ausgebootet aus ihrem Lotusreich, und sie m\u00f6gen auch nicht, dass die Performer mit dem R\u00fccken zum heiligen See spielen, und sogar Ausl\u00e4nder d\u00fcrfen da singen, na sowas. Die Performances sind exzellent, ein Franzose organisiert das zusammen mit einem indischen Event-Hecht, das ist schon beeindruckend. So sa\u00df ich wohlig herum, und ab und zu setzte sich mal einer aus dem Dorf neben mich und freute sich wie ich, dass Familie anwesend war. Vorne auf der B\u00fchne und auf den Screens sang eine Frau souver\u00e4n die meisterhaften Lieder, deren Sog einen von der Verbl\u00fcffung ins ungl\u00e4ubige Staunen transzendieren k\u00f6nnen, und in die Dankbarkeit, an einer Kunst teilgenommen haben zu d\u00fcrfen, die ohne ihresgleichen ist. Und dann: ein Lied nach dem anderen, kein Nachlassen in der Qualit\u00e4t. W\u00e4hrenddessen waren im Publikum haupts\u00e4chlich Smartphones anwesend. Mit einer ungebremsten Intensit\u00e4t knipsten sich unentwegt Menschen selbst und in schnell wechselnden Gruppen, alle schon vollkommen fixiert mit dem selbstverliebtesten Ausdruck im Gesicht, wo man die erfrorene Phantasie \u00fcber die eigene Selbstwahrnehmung m\u00fchelos ablesen konnte. Noch selten habe ich so eine unverbl\u00fcmte Ich-Leidenschaft am Werke gesehen, so als erschienen \u00fcberall Spiegel im All, wo man geht und steht, und ist unter Zwang, immer denselben optimalen Eindruck zu hinterlassen, den man sich durch gnadenlos anerzogene Kritik am stets schnell studierten Selfie abgerungen hat. Die mystische Substanz des Universums, das Lebendige genannt, weicht hier wie automatisch zur\u00fcck vor dem Unvermeidlichen, das keinen Namen mehr tr\u00e4gt. H\u00e4lt man die lineare Kontinuit\u00e4t des sich st\u00e4ndig Entwickelnden f\u00fcr grenzenlos, so kann man sich einiges Nat\u00fcrliche und Interessante noch vorstellen im Zusammenspiel von Mensch und Maschine, denn wer sagt, dass es nicht spannend ist, halb Mensch, halb Maschine zu sein, ist der Umschwung doch bereits im Gange. L\u00e4uft die Zeit dagegen kreisl\u00e4ufig wie die Jahreszeiten z.B., so wird klar irgendwann, dass der dritte Akt im Drama auch ein Ende hat und dadurch nicht jeder Logik entbehrt. Die viel besprochene und als solche auch erfahrene Verdunkelung des Bewusstseins ist hier das notwendige Mittel einer Welterm\u00fcdung, ohne die kein gelungener Ausklang stattfinden kann. In der Zwischenzeit singen die S\u00e4nger ihre Lieder, und wer kennt schon die ekstatischen Zust\u00e4nde der Indigo-F\u00e4rber. und der noch lebenden Meister der altenTempel-Architektur, oder wenn man sich als Glyphe wiederfindet im Buch der Steine. Warum ich, wegen meiner derzeitigen N\u00fcchternheit, den Weg der mystischen Erfahrung zur\u00fcckgelassen h\u00e4tte, fragt mich Leslie, der gerade aus Australien angereist ist. Wie kam&#8217;s dazu. Beim Angr\u00fcbeln der interessanten Frage bemerkte ich, wie es drohte, bei der Geburt, gar schon vorher, anfangen zu m\u00fcssen. Da wurde ich (hihi) vor mir gerettet. Verlassen, sagte ich zu ihm? Wer sagt, ich h\u00e4tte ihn verlassen. Ist nicht der n\u00fcchterne Blick vielleicht auch der mystische Weg?<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, hier nochmal ein Photo von der B\u00fchne des Festivals, ziemlich bescheiden f\u00fcr den photogenen Glamour, der dort installiert war und das einzige in der wilden Schlacht der Bilderzeugung, das ich aufgenommen habe. 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