{"id":20088,"date":"2024-09-03T08:06:03","date_gmt":"2024-09-03T08:06:03","guid":{"rendered":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=20088"},"modified":"2024-09-03T08:08:35","modified_gmt":"2024-09-03T08:08:35","slug":"klagen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=20088","title":{"rendered":"klagen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"809\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_091049-809x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20089\" style=\"width:355px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_091049-809x1024.jpg 809w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_091049-237x300.jpg 237w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_091049-768x972.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_091049.jpg 984w\" sizes=\"auto, (max-width: 809px) 100vw, 809px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Jeremia beim Klagen<\/h6>\n\n\n\n<div style=\"height:39px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Das Bild habe ich unter &#8222;Jeremiade&#8220; gefunden, ein sch\u00f6nes Wort f\u00fcr gro\u00dfe Klagen, die durchaus berechtigt sind und manchmal einen einzigen Menschen betreffen wie hier Jeremia, der \u00fcber den Fall Jerusalems klagt und allein auf der Treppe steht, weil alle, die den gro\u00dfen Schmerz sp\u00fcren, alleine sind. Und nur wir wissen, wenn uns das Weh ergriffen hat, was das mit uns machen kann, wenn nur noch das Nichts einen anl\u00e4chelt und erm\u00f6glicht, tiefste Bedeutung und v\u00f6llige Bedeutungslosigkeit gleichzeitig zu erfahren, sodass einen der Schock erfasst, dann die Ern\u00fcchterung, dann die Erneuerung, auch Licht am Ende des Tunnels genannt. Aber &#8218;Jeremiade&#8216; heisst auch &#8218;Jammerrede&#8216;, eine weitere Konnotation, mit der wir ebenfalls vertraut sind. Menschen jammern gern herum \u00fcber alles M\u00f6gliche, was nicht ihren Vorstellungen entspricht, das k\u00f6nnen Vorgesetzte sein oder Autos, oder Politiker, die man unf\u00e4hig findet, auch wenn sie ihre Sache einigerma\u00dfen gut machen, denn auch das Jammern gibt Macht, ein bisschen Macht, denn man sagt hey, mir passt das nicht, das m\u00fcsste anders sein. Seltern wei\u00df der oder die Jammernde wie. denn es fehlt der Impuls zum Herauskommen aus dem Jammertal, wo man beim fr\u00f6hlich tuenden Durchwandern auch andere anstecken kann, und dann kann man zusammen jammern. Gerade kam ein Nachbar vorbei und klagte \u00fcber die Wildschweine, die den ganzen Weg verschandelt h\u00e4tten, und sie w\u00e4ren schon so nah, dass wir unsere K\u00fchltruhe aufmachen sollten. Ich musste einen Moment innehalten, um zu verstehen, was er meinte, und f\u00fchlte mich dann gen\u00f6tigt, ihn daran zu erinnern, dass wir, was er doch sicherlich w\u00fcsste, Vegetarier:innen seien. Nicht, dass ihn das interessierte, er wollte nur jammern, und zum Jammern dient die ganze Welt, auch Wildschweine. Riesenz\u00e4hne h\u00e4tten sie, diese Viecher, und wenn sie einen ins Bein bei\u00dfen w\u00fcrden, dann w\u00e4re das weg. Ich schlug vor, er solle den F\u00f6rster anrufen, aber um L\u00f6sungen ging&#8217;s ja nicht. Es ging ums Jammern, das kann auch ein wenig erleichtern. Das Klagelied aber kann etwas Gro\u00dfartiges sein, wenn der Schmerz des Vergehenden und die Verschlagenheit des Menschen und die Aussichtslosigkeit auf seine Besserung das Gem\u00fct so tief erfasst, sodass nur noch die Rede hilft, die nicht mehr angewiesen ist auf Zuh\u00f6rerschaft oder L\u00f6sungsphantasien, sondern man kann dann zu den Wolken sprechen oder zu den W\u00e4nden oder zu den G\u00f6ttern oder zu sich, denn auch das unertr\u00e4gliche Leid hat eine Sprache, die man empfangen kann.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeremia beim Klagen Das Bild habe ich unter &#8222;Jeremiade&#8220; gefunden, ein sch\u00f6nes Wort f\u00fcr gro\u00dfe Klagen, die durchaus berechtigt sind und manchmal einen einzigen Menschen betreffen wie hier Jeremia, der \u00fcber den Fall Jerusalems klagt und allein auf der Treppe steht, weil alle, die den gro\u00dfen Schmerz sp\u00fcren, alleine sind. 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