{"id":2086,"date":"2017-03-04T00:02:39","date_gmt":"2017-03-04T00:02:39","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=2086"},"modified":"2017-03-04T00:02:39","modified_gmt":"2017-03-04T00:02:39","slug":"ausgleichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=2086","title":{"rendered":"ausgleichen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2087\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170227_105957-168x300.png\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170227_105957-168x300.png 168w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170227_105957-575x1024.png 575w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/p>\n<p>St\u00e4ndig m\u00fcssen wir ausgleichen, balancieren, das Gleichgewicht halten oder wieder herstellen. Es ist auch eine Art Selbstkorrektur. Heute fr\u00fch habe ich mich dabei ertappt, dass ich einem extrem laut schnarchenden Gast zwei Zimmer weiter innerlich empfohlen habe, mal beim Arzt nachschauen zu lassen und war dabei, \u00fcber das Schnarchen nachzudenken. Meine Erfahrung damit reicht aber nicht aus, um es halbwegs interessant zu machen. In der Meditaionsausbildung war es eine der d\u00fcsteren Erfahrungen, wenn man mit einer laut schnarchenden Person in einer R\u00e4umlichkeit gefangen war und gerade trainierte, die Kraft der Gedanken zu verstehen, anstatt mit Agressionsanf\u00e4llen zu k\u00e4mpfen&#8230;aber muss dar\u00fcber nachgedacht werden? Nein! Das fiel mir zum Gl\u00fcck auf.<br \/>\nEtwas sp\u00e4ter h\u00f6rte ich von dort fr\u00f6hliches Lachen und Singen. Was h\u00e4tte ich nicht alles anrichten k\u00f6nnen in einem un\u00fcberlegten Augenblick! Oder am See die Gruppe, an der ich vorbeiging und h\u00f6rte, wie einer immer \u201eJai Ganesh!\u201c vorsang, und alle \u201eJai Ganesh!\u201c hinterher. Klar kann ich mich immer noch wundern, wie einst in der bereits Staub ansetzenden Anekdote mit Dayanand, dem Schullehrer, der sich \u00fcber mich \u00e4rgern musste, weil ich ihm aus purem \u00dcbermut fragte, wie gro\u00df denn seiner Meinung nach Ganesh war, als er auf der Erde herumlief, und Dayanand sich gezwungen sah zu zeigen, dass er nat\u00fcrlich so gro\u00df war wie wir Menschen, und dass ich d a s nicht w\u00fcsste, wo ich doch schon sooo lange hier bin. Statdessen singe ich heute fr\u00fch, im Hintergrund die Gruppe, Manish ein fr\u00f6hliches \u201eJai Ganesh\u201c zu, er singt zur\u00fcck, und schon ist gute Stimmung. Es gibt Tage, da muss man mehr ausgleichen als an anderen. Das durch innere Zust\u00e4nde ausgel\u00f6ste und verlagerte Kommentieren ist nutzlos. Die pr\u00e4zise Konzentration auf das Denken hilfreich. Gestern habe ich Ashish noch gefragt, wer Shiva f\u00fcr ihn ganz pers\u00f6nlich ist. Es dauerte eine Weile, bis klar wurde, dass keine Datei zu finden war. Shiva ist halt ein Gott, fing er dann an&#8230;.aber seine Familie seien ja Vaishnavs, also Followers von Vishnu.<br \/>\nDas beantwortet zwar nicht meine Frage, aber irgendwo schon. Das ist eine ganz andere Welt, sagt es, andere Sitten, anderes Denken, andere Rituale, andere Symbole auf der Stirn, anderes Denken, andere Tempel.<br \/>\nDa unten sucht der Brahmane am Rand des Wasserbeckens entlang mit den Augen wieder nach M\u00fcnzen, die Pilger manchmal ins Wasser werfen. Dann sieht er einen M\u00f6nch und gibt ihm einen 10-Rupien Schein. Was will ich sagen? Eigentlich will ich selbst in der Tiefe verstehen, wie einerseits vieles so interessant und anregend ist von den Menschen und ihren Ideen und ihren Wegen zu sein, mir andrerseits aber das Verstehen von mir selbst als das Wesentliche erscheint. Das hat was mit Gedanken zu tun, die man auch lassen kann, bzw auch zu lernen, wie man sie lassen kann, will man das Seiende ohne eigene Kommentare und Projektionen erleben. Was bleibt, ist der Blick, der zur\u00fcckgenommene Blick, der in sich selbst ruht. Etwas sieht sich. Etwas sagt sich. Es sagt nein!, als eine Gruppe indischer Touristen mal wieder ein Gruppenselfiebild mit mir machen will. Es k\u00f6nnte ebenso gut \u201eja\u201c sein, no difference. Es geht mehr um Stimmiges und Angebrachtes als um Wahrheitsgehalte. Aber immer ausgleichen, ja! Hinter mir und vor mir rasen gerade Affen hin und her, von Hunden gejagt. Wachsam sein!<br \/>\nDann steigt auf einmal schmerzhafte S\u00e4ure aus meinem Magen auf und wandert hoch. Ich kenne das, es kann richtig peinigend werden. Zitrone!, f\u00e4llt mir ein. Der Sadhu, der in der N\u00e4he sein Lager hat, hat keine Zitrone, aber ein ayurvedisches Mittel gegen Magens\u00e4ure! Ich esse sofort eine Tablette und 5 Minuten sp\u00e4ter ist alles wieder in Ordnung. Auf diesem Weg \u00fcber die Erfahrungen hat die Zur\u00fccknahme der Gedanken f\u00fcr mich einen gro\u00dfen Reiz, eben weil der Blick frei wird und Entsprechendes zulassen kann. Beides ist wichtig, auch das bewusste, kreative, philosophische usw Denken. Aber eben auch sch\u00f6n: Dieses stille Einhalten an der Schwelle zwischen drinnen und drau\u00dfen. Diese Konzentration darauf, nicht zu senden und nicht zu empfangen. Nur da sein. Kein Denken, also bin ich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St\u00e4ndig m\u00fcssen wir ausgleichen, balancieren, das Gleichgewicht halten oder wieder herstellen. Es ist auch eine Art Selbstkorrektur. Heute fr\u00fch habe ich mich dabei ertappt, dass ich einem extrem laut schnarchenden Gast zwei Zimmer weiter innerlich empfohlen habe, mal beim Arzt nachschauen zu lassen und war dabei, \u00fcber das Schnarchen nachzudenken. 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