{"id":3637,"date":"2017-09-12T08:33:58","date_gmt":"2017-09-12T08:33:58","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3637"},"modified":"2017-09-12T08:41:12","modified_gmt":"2017-09-12T08:41:12","slug":"man","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=3637","title":{"rendered":"man"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3638\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170908_093759-300x297.png\" alt=\"\" width=\"346\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170908_093759-300x297.png 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170908_093759-150x150.png 150w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170908_093759-768x760.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170908_093759.png 991w\" sizes=\"auto, (max-width: 346px) 100vw, 346px\" \/><\/p>\n<h5>Erstmal muss ich tief durchatmen. Die Frage an mich k\u00f6nnte heute fr\u00fch zB. lauten, warum ich mir das antue, morgens, wenn auch nur 3 Minuten, die Nachrichten anzuh\u00f6ren, wenn ich dann ungern hinterher etwas verdauen muss. Was hei\u00dft verdauen, oder gut, verdauen. Hilft es wirklich (mir) zur Kultivierung eines Mitgef\u00fchls, das schon gar nicht mehr wei\u00df, wohin mit sich? Auf jeden Fall unterbricht es erstmal die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Harmlosigkeit meiner eigenen Gedanken und schweift hin zum Zertr\u00fcmmerten, oder zum Erdgebebten und zu unvorstellbar \u00dcberschwemmtem. Klar, Mitgef\u00fchl und Dankbarkeit f\u00fcr das bisschen Regend\u00fcsternis vor dem Fenster. Wenn ich ein paar Minuten vor den Nachrichten einschalte, bekomme ich manchmal unfreiwillig noch ein paar christliche Worte mit und das turnt\u00a0 auch\u00a0 ab mit diesem Prediger\/innenges\u00e4usel. Heute erz\u00e4hlte ein Pfarrer, wie er an einer Haltestelle mit einem 80-j\u00e4hrigen Marokkaner ins Gespr\u00e4ch kam, der vor 40 Jahren hier seine Knochen ruinierte bei der Schwerarbeit des Abfallsystems, denn die Tonnen mussten damals noch eigenh\u00e4ndig hochgestemmt werden. Es war in der Zeit, da wieder Reichtum im Land zunahm, und das neue Kastensystem fand die \u00fcblichen Wege. Nat\u00fcrlich war es auch in der Vergangenheit die Sprache, die zu solchen Vorg\u00e4ngen f\u00fchrte. Wer nicht Sprache kann, muss Abfall heben oder putzen. Als ich mit der befreundeten Frau aus Afghanistan auf Arbeitssuche war, ging es nur um das Putzen. Als dann die Arbeit im Putzkreis erkl\u00e4rt wurde, das war bei der Deutschen Bank, da waren au\u00dfer mir nur ausl\u00e4ndische Frauen, aus Bulgarien, Rum\u00e4nien, Russland, Afghanistan usw., alle in Not und voller Hoffnung auf Einstellung. Wir trafen uns im Keller, ich war \u00dcbersetzerin, obwohl Furuzan sich auf Deutsch verst\u00e4ndigen kann. Wenn man dann die Gelegenheit hat, immer St\u00fccke aus dem verlorenen Leben zB eines Landes wie Afghanistan von einer Familie zu h\u00f6ren, dann kann man sich besser vorstellen, was hier alles passiert ist, um dann im fremden Land dankbar zu sein, dass man putzen darf. Nicht jeder ist sprachbegabt. Die menschlichen F\u00e4higkeiten der Einzelnen sind nur \u00fcber die Kultur zu verstehen. Aber wer kann sich schon vorstellen, wie das ist, wenn man vor diesen Horden fliehen muss, f\u00fcr die ein Englischbuch einen Grund bietet zum Morden. Dann tauchen oft kleinere Formen desselben Irrsinns in der geretteten Familie auf. Furuzans Familie, das sind Schiiten, ihre Tochter hat einen Sunniten geheiratet, das musste auch noch aus den \u00fcblichen Spannungen herausgeholt werden. Man bekommt in der Fremde manchmal einen leichteren Zugang zum Absurden, das lange als normal deklariert wurde. \u00dcberall herrscht das Absurde unauff\u00e4llig und saugt die Furchtsamen in die Glaubenskonstrukte, wo die dunkle Seite des Gleichgesinnten gez\u00fcchtet wird. Ob es\u00a0 auf dem Planeten wirklich einen sich gleichenden Sinn zwischen Menschen gibt, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, denn wie kann sich mein und dein Sinn jemals gleichen. Ja, man n\u00e4hert sich an durch das gemeinsame Interesse an bestimmten Gedanken oder Vorg\u00e4ngen oder inneren Inhalten, aber das Gelingen davon h\u00e4ngt sehr von der r\u00e4umlichen Offenheit ab, die zwischen Wesen m\u00f6glich ist. Je mehr Raum, desto mehr Freiheit der Entfaltung. Das h\u00e4ngt auch von der Einstellung ab, mit wem man im Strom der vielf\u00e4ltigen Menschheit in Kontakt kommen m\u00f6chte, und auch, ob man es will oder kann. Mir ist jetzt \u00f6fters aufgefallen, wie oft ich das Wort &#8222;man&#8220; benutze. Das hat mich vor Jahren schon mal besch\u00e4ftigt, als ich den Satz schrieb &#8222;Man wehrt sich dagegen, dass Menschheit am Boden ist&#8220;\u00a0 und ja, wer wehrt sich? In der Zwischenzeit habe ich mich f\u00fcr das Wort entschieden. Albern fand ich immer, wenn man es partout als &#8222;Mann&#8220; lesen wollte, um dann &#8222;frau&#8220; einsetzen zu k\u00f6nnen. Da kann man von mir aus in den Haarspaltersalon gehen, den ich erfunden habe. Es stimmt, dass es im Englischen auch beides hei\u00dft, Mann und Mensch, das ist auch in Hindi so. &#8222;Man&#8220; ist f\u00fcr mich eine M\u00f6glichkeit, eben nicht &#8222;ich&#8220; zu sagen, wenn mir das unangebracht erscheint, also immer, wenn ich &#8222;man&#8220; benutze. Es deutet auf etwas Allgemeines hin, das ist richtig. Ich beherberge in mir schon sehr lange ein &#8222;Wir&#8220;, das diesem &#8222;Man&#8220; \u00e4hnelt. Es erm\u00f6glicht mir, eine unbestimmte Anzahl von Menschen anzusprechen, von denen ich ausgehe, dass ich mich gut mit ihnen verst\u00e4ndlich machen k\u00f6nnte oder kann, wenn Begegnungen zustande kommen werden oder w\u00fcrden. Ansonsten m\u00fcssen sie gar nicht stattfinden, aber ich f\u00fchle mich auf eine gewisse Weise mit ihnen verbunden. Es sind allerdings die direkten Begegnungen oder Beziehungen im pers\u00f6nlichen Umfeld, mit denen man besch\u00e4ftigt ist, wo sich das Gedachte oder Reflektierte oder Bewusstgemachte auch umsetzen kann und letztendlich muss, will man nicht als hohler Spiegel durch die Welt wandern. Deswegen geht es in dieser medial gesteuerten Zeit nicht nur darum, zu sich selbst zur\u00fcck zu kommen, sondern auch aufmerksam zu bleiben den menschlichen Kontakten gegen\u00fcber, und ob die selbstverst\u00e4ndliche Annahme, dass man ein lebendiger Mensch ist, sich auch bewahrheitet hat.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstmal muss ich tief durchatmen. Die Frage an mich k\u00f6nnte heute fr\u00fch zB. lauten, warum ich mir das antue, morgens, wenn auch nur 3 Minuten, die Nachrichten anzuh\u00f6ren, wenn ich dann ungern hinterher etwas verdauen muss. Was hei\u00dft verdauen, oder gut, verdauen. 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