{"id":2831,"date":"2017-06-03T08:50:16","date_gmt":"2017-06-03T08:50:16","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=2831"},"modified":"2017-06-03T08:50:16","modified_gmt":"2017-06-03T08:50:16","slug":"entschliessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=2831","title":{"rendered":"entschlie\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2833\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/20170603_090416-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"292\" height=\"518\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/20170603_090416-169x300.jpg 169w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/20170603_090416-768x1365.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/20170603_090416-576x1024.jpg 576w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/20170603_090416.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/p>\n<p>Man merkt oft gar nicht, an wie vielen Entscheidungen man trotz aller errungenen Frei-R\u00e4ume innerlich und \u00e4u\u00dferlich beteiligt ist. In der ersten H\u00e4lfte meines bisher gelebten Lebens kam ich mir eindeutig vor wie ein Nacht-Mensch. Wenn die meisten Menschen schlafen, vertieft sich die Ruhe. Man bildet im Lauf der Zeit viele Dinge in sich hinein, die man auch wieder herausbilden kann. F\u00fcr mein System fand ich \u00fcbrigens die Meditationsausbildung ganz f\u00f6rderlich f\u00fcr eine Weile. Auf einmal drehte sich die Nacht in den Morgen. Was f\u00fcr eine wunderbare Entdeckung, die Stille des fr\u00fchen Morgens kennen zu lernen, wenn auch da noch die meisten Menschen schlafen und man unbegrenzte Zeit-R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung hat. Es erscheint mir auch als ein weiteres Paradox des weltlichen Aufenthalts, dass man so bem\u00fcht ist und auch sein muss, f\u00fcr sich selbst Entscheidungen zu treffen, die eventuell zu Identit\u00e4tsformen f\u00fchren, von denen man annimmt, dass man das ist. Ist man das? Zu einem gewissen Grad schon, denn es sind Facetten, die man sich gebildet hat, um zu sehen, aus welchem Stoff man gemacht ist, und welche Muster sich darin befinden. Sieht ja auch so aus, dass, kennt man die Muster nicht, man auch die Qualit\u00e4t des Gewebes nicht einsch\u00e4tzen kann. Habe ich dann mein Identit\u00e4tszeug einigerma\u00dfen beieinander, betritt man das n\u00e4chste Ersch\u00fctterungsfeld: die Anderen. Also, dass die Anderen die H\u00f6lle sind (Sartre), habe ich nun nicht feststellen k\u00f6nnen, aber die erlebten Dramen k\u00f6nnen schon einen Hauch von h\u00f6llischem Charakter haben, wenn man sieht, wie die Verblendungen \u00fcber sich selbst und die anderen fl\u00f6ten gehen. Die einen wollen mal auf die Pauke hauen, andere die erste Geige oder Alphatier spielen, auf jeden Fall geht es lang genug um die Kunst, F\u00e4den zu ziehen und zu weben, damit man die eigene Webweise bildlich erfassen kann.\u00a0 Die Kunst, dem Menschen zu entsprechen, den ich mir unter mir vorstelle, wird sicherlich weitgehend untersch\u00e4tzt. Da wir unseren eigenen Augen nicht uneingeschr\u00e4nkt trauen d\u00fcrfen, sind wir auf Augen und Ohren der Anderen angewiesen. In den paar Jahren, die ich in einem kleinen Tempel in Indien verbrachte und f\u00fcr die Bewegungen und die Atmosph\u00e4re darin verantwortlich war, hatte ich immer den Eindruck, dass vor allem meine Handlungen beobachtet wurden. Kann sie das Feuer richtig entfachen, legt sie das Holz sachgerecht auf, ist ihre Asche fein genug, ist es ihr gelungen, genug Tee und Milch und Zucker zu organisieren, damit sie Chai servieren kann, und wahrscheinlich auch einige Fragezeichen, weil ich au\u00dfer Bleichgesicht und Frau auch noch geschminkt war und der Boss der Bruderschaft mir verk\u00fcndete, eine Frau auf diesem Pfad werde nur darauf getestet, ob sie keine Verf\u00fchrungstechnik ausstrahlt oder anwendet. Den Stolz, dass mir das gelungen ist, konnte ich mir zum Gl\u00fcck ersparen. Mein Wunsch und Wille, mich dort als mich selbst durchzusetzen, f\u00fchrte letztendlich in einer kritischen Situation dazu, dass das ganze naheliegende Dorf hinter mir stand und eine wichtige Entscheidung zu meinen Gunsten f\u00e4llte. Dort wurde mir auch mal geraten, dem herumlungernden Polizisten Bakschisch zu zahlen, aber ich habe mich dagegen entschieden und wurde dann von einem M\u00f6nch belehrt, wie man mit Polizisten umgeht, damit sie einen nicht behelligen. Manchmal, wenn ich zur\u00fcckschaue, kann ich auch erschrecken \u00fcber die, die ich in meinem Leben schon war und mit welcher Entschlossenheit ich manche Entscheidungen getroffen habe, vor denen ich heute schaudern w\u00fcrde. Vielen von uns kam es damals so vor, als h\u00e4tten wir auf einmal die Fl\u00fcgel der freien Wahl und k\u00f6nnten \u00fcber Tod und Leben entscheiden. Zum Gl\u00fcck sind die Tage auch lang, und die N\u00e4chte so wirkungsvoll in ihrer schenkenden Ruhe. Noch Zeit, neue Weichen zu stellen und gute, ad\u00e4quate Entscheidungen zu treffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man merkt oft gar nicht, an wie vielen Entscheidungen man trotz aller errungenen Frei-R\u00e4ume innerlich und \u00e4u\u00dferlich beteiligt ist. In der ersten H\u00e4lfte meines bisher gelebten Lebens kam ich mir eindeutig vor wie ein Nacht-Mensch. Wenn die meisten Menschen schlafen, vertieft sich die Ruhe. 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