{"id":3679,"date":"2017-09-18T09:28:35","date_gmt":"2017-09-18T09:28:35","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3679"},"modified":"2017-09-18T09:29:12","modified_gmt":"2017-09-18T09:29:12","slug":"belastet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=3679","title":{"rendered":"belastet"},"content":{"rendered":"<h5><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3680\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170918_102312-254x300.png\" alt=\"\" width=\"254\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170918_102312-254x300.png 254w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170918_102312-768x907.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170918_102312.png 835w\" sizes=\"auto, (max-width: 254px) 100vw, 254px\" \/><\/h5>\n<h5>In jedem verbrachten Leben bekommt der oder die Lebende unter anderem mit, dass neue Worte entstehen, die man sich entweder erschlie\u00dfen kann oder sie verschlossen oder ungeh\u00f6rt halten. Oder sie gar nicht erst h\u00f6ren. So habe ich heute zum ersten Mal das Wort &#8222;Parentifizierung&#8220; geh\u00f6rt und wei\u00df, dass ich manchmal auch gerne diejenige bin, die ein Wort noch nicht zu Ohren bekommen hat. Nun gibt es viel Fachliteratur und Menschen schreiben ungeheure Werke, die kaum einer verstehen kann. Wir kannten mal einen Physiker, der auf der Nobelpreisliste stand, in dessen Lebenszeit es angeblich nur einen einzigen Menschen gab, der seine Formelwelt nachvollziehen konnte. Offensichtlich muss diese akrobatische Mystik auch ein Resultat hervorbringen oder irgend etwas weiterbringen, was irgendwem noch nicht weit genug gediehen scheint. Sinnfragen und ihre Grenzen. Aber wenn einem breiten Publikum ein zutiefst erschreckendes Wort wie &#8222;Parentifizierung&#8220; untergeschoben und dann die \u00fcbliche Statistik dazu geliefert wird, kann man das schon mal auf sich wirken lassen. Ich habe also verstanden, dass es eine hohe Anzahl von Kindern gibt, das nur in Deutschland registriert, die mit s\u00fcchtigen oder hochdepressiven Eltern aufwachsen, die sich nicht nur kaum um die Kinder k\u00fcmmern k\u00f6nnen, sondern das Kind \u00fcbernimmt die Elternrolle und wird dadurch im nat\u00fcrlichen Ablauf seines Lebens gest\u00f6rt. Wie kann ein Kind solche Zust\u00e4nde einordnen? Ich muss gerade immer mal wieder wegen der ein paar Wochen alten Katze bei uns im Haus an die Zartheit und Ungesch\u00fctztheit von Kindern denken. Nicht um Kinder und Tiere zu vergleichen, sondern um wahrzunehmen, wie so ein offener Geist, der noch keinen Schaden erlitten hat, sich f\u00fcr alles Bewegliche interessiert und sich unter einem aufmerksamen Blick spielerisch der Welt zuwendet und wie leicht das Wesen erschrickt, wenn sein Dasein nicht besch\u00fctzt und willkommen gehei\u00dfen wird. Und das Gest\u00f6rtsein des Menschen wird dann als zur Gesellschaft geh\u00f6rend deklariert oder ein Begriff gefunden, mit dem man es nennen kann, bis die vielen Fallbeispiele in den B\u00fcchern erscheinen, die man selten vor Augen bekommt, auch weil die Sprache dann zu spezifisch wird\u00a0 und sich neue Welten bilden mit dem diskutierten und angewandten Wissen, sodass das Gest\u00f6rte besser zug\u00e4nglich wird. Und vor dem Gest\u00f6rten liegt der Schmerz. Ist das dem Kind Zugemutete zu \u00fcberfordernd, muss es notgedrungenerweise abgespaltet werden und wirkt im Schicksalsdrama in eigener Regie, die als das eigene Erleben gar nicht mehr erfahren werden kann. Meine Mutter hatte auch gewisse Suchttendenzen, die ich immer als angenehm registriert habe. In meinem Familienkreis haben alle Frauen leidenschaftlich geraucht. Meine Mutter ging auch unterwegs mal gern ins Kasino und f\u00fcr diese G\u00e4nge &#8222;durften&#8220; wir schon mal \u00e4lter aussehen, mit hohen Schuhen und so, weil wir ja auch rein d\u00fcrfen mussten in die Halle, denn wo sollte sie uns lassen? Das war f\u00fcr mich aber nicht so belastend, sondern belastend war, dass sie oft lange nicht da war, und meine Schwester mich vollkommen in Anspruch nahm, und all meine Aufmerksamkeit forderte, mit der ich eigentlich mein Eigenes vorhatte. Das ist auch so ein tricky Effekt: es wird sich nicht um einen gek\u00fcmmert, dann k\u00fcmmert man sich aber ein Leben lang um andere. Und wenn man Gl\u00fcck hat, f\u00e4llt es einem eines Tages auf, dass man sagt &#8222;ich kann nicht mehr&#8220;, und es auch tats\u00e4chlich h\u00f6rt. Wenn man merkt, dass man sich selbst nicht h\u00f6rt oder keinen Ausdruck findet f\u00fcr das Ertragene, ist es wirklich ratsam, Begleitung zu holen, bis man die Worte hat. Man braucht die Worte, um sich zu verstehen und sich anderen verst\u00e4ndlich zu machen, wenn das gew\u00fcnscht ist. Ja, eigentlich kann ich sagen, dass ich mich erst jetzt erhole von der B\u00fcrde, die meine Schwester, nat\u00fcrlich unbewusst, auf mich geladen hat, indem sie von mir als Kind gefordert hat, sie in meine Welt einzuschleusen und dort mit meinen kreativen Passionen zu unterhalten, was zu ungeheuren Anstrengungen gef\u00fchrt hat, die sich ins wahrhaft Uns\u00e4gliche gesteigert haben. Allerdings waren meine Eltern in der ihnen gegebenen Zeit ziemlich gesund und humorvoll unterwegs. Dass man das Bewusstsein f\u00fcr Menscherzeugung nicht verantwortungsvoller vermitteln kann, ist klar. Verbl\u00fcffend ist es trotzdem, dass Menschen so verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig einfach hervorgebracht werden k\u00f6nnen, die dann zB parentifiziert, hei\u00dft: hochgest\u00f6rt unter uns herumgehen, beladen mit unausprechlicher Last. Da kommt dann wohl das sogenannte Gl\u00fcckselement dazu, wenn man auf Wesen trifft, mit denen man sich erholen und zu sich kommen kann.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In jedem verbrachten Leben bekommt der oder die Lebende unter anderem mit, dass neue Worte entstehen, die man sich entweder erschlie\u00dfen kann oder sie verschlossen oder ungeh\u00f6rt halten. Oder sie gar nicht erst h\u00f6ren. 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