{"id":2232,"date":"2017-03-22T03:36:01","date_gmt":"2017-03-22T03:36:01","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=2232"},"modified":"2017-03-22T03:43:16","modified_gmt":"2017-03-22T03:43:16","slug":"eisenbahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=2232","title":{"rendered":"Eisenbahn"},"content":{"rendered":"<div id=\"boxer-overlay\" class=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"boxer-image\" src=\"http:\/\/www.thebetterindia.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/traintoilet.jpg\" width=\"251\" height=\"167\" \/><\/div>\n<div id=\"boxer\" class=\"\">\n<div class=\"boxer-container\">\n<div class=\"boxer-content\">\n<p>Aufstehen um 4 Uhr in Shivanis Haus. Zum Abreisen geh\u00f6ren die Bewegungsmittel. Kommt der Taxifahrer p\u00fcnktlich!? Nein, kommt er nicht, er muss telefonisch geweckt und erinnert werden. Dann rast er mit mir und dem Gep\u00e4ck mit kaum sichtbaren Scheinwerfern durch die noch dunkle Gegend. Ich bin eh schon leicht nerv\u00f6s, denn jetzt kommen einige Leistungsanforderungen auf mich zu. Ich verbinde die Nervosit\u00e4t mit der Tatsache, dass ich vor zwei Jahren geradezu sch\u00e4ndlich beraubt wurde im Zug, 5 Minuten vor der verlangsamten Einfahrt in Delhi, Alt-Delhi, das als gef\u00e4hrlich gilt. Aber eigentlich war und ist das Reisen in Indien immer abenteuerlich. Ich erinnere mich an Zeiten, wo ich regelm\u00e4\u00dfig stundenlang an Bahnh\u00f6fn herumsa\u00df, ohne zu wissen, ob der Zug nun tats\u00e4chlich eintreffen wird oder nicht. Da habe ich auch gelernt, mit Gruppen von Menschen umzugehen, die sich mit gro\u00dfen, neugierigen Augen um mich herumgruppierten, ohne zu ahnen, dass sie 20-30 Anwesenheiten darstellten, deren Augen alle auf mir ruhten. Dann fand ich den genial-simplen Trick. Nach freundlichem Hin-und Herl\u00e4cheln und auch mal die uralte Frage, wo ein Fremdling herkommt, beantwortet habe, fing ich meinerseits mit Fragen an: und duuuuuu, wer bist du? Das Feld war rasch ger\u00e4umt. Im Zug selbst war es dann anders. Gro\u00dfherziges Einlassen allerseits auf die Gegebenheiten. Wer will schon eine miese Reise haben? Jetzt ist ja auch alles neu geordnet. Zum Beispiel f\u00fchrt die Neuordnung mit den R\u00e4dchen an den Koffern dazu, dass ich nun, als ich 20 Minuten vor Zugeinfahrt am Bahnhof ankomme, weit und breit keinen rotbekleideten Porter finden kann. Ich muss einen Herumstehenden zum Helden machen, der mir die schwere Tasche durch die Taschen\u00fcberpr\u00fcfungmaschine schiebt und auf der Platform abstellt. H\u00e4tte ich ein Gewehr quer auf dem Kopf getragen, w\u00e4re es auch niemandem aufgefallen. Der f\u00fcr mich Tragende strahlt. Er hat bereits um 5:30 Unvorstellbares geleistet, sein Tag ist gut. Jemand findet dann doch noch einen Porter f\u00fcr mich, was sich als g\u00fcnstig herausstellt, denn der Zug f\u00e4hrt zur Abwechslung mal auf einem anderen Gleis, sodass man eine der anstrengenden Br\u00fccken auf den Bahnh\u00f6fen \u00fcberqueren muss. So, jetzt sch\u00f6n runterschrauben. Der Zug ist einigerma\u00dfen p\u00fcnktlich, und der nette Porter mit meiner Geldgabe zufrieden, das ist auch selten, denn bei uns Bleichgesichtern kann immer nach mehr gefragt werden. Dann den gebuchten Sitz ersp\u00e4hen. Alle schlafen noch. Ich muss mich auch legen, denn der Mittlere schl\u00e4ft auch noch. Irgendwann werden dann im Laufe des Morgens alle Mittelsitze heruntergeklappt, kleine Handt\u00fccher und Zahnputzzeug wandert ruhelos hin und her, dann kann das gemeinsame Sitzen beginnen. Und das Schauen, mit wem man hier reist, obwohl das Schauen und Durchf\u00fchlen nicht mehr so klar sp\u00fcrbar ist wie \u201efr\u00fcher\u201c, denn kaum ist das morgendliche Erfrischungsritual beendet, werden allerorts die Smartphones eingeschaltet. Mein Gegen\u00fcber h\u00f6rt Nachrichten, zimlich laut, finde ich. Ich h\u00f6re die BJP Parteigenossen skandieren und sage laut: Ah, BJP!? Es dauert eine Weile, bis er das Wort mit mir verbinden kann. How you know?, fragt er mich, ich sage: one learns to know things. Das f\u00fchrt dann im Laufe der Fahrt zu angenehmen Gespr\u00e4chen. Neben mir sitzt ein riesengro\u00dfer, fast schwarzh\u00e4utiger Mann aus dem S\u00fcden, nett und freundlich. Er beteiligt sich nicht am Reden, bitet aber allen Tee an. Er spielt unerm\u00fcdlich ein buntes Computerspiel, wo er bunte B\u00e4llchen mit einem bunten B\u00e4llchenstab abknallen muss, bis alle verschwunden sind, dann entsteht sofort wieder ein Feld von B\u00e4llchen. Eine junge Frau kommt und versucht, ihr Smartphone bei uns aufzuladen, aber irgendwas funktioniert nicht. Drei M\u00e4nner bem\u00fchen sich, das richtige Aufladeger\u00e4t zu orten, und tats\u00e4chlich, ein winziges Aufsteckding macht\u2019s m\u00f6glich, das mein Gegegn\u00fcber in der Tasche hatte. Wir reden \u00fcber die Ver\u00e4nderungen in Indien, jaja, aber und so, und er erz\u00e4hlt mir, dass in seinem Haus keiner mehr das Zimmer verlassen muss, um mit dem Anderen zu reden, sondern, wie praktisch, man sendet eine Message, baaas!, (fertig!). Und nat\u00fcrlich wartet auf ihn ein Uber-Taxi am anderen Ende. Die junge Frau sendet nun Facebook-Botschaften aus und l\u00e4chelt oft vor sich hin. Ihre Eltern sitzen auch bei uns. An einer bestimmten Halte-Station holen sie ihr Essen drau\u00dfen von einer Online-Bestellung ab, frische Chapattis und Sabzi (Gem\u00fcse). Ich werde informiert, dass man das jetzt gerne macht, teilnehmen an einer aufsteigenden oder bereits prallen Marktl\u00fccke, die schon hochgradig im Wettbewerb ist, daher die Qualit\u00e4t gut, sagen sie. Als ich meine von Shivani mitgegebenen Chapattis und das wohlschmeckende Dazu heraushole, schauen bereits weniger erstaunte Blicke auf mein Display. Ob ich die Chapatis selbst gemacht h\u00e4tte? Ich l\u00fcge. Ja, aber ich h\u00e4tte es nat\u00fcrlich nicht im Blut wie indische Frauen, mein Gott, das schafft doch keine von uns. Chapattis! Perfektes Rund vor dem Herrn! Bescheiden esse ich das k\u00f6nigliche Mahl, habe auch Servietten dabei wie alle anderen, das hilft sehr beim zu erwartenden Kleckern. Es wird \u00fcber Indien geredet, \u00fcber Modi und sein \u201eCashless India\u201c, w\u00e4hrend unsere schon wieder wegen dem Sauerstoffmangel im AC-Waggon erm\u00fcdenden Augen im Drau\u00dfen auf endlose Abfallhaufen starren, auf vor Dreck wimmelnde Teiche und Gew\u00e4sser, in die kein Mensch mehr einen Fu\u00df senken will. Dann wieder grasgr\u00fcne Felder und wunderbare Wohnh\u00e4user mit K\u00fchen und B\u00fcffeln und Ziegen im Hof, wo man aussteigen m\u00f6chte und herumwandern. In der Zwischenzeit ist unser Abteil total entspannt. \u00dcberall offene Blicke, wenn sie von den Smartphones hochblicken und l\u00e4cheln. Gefahrlose Atmosph\u00e4re, das ist auch Indien. Hat man den famili\u00e4ren Kontakt mal gekn\u00fcpft und alle sind zufrieden miteinander, bzw haben sich aneinander gew\u00f6hn und die Normalit\u00e4t eines Wunders hat sich ausgebreitett, ist es ein bisschen wie ein gemeinsam erschaffenens Wohnzimmer. Ein paar Stunden lang. Ich sp\u00fcre das deutlich, als sie alle vor Delhi vor mir austeigen. Freunde weg. Wieder Fremde. Tasche festhalten. Neue Leute. Keine Zeit mehr zum Kennenlernen. Old-Delhi, gef\u00e4hrlicher Ort. Ich komme gut aus dem Zug und finde einen Porter und gehe stracks auf das Prepaid Scooter H\u00e4uschen zu, denn es gibt doch keine Prepaid Taxis, wie es das Internet suggeriert hat, und ich will nicht um Preise feilschen, da eine Meute Taxifahrer uns schon auf den Fersen ist. Ich fahre Scooter mit einem Brudertyp Mann, der Muslim ist und er freut sich, dass ich mit dem Hazrat Express aus Ajmer gekommen bin und die Moschee kenne und Sufis sch\u00e4tze und ihre Poesie. So komme ich nach einer Stunde gerade in Hochform ausbrechender Hitze, heute 37 Grad, bei John an, wo ich jetzt bin.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"boxer-content\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufstehen um 4 Uhr in Shivanis Haus. Zum Abreisen geh\u00f6ren die Bewegungsmittel. 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