{"id":2027,"date":"2017-02-20T02:04:50","date_gmt":"2017-02-20T02:04:50","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=2027"},"modified":"2017-02-20T02:10:12","modified_gmt":"2017-02-20T02:10:12","slug":"sonntags","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=2027","title":{"rendered":"sonntags"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2030\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170219_1953311-170x300.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170219_1953311-170x300.jpg 170w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170219_1953311-768x1358.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170219_1953311-579x1024.jpg 579w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170219_1953311.jpg 1059w\" sizes=\"auto, (max-width: 170px) 100vw, 170px\" \/><\/p>\n<p>Am Sonntag gehe ich meistens nicht raus. Nicht, weil alle L\u00e4den zu sind wie bei uns im Westen, sondern weil eine Unmenge Menschen hier antanzen, einerseits, um das obligatorische Bad zu nehmen, andrerseits, um die ber\u00fcchtigten Foreigners zu sehen. Da sieht man auch eine ganze Menge, zB habe ich, weil ich ausnahmsweise doch drau\u00dfen war, einen jungen Mann gesehen, der hatte ein Bein vollkommen schwarz t\u00e4towiert, ganz ohne Design, nur schwarz. Das muss schmerzhaft und vor allem teuer gewesen sein, sagte ich fragend, und er bejahte das gerne. Ich war auf dem Weg zu Lali. Wir gehen einmal im Jahr zusammen zu einem Devi-Tempel, hier Jamunda Mata genannt, eine der furchterregenden G\u00f6ttinnen, die meist aus einem runden St\u00fcck Stein besteht, in den man Augen einsenkt und dann das Ganze mit Farbe \u00fcberpinselt. Na ja, wir gehen da gerne hin, weil der Tempel in einer wundersch\u00f6nen Gegend liegt, wo einen das zeitlose Indien ergreift und man \u00fcberl\u00e4sst sich erstaunt dem Erleben an sich. Links eine Felsenwand, auf der Affen sich tummeln, rechts riesige G\u00e4rten, wo sattes Gr\u00fcn w\u00e4chst und Rosen, die ber\u00fchmten Rosen, die man sp\u00e4ter in der Marmelade oder dem Wasserfl\u00e4schchen finden kann oder in den Tempeln vor den angebeteten Herrschaften. Auf dem Weg schweigsame M\u00e4nner mit gro\u00dfen Herden der sch\u00f6nsten Ziegen, die ich je selbst betrachten durfte. Kann man mal eins der Kleinsten von ihnen auf den Arm nennen, ist man verwandelt, denn man wei\u00df jetzt, was das ganz und gar Schmiegsame ist, das gleichzeitig vollkommen frei ist. Bei Jamunda hat man \u00fcbrigens fr\u00fcher Ziegen geopfert, das macht der M\u00f6nch, der dort jetzt lebt, zum Gl\u00fcck nicht mehr. Sein Stein hat ein h\u00fcbsches Kleidchen an, davor ein bunter Vorhang, der zugezogen wird, wenn sie schl\u00e4ft. Das ist alles in seiner Schlichtheit so ungetrennt vom Irrsinn, dass es schon wieder befreit, denn wer es verstehen will, wird scheitern. Da sitzen Lali und ich dann herum, der \u201eBaba\u201c kennt uns schon und redet eine Weile mit uns oder erkl\u00e4rt anderen, die dort ankommen, wer wir sind, und da h\u00f6rt man lieber nicht hin, denn es kann sehr weit von allem entfernt sein, was man selbst \u00fcber sich wei\u00df. In Indien habe ich au\u00dferdem erfahren, dass ein schlechter Ruf keineswegs ung\u00fcnstiger ist als ein guter Ruf, beides m\u00f6chte man lieber nicht haben. Aber gut, ich komme zum Kern meiner Sonntagsgeschichte: wir sitzen also da, Lali und ich, und reden \u00fcber etwas Neues, was sie in ihrem Leben machen will, da kommt ein Rajasthani Maharaj, wie sie hier genannt werden, mit einem riesigen roten Turban auf dem Kopf und einem Dhoti an, einem ausget\u00fcftelten Teil aus ein paar Metern feinster Baumwolle, und setzt sich nicht weit von uns entfernt hin und h\u00f6rt nicht auf, uns anzustarren. Dann spricht er uns an. Forschend und ernst sagt er zu Lali, sie sei wohl die Frau, die man \u00fcberall sucht, weil sie ohne ein Wort zu sagen ihre Familie verlassen hat, und, strenger Blick auf mich, wohl mit dem Mann (ich), der nun neben ihr sitzt. Sie schafft es, in Marwari, dem lokalen Dialekt, zu verneinen, ob er \u00fcberzeugt war, wissen wir nicht. Obwohl ich es am Morgen erlebt habe, staune ich noch am Abend dar\u00fcber, und noch, w\u00e4hrend ich es erz\u00e4hle, kichert es hilflos aus mir heraus. Wieviel Freiheit man doch den Menschen gew\u00e4hren muss, einen in ihrer Geschichte so zu sehen, wie es f\u00fcr sie in ihre passt. Fr\u00fcher stand ich oft dabei, wenn jemand aus dem Dorf einem Pilger, der wissen wollte, wer ich denn sei, zB munter und angeregt erz\u00e4hlt hat, ich w\u00fcrde so sch\u00f6n Fl\u00f6te spielen, obwohl mein Mund seit meiner Kindheit an keiner Fl\u00f6te mehr war, oder ich w\u00fcrde Tag und Nacht die Zimbeln schlagen, davon war ich noch weiter entfernt. Und so ist es vorteilhaft, das eigene schlichte Leben, das ich nun einmal f\u00fchre, unbek\u00fcmmert weiterzuf\u00fchren, und auch Andere in der Weiterf\u00fchrung ihrer Geschichte nicht weiter zu st\u00f6ren, auch wenn man darin als vielerlei auftaucht, wen k\u00fcmmert\u2019s. Dann gibt es die Wunder. Das Auge der Liebe. Die Achtsamkeit. Die Freundschaft&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>Das Photo von Lali, die ich seit ihrem vierten Lebensjahr kenne, habe ich vor einiger Zeit gemacht. Heute dachte ich, dass es vielleicht ganz sch\u00f6n ist, mal den Namen mit dem Bild zu verbinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag gehe ich meistens nicht raus. Nicht, weil alle L\u00e4den zu sind wie bei uns im Westen, sondern weil eine Unmenge Menschen hier antanzen, einerseits, um das obligatorische Bad zu nehmen, andrerseits, um die ber\u00fcchtigten Foreigners zu sehen. 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