{"id":3241,"date":"2017-07-18T08:43:48","date_gmt":"2017-07-18T08:43:48","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3241"},"modified":"2017-07-18T19:11:28","modified_gmt":"2017-07-18T19:11:28","slug":"zwiespaeltig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=3241","title":{"rendered":"zwiesp\u00e4ltig"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3242\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170718_102925-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"297\" height=\"527\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170718_102925-169x300.jpg 169w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170718_102925-768x1365.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170718_102925-576x1024.jpg 576w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170718_102925.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Sommertage habe ich mir angew\u00f6hnt, morgens so um 7 Uhr herum eine Runde im Wald zu drehen u.a., damit die guten Angewohnheiten, die manchmal einen Anschub brauchen, sich stabilisieren m\u00f6gen. In Indien gehe ich auch immer morgens eine Runde am See entlang, allerdings mit der Unterbrechung der Zeit, die ich zum Schreiben ben\u00f6tige. Dort, f\u00e4llt mir gerade auf, bin ich noch ein Mensch mit Handschrift, eine aussterbende Kunst, denn hier in Deutschland vernachl\u00e4ssigen meine Finger automatisch den Stift und die Lebendigkeit des papierenen Notizbuches. Aber das nur nebenher, obwohl zum Nachfolgenden auch eine Vebindung besteht. Ich gehe also an besagtem Morgen wieder in den Wald, da h\u00f6re ich auf einmal laute Technomusik, sehe ein Auto am Waldrand und h\u00f6re gr\u00f6lende Stimmen, die offensichtlich gerade ihre Nacht abschlie\u00dfen. Da ich Reizbarkeit zwischen zwei Welten nicht ermuntern wollte, bin ich umgekehrt und einen anderen Weg gegangen. Es hat mich besch\u00e4ftigt als Gef\u00fchl von etwas, was ich erfassen wollte. Es war nicht nur das Verst\u00e4ndliche an der Tatsache, dass man Menschen am Ende ihrer durchsoffenen Nacht gerne aus dem Weg geht, sondern es ist eine etwas aktivere Wachsamkeit den Menschen gegen\u00fcber. Vielleicht auch, weil es durch die digital vorangetriebene Schnelligkeit der planetarischen Realit\u00e4tsvermittlungen jedem klar geworden ist, dass auch den Ausw\u00fcchsen menschlichen Verhaltens nur sp\u00e4rliche Grenzen gesetzt werden k\u00f6nnen. Ich sehe die Menschen lieber als Wesen, die die F\u00e4higkeit besitzen, f\u00f6rderlich auf sich selbst und Andere einzuwirken. Erkennen jedoch kann man diese Sicht ja an sich selbst als ein Erschrecken dar\u00fcber, wie schwer sich der Weg erweist, bis man sich als T\u00e4ter\/in bzw. Verursacher\/in von Schmerz und Leid zu einer Bewusstheit dar\u00fcber und den tiefer liegenden Quellen davon gebracht hat. So tief empfunden, dass das Verhalten selbst bereit ist, die Schienen zu wechseln? Oder zumindest die geistig illegalen Waffen freiwillig abzugeben wegen der Gefahr allgemein verbreiteter Unzurechnungsf\u00e4higkeiten. Und dann: wem kann man was wo und wann zumuten? Es gibt Festtage in Indien, da muss ich, und nicht nur ich, da m\u00fcssen wir den ganzen Tag Techno h\u00f6ren, auf jedem weiteren Dach ein Sound-System. Da hilft nur mitschwingen, und ab und zu am richtigen Platz zur richtigen Zeit kann Techno durchaus seine Qualit\u00e4t entfalten, als wenn es darum ginge. Ich denke, dass sich in die gro\u00dfen und kleinen R\u00e4umlichkeiten der Menschen eine kollektive Unruhe eingeschlichen hat, ein kollektives Wissen \u00fcber die Uneinsch\u00e4tzbarkeit menschlichen Handelns, so als w\u00fcrde fast allen gleichzeitig der moralische Gradmesser entgleiten, der gerade noch m\u00fchsam in den Religionen und ein paar anderen Orten aufrechterhalten wird.\u00a0 Bevor klar ist, dass es den auch nicht mehr gibt. Welches Recht wo ansetzen? Welche Gerechtigkeit geradlinig beurteilen k\u00f6nnen!? Schwer. Das macht es denkw\u00fcrdig, weil es schwer ist. Schwer, im Ungewissen zu paddeln, die Orientierung beizubehalten, den Sinn f\u00fcr die Richtung. Und wo sind die Anderen? Sie sind \u00fcberall. \u00dcberall sind Andere, und es ist ungewiss, wer sie sind. Man kann ein gutes Gespr\u00e4ch f\u00fchren und was dazu lernen. Man kann tot sein. Ich habe mich \u00f6fters mal mit dem Satz eines Psychologen besch\u00e4ftigt, der mir zugetragen wurde, und zwar &#8222;Liebe ist der Verzicht auf Mord.&#8220; Ein starker Satz, gegen den man sich wehren will. Nicht wegen der wohltuenden N\u00fcchternheit der Worte, sondern weil man tieferen Zugang braucht. Ziemlich sicher ist, dass da, wo Liebe ist, weniger Mord passiert. Dar\u00fcber g\u00e4be es vermutlich bereits viel Anlass zu Getwittere. Ich bin also umgekehrt und in die andere Richtung gegangen, weil ich nicht wei\u00df, zu was die f\u00e4hig sind in dem Zustand und es kl\u00fcger ist, da nichts herauszulocken durch eigene Anwesenheit. Ich m\u00f6chte hier nochmal den Satz von Brobowski erw\u00e4hnen, der in seinen Zeilen vermittelt, wie er \u00fcberall das Wort &#8222;Mensch&#8220; h\u00f6rt und sagt, dass man da, wo Liebe nicht ist, das Wort nicht nennen soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der Sommertage habe ich mir angew\u00f6hnt, morgens so um 7 Uhr herum eine Runde im Wald zu drehen u.a., damit die guten Angewohnheiten, die manchmal einen Anschub brauchen, sich stabilisieren m\u00f6gen. In Indien gehe ich auch immer morgens eine Runde am See entlang, allerdings mit der Unterbrechung der Zeit, die ich zum Schreiben ben\u00f6tige. 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