{"id":4110,"date":"2017-12-12T04:55:30","date_gmt":"2017-12-12T04:55:30","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=4110"},"modified":"2017-12-12T05:05:34","modified_gmt":"2017-12-12T05:05:34","slug":"notwendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=4110","title":{"rendered":"notwendig"},"content":{"rendered":"<h5><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4178 \" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171211_103526-e1513044059920-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"339\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171211_103526-e1513044059920-169x300.jpg 169w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171211_103526-e1513044059920-768x1365.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171211_103526-e1513044059920-576x1024.jpg 576w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><\/h5>\n<h5>&#8222;Notwendig&#8220; ist das passende Wort, wenn etwas getan werden muss, das andernfalls zu einer Not f\u00fchren w\u00fcrde, und auf jeden Fall zu Spannungen in den famili\u00e4ren Beziehungen. So sitze ich also gestern mit vier Anderen im Auto nach Merta City. Aus dem Radio t\u00f6nen die neuen indischen Schlager, nicht \u00fcbel, muss ich sagen. Die Inder sind ber\u00fchmt und ber\u00fcchtigt f\u00fcr ihre Kopierexzellenz, aber das ist oft nur eine Basis f\u00fcr sie, um noch besser zu werden als die Kopie. Der Sound erm\u00f6glicht es dann, mich n\u00e4her \u00fcber die Tote und die Umst\u00e4nde ihres Todes zu unterhalten. Wir sind auf dem Weg in eine andere Religionsgemeinschaft, die Jain Gemeinde, deren Tempel wirklich sehenswert und beispiellos sch\u00f6n sind. Im Gegensatz zu den Hindu Ritualen (Jains sind auch Hindus, aber eben Jains) verabschieden Jains die Toten nur drei Tage, nicht die ellenlangen zw\u00f6lf bei den Hindus, f\u00fcr die eh keiner mehr die Geduld und Zeit hat. Sobald wir ankommen und wegen der engen Gassen das Auto entfernt parken m\u00fcssen, pilgern wir durchs mittelalterliche Dorf, eine willkommene Abwechslung, vor allem ich, f\u00fcr die EinwohnerInnen. Begleitendes &#8222;kanafusi&#8220;, Fl\u00fcstern. Dann sehe ich Ayesha zum ersten Mal nach Monaten, aber sie signalisiert mir sofort, dass ich sie erst umarmend begr\u00fc\u00dfen darf, nachdem ich im Tempel war, denn sie hat ihre Tage und darf nun alles M\u00f6gliche nicht, auch kein Kochen. Dann geht das Tempelwandern los. Erst sitzen wir, immer auf dem Boden nat\u00fcrlich, eine Stunde lang mit der Jain-Gemeinde in einem kalten Raum, dessen W\u00e4nde geschm\u00fcckt sind mit Photos der M\u00f6nche und Nonnen, die alle Mundschutzt\u00fccher tragen, um kein Leben auszul\u00f6schen. Sie gehen nur zu Fu\u00df und tragen dabei eine Art Wedel, mit dem sie die Stra\u00dfe kehren, wenn sich da was bewegt. Wir sitzen also rum vor dem Bild der Verstorbenen, deren K\u00f6rper sich bereits in Asche aufgel\u00f6st hat, und ihr Sohn wirkt leicht traumatisiert, weil er sich ein Leben ohne Mutter noch gar nicht vorstellen kann. Ich sehe in Ayeshas Blick einen Hauch von Verachtung. \u00a0Gut, w\u00e4hrend der ganzen Zeit unseres Herumsitzens sitzt der M\u00f6nch oben im Bild regungslos auf seinem Stuhl. Ich photographiere ihn hinter dem R\u00fccken einer Frau, und selbst, als wir uns alle m\u00fchsam wieder erheben und zum n\u00e4chsten Tempel wandern, sitzt er immer noch da. Die M\u00e4nner sind (wie meistens) voraus gegangen und wir m\u00fcssen warten auf der Stra\u00dfe, bis sie aus dem Tempel kommen und wir reink\u00f6nnen. Ab und zu frage ich mal eine Frau nach dem weiteren Programm, aber niemand wei\u00df es, denn wir bilden eine Art morphologisches Feld, eine schl\u00e4frige Formation, die gelernt hat, in zusammenh\u00e4ngenden Bildern zu funktionieren. Tempel II besteht wie viele Jain Tempel aus wei\u00dfem Marmor, in jeder Nische ein Marmor Yogi mit offenen Augen, kahl und sparsam, nur der Chef tr\u00e4gt eine Goldkrone. Wieder sitzen alle herum, bis es vorbei ist. Jetzt kommt das Essen, wieder auf dem Boden in einem anderen, gro\u00dfen Raum, lecker und h\u00f6chst bek\u00f6mmlich nach der ganzen Tortur. Wir d\u00fcrfen dann ja nach Hause fahren, aber Ayesha erz\u00e4hlt mir, dass es am n\u00e4chsten Tag, also heute, noch eine &#8222;function&#8220; gibt, und zwar speisen sie 12 Brahmanen, das ist so \u00fcblich, damit die Totenreise gut \u00a0l\u00e4uft. Brahmanen?, frage ich mal wieder eine Vertraute. Brahmanen, erkl\u00e4rt sie mir bereitwillig, kommen gleich nach Gott. Ich muss es wohl nochmal h\u00f6ren. Ihr Gatte l\u00e4uft die \u00fcblichen 10 Meter vor uns her, manchmal Signale sendend, was zu tun und zu lassen ist. Trotz seiner Zeichen kaufen wir alle Gem\u00fcse, weil es in Merta die H\u00e4lfte billiger ist als bei uns auf dem Markt. Sie zwingen mich, ein Kilo Tomaten zu kaufen, denn ich bin bereits morphiologisiert. Im Auto wird&#8217;s gem\u00fctlich, weil alle au\u00dfer dem Fahrer vor Ersch\u00f6pfung einnicken.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Notwendig&#8220; ist das passende Wort, wenn etwas getan werden muss, das andernfalls zu einer Not f\u00fchren w\u00fcrde, und auf jeden Fall zu Spannungen in den famili\u00e4ren Beziehungen. So sitze ich also gestern mit vier Anderen im Auto nach Merta City. Aus dem Radio t\u00f6nen die neuen indischen Schlager, nicht \u00fcbel, muss ich sagen. 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